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Tour de France: Die Sieger in Punktewertung, Bergwertung, Teamwertung und Nachwuchswertung 2017
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Publiziert 23/07/2017 um 22:42 GMT+2 Uhr
Neben Chris Froome wurden zum Abschluss der Tour de France 2017 in Paris auch noch die Sieger der anderen Sonderwertungen der Rundfahrt geehrt - und für alle waren es Premieren. Wer in Punktewertung, Bergwertung, Teamwertung und Nachwuchswertung auf dem Podium stand und wer als "Kämpferischste Fahrer" der Tour 2017 ausgezeichnet wurde, findet Ihr hier kompkat in der Übersicht.
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Fotocredit: Eurosport
Grünes Trikot / Punktewertung:
Ein bisschen unwohl war Michael Matthews schon. "Ich hätte das Trikot auf andere Weise lieber bekommen", sagte der Australier. Auf andere Weise, als durch den sturzbedingten Ausfall von Deutschlands Sprintstar Marcel Kittel. Damit fiel auch der erhoffte Krimi auf der Avenue des Champs-Élysées in Paris aus, die Entscheidung in letzter Sekunde.
Bei Kittels Ausstieg in den Alpen hatte sich Matthews bis auf neun Zähler an den Thüringer genähert, bis zur Schlussetappe blieb sein Punktekonto unverändert, doch der große Rivale saß inzwischen in Schweizer Wahlheimat am Bodensee und ließ seine Wunden pflegen.
Es ist nicht so, dass Matthews ein unverdienter Gewinner des Grünen Trikots ist. Der 26-Jährige hat zwei schwierige Etappen der 104. Tour de France für sich entschieden und beständig bei den Zwischensprints gepunktet.
Doch der Radprofi aus dem deutsch lizenzierten Team Sunweb war nicht nur ein Profiteur des Ausfalls von Kittel, sondern auch des umstrittenen Ausschlusses von Peter Sagan. Der Slowake hatte die Wertung fünf Jahre lang gewonnen und wäre wohl auch diesmal kaum zu gefährden gewesen.
"Ich habe mit beiden Händen zugegriffen", sagte Matthews, der beim Giant-Alpecin-Nachfolger den Platz von John Degenkolb eingenommen hat. Sportlich fraglos eine Verbesserung, denn gerade bei der Tour war Matthews im direkten Duell klar stärker als der deutsche Klassikerspezialist.
Und "Bling", wie er genannt wird, weil er als Teenager Schmuck so liebte, nähert sich erst dem Zenit seiner Leistungsfähigkeit. Er hat schon jetzt Etappen bei allen drei großen Rundfahrten gewonnen, war WM-Zweiter, trug das Maglia Rosa beim Giro d'Italia. Er ist jetzt der dritte Australier nach Robbie McEwen und Baden Cooke im begehrten "Maillot vert". Matthews könnte in Zukunft auch zu einem echten Herausforderer Sagans heranwachsen.
Gepunktetes Trikot / Bergwertung:
Frankreich fieberte drei Wochen lang mit Romain Bardet, der die Sehnsucht nach dem Gesamtsieg bei der 104. Tour de France aber dann doch nicht stillte. Frankreich fieberte auch mit Warren Barguil, der zum Bergtrikot eher unvermittelt kam, euphorisiert von der Aussicht auf das "Maillot à pois" aber schier über sich hinauswuchs.
Der Bretone, der sich qua seiner Herkunft nun die unvermeidlichen Vergleiche mit dem großen Bernard Hinault gefallen lassen muss, flog regelrecht vor allem durch die Pyrenäen und die Alpen. Barguil sammelte Punkt um Punkt, war zunächst als Ausreißer präsent und distanzierte später sogar die Favoritengruppe um Christopher Froome auf dem Weg zum Col d'Izoard.
Bei der letzten Bergankunft der Tour errang der 25-Jährige seinen zweiten Etappensieg, der erste war ihm am französischen Nationalfeiertag in Foix am Fuße der Pyrenäen gelungen. "Ich bin in der besten Form meines Lebens", sagte Barguil, der sich Ende April bei einem Rennen in der Schweiz noch einen Beckenknochen gebrochen hatte.
Auch gerade diese Verletzung erkläre die Leistung des Radprofis aus dem deutsch lizenzierten Team Sunweb, findet Barguil selbst jedenfalls: "Ich glaube, ich bin durch die Pause frischer als die anderen, das macht einen Riesenunterschied. Es könnte nicht besser sein."
So frisch, dass er den Izoard sogar in Rekordzeit bewältigte. Aber, schob der junge Kletterer nach, gerade sein Auftritt zeige, dass der Radsport sauberer sei. "Sonst hätte ich hier nicht gewonnen, ich habe kein wahnwitzigen Wattzahlen getreten", sagte Barguil, der gemeinsam mit seinem australischen Teamkollegen Michael Matthews, dem Gewinner des Grünen Trikots, das erfolgreichste Doppelzimmer der Großen Schleife bildet: "All unsere Träume sind wahr geworden."
Weißes Trikot / Nachwuchswertung:
Erst Adam, nun Simon Yates. Ein Jahr nachdem sein Zwillingsbruder das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers nach Paris brachte, hat auch der zweite Hochbegabte der Yates-Familie das begehrte Jersey erobert. Der 24-Jährige gewann die Sonderwertung bei der 104. Tour de France relativ ungefährdet vor dem Südafrikaner Louis Meintjes und dem Ravensburger Emanuel Buchmann, der aber nie in den Kampf eingreifen konnte.
Simon Yates deutete an, dass sich Großbritannien wohl keine Sorgen um Nachfolger machen muss, sobald die Ära von Christopher Froome einmal endet. Die Yates-Geschwister haben das Zeug, in der Zukunft in die Phalanx der besten Rundfahrer der Welt einzubrechen.
Adam war 2016 bereits Gesamtvierter der Tour, konzentrierte sich 2017 aber auf den Giro d'Italia, den er als Neunter abschloss. Simon empfahl sich mit Platz sechs bei der Vuelta 2016 und nun mit Rang sieben bei der Großen Schleife. "Sie sind immer noch Kids, sie sind noch weit entfernt von ihrer Leistungsgrenze. Sie haben sich schnell entwickelt, und das werden wir fortsetzen", sagte Matthew White, Sportdirektor beim Yates-Team Orica-Scott.
Auch die unschöne Yates-Episode aus dem vergangenen Frühjahr ist mittlerweile in den Hintergrund gerückt. Simon wurde positiv auf das verbotene Medikament Terbutalin getestet. Der Arzt der Orica-Mannschaft nahm damals die Schuld auf sich, er habe vergessen, für das Asthmamittel eine Ausnahmegenehmigung zu beantragen. Simon Yates durfte mehrere Monate nicht an Rennen teilnehmen, langzeitig hemmende Wirkung hatte die Sperre offenkundig nicht.
Teamwertung:
Zum fünften Mal seit 2012 hat Team Sky den Tour-Sieger gestellt, aber erstmals gelingt dem Rennstall nun auch der Gewinn des Mannschaftsklassements. Das war Sky nicht einmal 2012 gelungen, als Bradley Wiggins und Chris Froome gemeinsam auf dem Podium der Einzelwertung standen. Die Armada mit einer Vielzahl von exzellenten Klassementsfahrern stellte den Erfolg des Kapitäns immer über die Teamwertung und auch 2017 war der Fokus klar.
Doch weil die Konkurrenz durch Ausfälle (wie etwa Movistar) geschwächt war bzw. auch alle Kräfte auf den Kampf um Gelb konzentrierten (wie ag2r) war Sky diese Tour-Premiere nicht zu nehmen. Unverdient war der Erfolg keinesfalls, sondern die (späte) logische Konsequenz der geballten Schlagkraft des Starensembles.
Kämpferischster Fahrer:
Nächste Auszeichnung für Barguil, allerdings auch durchaus umstritten. In einer Mischung aus Fan-Wahl über Twitter und Abstimmung einer sechsköpfigen Jury wurde der Bretone zum "Super Combatif" gekürt. Doch dadurch blieb Thomas De Gendt auf der Strecke - der Belgier vom Team Lotto-Soudal war pausenlos im Angriff und über 1000 Kilometer als Ausreißer vor dem Feld unterwegs. Viele Fans und Experten hätten ihn als Sieger bevorzugt.
Allerdings steht außer Frage, dass auch Barguil mit vielem Angriffen und erfolgreichen Aktionen in den Bergen seinen Kampfgeist mehr als unter Beweis gestellt hat und ein würdiger Sieger ist.
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