Tour de France: Geraint Thomas gewinnt 12. Etappe nach Alpe d'Huez

Geraint Thomas (Sky) hat die 12. Etappe der Tour de France über 175,5 km von Bourg-Saint-Maurice Les Arcs nach Alpe d'Huez gewonnen. Zweiter wurde mit zwei Sekunden Rückstand Tom Dumoulin vor Romain Bardet. Damit behauptet der Brite das Gelbe Trikot und baut seinen Vorsprung sogar weiter aus. Teamkollege Christopher Froome belegte in Alpe d'Huez den vierten Platz. Mikel Landa wurde Fünfter.

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Die Götterdämmerung bei der Tour de France geht weiter: Ein unwiderstehlicher Geraint Thomas ist auch in Alpe d'Huez zum Etappensieg gestürmt und hat seinen Kapitän Chris Froome beim Spießrutenlauf im Radsport-Mekka erneut auf den letzten Metern stehen gelassen.
Der etatmäßige Edelhelfer baute seine Führung im Kampf um das Gelbe Trikot gegenüber Sky-Leader Froome weiter aus. Die deutschen Profis erlebten schwarze Stunden.

Thomas fordert: "Spuckt uns nicht an"

"Ich bin sprachlos. Ich weiß nicht, was ich sagen soll, wirklich. Ich hätte nie im Leben gedacht, dass ich heute die Chance habe zu gewinnen", sagte Thomas bei Eurosport:
"Froomey ist beinahe gestürzt. Ich weiß nicht, ob es absichtlich war, aber die Leute sind uns einfach zu nahe gekommen. Das war nicht gut anzusehen", sagte Thomas und wandte sich an Fans:
Der 32-Jährige verwies die Herausforderer Tom Dumoulin (Niederlande/Sunweb) und Romain Bardet (Frankreich/AG2R) auf die Plätze. Chris Froome (Großbritannien), Titelverteidiger und nominelle Nummer eins im Team Sky, wurde Vierter. In der Gesamtwertung liegt Thomas nach der letzten Alpenetappe 1:39 Minuten vor Froome, Dumoulin (+1:50) ist Dritter.

Tour-Aus für Greipel und Zabel

"Ich fahre nach wie vor für Froome", betonte Thomas:
Für die deutschen Fahrer setzte sich eine enttäuschende Tour fort. Einen Tag nach dem Aus von Marcel Kittel (Arnstadt/Katusha-Alpecin) war die Rundfahrt auch für Sprint-Routinier Andre Greipel (Rostock/Lotto-Soudal), seinen Teamkollegen Marcel Sieberg (Castrop-Rauxel) und Rick Zabel (Unna/Katusha-Alpecin) beendet. Das Trio lag bereits zur Hälfte der letzten Alpen-Etappe nach L'Alpe d'Huez so weit zurück, dass es in den Besenwagen stieg und die Tour damit verließ.
In einem packenden Finale auf den legendären 21 Kehren vor Hunderttausenden teils übermäßig begeisterten Fans hatte der 32 Jahre alte Thomas wie am Tag zuvor in La Rosiere die größeren Reserven und setzte sich mit zwei Sekunden Vorsprung auf den Niederländer Tom Dumoulin (Sunweb) durch. Dritter wurde Romain Bardet (Frankreich/AG2R) mit drei Sekunden Rückstand vor Froome, der vier Sekunden hinter Thomas lag - allerdings kassierte dieser als Etappensieger zehn Bonussekunden.
In der Gesamtwertung liegt Thomas nun 1:39 Minuten vor Froome, der sich im Kampf um seinen historischen fünften Tour-Sieg und um die Vormachtstellung im Sky-Team nun gewaltig strecken muss. Dritter ist Dumoulin (+1:50), der am Donnerstag den ersten Sieg eines Niederländers am "Berg der Holländer" seit 29 Jahren verpasste.

Doppelter Kampf um das Gelbe Trikot

Zudem riss inAlpe d'Huez die Serie der Franzosen, die zuletzt dreimal in Serie mit Pierre Rolland (2011), Christophe Riblon (2013) und Thibaut Pinot (2015) im größten "Stadion" des Radsports triumphiert hatten.
Auf den letzten Kilometern hatten sich Froome, Thomas, Bardet und Dumoulin hartnäckig belauert, es kam beinahe zu Stehversuchen. Im Schlusssprint zog Thomas dann beeindruckend davon.

Wirbelbruch nach Sturz: Nibali muss Tour abbrechen

Vincenzo Nibali (Bahrain Merida) erlitt bei einem Unfall einen Wirbelbruch. Das ergab die Untersuchung im Krankenhaus von Grenoble. Der Italiener muss das Rennen nach einem Sturz 3,9 Kilometer vor dem Ziel aufgeben, dessen genaue Ursache noch unklar ist.
Der Kolumbianer Nairo Quintana musste sechs Kilometer vor dem Ziel abreißen lassen und büßte endgültig alle Chancen auf den Toursieg ein.
Auch die zweimaligen Etappensieger Dylan Groenewegen (Niederlande/LottoNL-Jumbo) und Fernando Gaviria (Kolumbien/Quick-Step Floors) gaben auf. Damit sind vor der nächsten erwarteten Massenankunft am Freitag in Valence kaum noch Topsprinter im Feld vertreten.
Der doppelte Kampf um das Gelbe Trikot und die Vorherrschaft bei Sky setzt sich schon am Samstag fort, wenn auf halbem Weg zwischen Alpen und Pyrenäen der kurze Schlussanstieg zum Flugplatz von Mende zu absolvieren ist.
Angesichts der immer noch schwelenden Gefahr eines tätlichen Übergriffes auf den wegen seiner Asthmamittel-Affäre bei den Fans weiter umstrittenen Froome und kaum zu kontrollierenden Menschenmassen am Schlussanstieg hatten die Organisatoren die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. So war an neuralgischen Party-Punkten wie der "Kehre der Holländer" rund sechs Kilometer vor dem Ziel der Alkoholverkauf verboten worden.
Trotz der aufgeheizten Atmosphäre blieb das Radsport-Fest aber weitgehend friedlich. Froome musste jedoch einen Schubser eines Fanatikers einstecken und sich erneut einige Unmutsbekundungen gefallen lassen, zudem kamen diverse - höflich ausgedrückt - übermütige Fans den Fahrern bedrohlich nahe. Letztlich fuhren aber alle Rivalen heil ins Ziel.
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