Während Roglic völlig erschöpft und tief enttäuscht im Ziel ein letztes Mal im "maillot jaune" auf dem Boden saß, konnte Pogacar seinen Tagessieg und den Sprung an die Spitze kaum fassen.

Wenig später beglückwünschte Roglic aber den designierten Tour-Sieger, 59 Sekunden trennen die beiden Slowenen nun vor der Schlussetappe in Paris. Topfavorit Roglic beendete das Zeitfahren nur als Fünfter mit 1:56 Minuten Rückstand auf die Bestzeit von Pogacar, der vom Start weg Sekunde um Sekunde aufgeholt hatte und auch am Anstieg der 1. Kategorie mit seinen steilen Rampen im Finale nicht einbrach.

Tour de France
Die Sieger der Tour 2020: Ergebnisse und Gesamtwertungen
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Starke Worte nach dem Tour-Schock: Roglic zeigt Größe

"Ich glaube ich träume - ich weiß nicht, was ich sagen soll und wann ich das realisiere", sagte Pogacar im Siegerinterview.

"Ich habe einfach Vollgas von Anfang bis Ende gegeben. Mein Traum war eigentlich, mitzufahren, jetzt stehe ich hier. Unglaublich. Ich weiß nicht, wann ich das kapieren werde."

Tolle Geste nach Tiefschlag: Roglic herzt Pogacar trotz Schock

Richie Porte eroberte noch Platz drei der Gesamtwertung von Miguel Angel Lopez, der auf Rang sechs abrutschte.

Pogacar sicherte sich zudem auch noch das Bergtrikot, das Richard Carapaz nicht verteidigen konnte.

Erst Qual, dann Schock: Dominator Roglic am Boden

Tour-Drama: Pogacar entfesselt, Roglic gezeichnet

Roglic war um 17:14 Uhr als letzter Starter von der Rampe gerollt, die Ausgangslage war für den starken Zeitfahrer bei 57 Sekunden Vorsprung auf Pogacar sehr gut. Der Mann in Gelb begann auf dem unheimlich selektiven Kurs - zuerst eben, dann spürbar ansteigend und die letzten sechs Kilometer als steile Rampe - dosiert, lag bei der ersten Zwischenzeit nur auf Platz fünf und 13 Sekunden hinter Pogacar.

Bis zum Anstieg der Schlusssteigung verlor Roglic weitere Sekunden auf Pogacar. Beide wechselten am Fuß der Steigung ihr Rad, stiegen von der Zeitfahr- auf die Bergmaschine um. Als Roglic bei der Vier-Kilometer-Marke ankam, war sein Vorsprung aufgebraucht. Der entfesselte Pogacar gab weiter Gas, Roglic hatte nichts mehr zuzusetzen und verlor Sekunde um Sekunde.

Entfesselt zur Sensation: Pogacar stürmt ins Gelbe Trikot

Tour-Debütant Pogacar wird am Sonntag auf den Champs-Elysees gekrönt. Jünger war in der Geschichte der Grande Boucle nur ein Sieger: Im Jahr 1904 triumphierte der 19-jährige Henri Cornet. Der Wechsel in Gelb im abschließenden Zeitfahren errinnerte an das Drama der Tour1989, als Laurent Fignon die Tour noch um acht Sekunden gegen Greg Lemond verlor:

Krimi in Paris: Das Zeitfahr-Drama 1989 mit Lemond und Fignon

Tour-Umsturz schockt Martin

Das hammerharte Zeitfahren an der "Planke der schönen Mädchen" sorgte nicht nur an der Spitze für riesige Abstände. "Es ist ein extrem schwieriges Zeitfahren. Der Scharfrichter ist La Planche de Belle Filles, er Anstieg ist extrem schwer, sehr ungleichmäßig", sagte Tony Martin.

Der viermalige Zeitfahr-Weltmeister hatte die Muße, den Kurs ohne zu große Anstrengungen betrachten, hatte rund sieben Minuten Rückstand. Im Ziel verfolgte er dann entgeistert mit, wie sein Jumbo-Teamkollege Roglic den großen Triumph aus der Hand gab.

Tour-Sieger in 3, 2, 1...: Große Emotionen bei Pogacar

Bester Deutscher war Max Schachmann auf Platz 17. "Ich habe mich in den vergangenen Tagen nicht mehr so fit gefühlt, bin heute nach Gefühl gefahren, und am Ende war es gar nicht so schlecht", sagte der Bora-Profi: "Es hat schon weh getan da hoch, aber die Atmosphäre war großartig."

Als Letzter des Gesamtklassements und damit als Erster war um 13.00 Uhr Roger Kluge gestartet. Der deutsche Routinier des Lotto-Soudal-Rennstalls behielt die Rote Laterne, wird sie wohl als erster Deutscher nach Willy Kutschbach im Jahr 1935 auch in Paris behalten. Sein Rückstand auf den Spitzenreiter - mehr als sechs Stunden auf Pogacar - ist der größte eines Schlusslichts seit 1955.

Zum "Kämpferischsten Fahrer" der Tour de France 2020 wurde derweil am Samstag der Schweizer Marc Hirschi vom deutschen Team Sunweb gewählt.

(mit SID)

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