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Tour de France 2016: Greipel gibt Rätsel auf: "Er ist ein geschlossenes Buch"
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Publiziert 08/07/2016 um 19:01 GMT+2 Uhr
Der Himmel über den Pyrenäen war am Freitagmorgen so trübe wie die Stimmung bei André Greipel. Für den deutschen Meister war die erste Woche der Tour de France mit einer unglücklichen und drei krachenden Niederlagen in den Massensprints eine zum Vergessen. Der 33-Jährige, der bei der Frankreich-Rundfahrt abräumen wollte, gibt Rätsel auf.
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"Es ist schon enttäuschend. Wir müssen ihm aber jetzt seine Ruhe lassen", sagte Marc Sergeant, General-Manager von Greipels Team Lotto-Soudal, nachdem sein Kapitän im Sprint der sechsten Etappe erneut völlig chancenlos gewesen und danach wortlos im Mannschaftsbus verschwunden war. Sergeant, 1987 selbst Tour-Etappensieger, gab unumwunden zu, dass der Umgang mit dem manchmal extrem introvertierten Sprintstar für ihn und das Team kein leichter ist.
"Die ersten Momente nach einer solchen Niederlage sind sehr hart für André. Er kann nicht akzeptieren, dass er nicht mit seiner ganzen Kraft um den Sieg sprinten konnte", sagte der 56 Jahre alte Belgier:
Nach Etappen wie jener am Donnerstag, als er frühzeitig das Tempo rausnahm und auf Platz 15 ins Ziel rollte, kommt selbst sein "Buddy" Marcel Sieberg nicht an den Käpt'n ran.
"Ich habe eine sehr professionelle Einstellung, das zahlt sich im Laufe der Karriere aus", sagte Greipel vor dem Tour-Start. Diese Haltung, so sehr sie seinen sportlichen Erfolgen wie den zehn Etappensiegen bei der Tour zuträglich ist, so sehr lässt sie den Mecklenburger unnahbar erscheinen. Ein Sonnyboy wie sein Rivale Marcel Kittel ist Greipel nicht, er ist Analytiker, Grübler.
An den kommenden Tagen hat Greipel viel Zeit, darüber nachzudenken, was schiefgelaufen ist, auf den schweren Pyrenäen am Samstag und Sonntag wird er sich früh ins Gruppetto zurückfallen lassen. Teilhaben lassen wird Greipel die breite Öffentlichkeit möglicherweise nicht an seiner Analyse. So bleiben Fragen.
Ist Greipel mit bald 34 zu alt für große Erfolge? Nein, das nicht. Bis zur Tour fuhr der Rostocker eine starke Saison, gewann drei Giro-Etappen, holte den DM-Titel. Ein Mario Cipollini wurde als Sprinter 2002 mit 35 Jahren Weltmeister. Stimmt bei Greipel die Form nicht? Schwer zu sagen. Im schweren Bergauf-Sprint der dritten Etappe in Angers, als er um einen Hauch gegen Mark Cavendish unterlag, war davon nichts zu spüren. Einen Tag später nach Platz 19 in Limoges sprach Greipel selbst davon, "einfach keine Power" gehabt zu haben.
Ist es ein Kopfproblem? Macht sich Greipel selbst zu großen Druck gegen einen Cavendish oder Kittel, die mit der Lockerheit mindestens eines Etappensiegs im Gepäck fahren? Dies könnte nur Greipel selbst beantworten.
Die nächste Chance für Greipel bietet sich vielleicht am Dienstag in Revel, eher erst am Mittwoch in Montpellier, bis dahin muss er im Hochgebirge zu sich selbst finden, Körner sparen, die Beine pflegen. "Im Moment ist das hart zu verdauen, aber kein Grund zur Panik", sagt Sergeant.
Für Greipel steht aber bei der Tour noch mehr auf den Spiel: Es geht in Frankreich auch um die Kapitäns-Rolle bei der WM im Oktober in Katar, einer seltenen Chance für Sprinter auf das Regenbogen-Trikot. Es scheint, als habe Sonnyboy Kittel derzeit bessere Karten als Grübler Greipel.
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