Für Ex-Weltmeister Kwiatkowski war es in seiner langen Karriere der erste Etappensieg bei einer großen Landesrundfahrt, für den amtierenden Giro-Sieger Carapaz der nächste Spitzenplatz bei dieser Tour. Er konnte sich zudem mit der Eroberung des Bergtrikots "trösten". Dritter wurde aus der Gruppe der Favoriten mit 1:51 Minute Rückstand der Belgier Wout Van Aert, sein Teamkollege Primoz Roglic verteidigte das Gelbe Trikot erneut.

"Das ist einer dieser Tage, an denen man seinen Dank kaum ausdrücken kann. Ich hatte sicher schon einige schöne Momente im Radsport, aber das ist eine neue Erfahrung, sagte Tagessieger Kwiatkowski, "wir hatten heute einfach die besten Beine und so viel Spaß."

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18/09/2020 AM 12:01

Pechogel des Tages war der Schweizer Marc Hirschi, der gute Chancen auf einen weiteren Etappensieg gehabt hätte: Der Schweizer Stürzte in der Abfahrt vom Col des Saisies, verlor so den Anschluss an das Ineos-Duo und wurde am Ende 13. der Etappe. Das Missgeschick kostete ihn wohl auch das Bergtrikot, denn er hatte im Duell mit Carapaz die ersten beiden Bergwertungen des Tages gewonnen. Hätte Hirschi das Sondertrikot erobert, wären seine Chancen sehr gut gewesen, es auch bis nach Paris zu tragen. So blieb Hirschi einmal mehr der Preis als "Kämpferischster Fahrer" einer Etappe dieser Tour.

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Carapaz, der mehrmals nur knapp nach langen Attacken einen Etappensieg verpasst hatte, und Kwiatkowski zogen an der Montée du Plateau des Glieres, dem kurzen, aber sehr steilen letzten Hors-Categorie-Berg der 107. Tour, davon. Auf dem archaischen Schotter der Glieres-Hochebene, die zum zweiten Mal nach 2018 und erstmals in einer Etappen-Schlussphase auf dem Tour-Programm stand, war das Ineos-Duo schon nicht mehr einzuholen.

Geschke wieder vorne dabei

Pech hatte von den Podiumsanwärtern Richie Porte, der auf der Schotterpiste 30 Kilometer einen Reifenschaden hatte und dadurch aus der Gruppe der Favoriten zurückfiel. Der Australier kämpfte sich aber mit vollem Einsatz wieder zurück zu seinen Konkurrenten und verteidigte seinen vierten Gesamtrang. Dagegen verloren Adam Yates (Großbritannien/5.) und Rigoberto Uran (Kolumbien/6.) ihre Platzierungen an die Spanier Mikel Landa und Enric Mas.

Simon Geschke gehörte ebenfalls einmal mehr zur Ausreißergruppe des Tages, konnte aber im Laufe der Etappe über fünf Bergwertungen nicht mehr folgen, aber mit Rang 15 einen weiteren Spitzenplatz erkämpfen.

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Von Beginn an gaben die 150 von einstmals 176 verbliebenen Startern Vollgas, schon am ersten Anstieg, dem 1968 m hohen Cormet de Roselend, zerfiel das Feld in viele Gruppen. Die in den vergangenen Tagen so aktive Bora-Mannschaft konnte sich trotz aller Versuche nicht entscheidend unter den Ausreißern platzieren. "Man merkt schon auf den ersten fünf Kilometern, ob die Beine gut sind", sagte Max Schachmann vor dem Etappenstart - bei ihm waren sie trotz aller Bemühungen nicht gut.

Für Andre Greipel endete seine vermutlich letzte Tour an diesem Berg der 1. Kategorie, der 38 Jahre alte Sprinter aus dem Israel-Team gab als Folge von Sturznachwirkungen und einer Grippe nach gut 30 km auf - zu den elf Etappensiegen des Rostockers wird wohl keiner hinzukommen.

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Roglic vor Tour-Krönung

Roglic trennen derweil noch 304,7 km sowie eine ultimative Herausforderung beim Bergzeitfahren am Samstag vom großen Triumph in Paris - die Ausgangsposition des 30-Jährigen ist bei 57 Sekunden Vorsprung auf seinen jungen Landsmann Tadej Pogacar bestens. 15 Kilometer vor dem Ziel legte Roglic seinem mutigen Gegner und Freund Pogacar, der alles versucht hatte, die Hand auf die Schultern, sprach aufmunternd auf ihn ein.

Nach überwundenen 5166 Höhenmetern, Spitzenwert bei der laufenden Tour, erreichte Roglic das Ziel in La Roche-sur-Foron 1:53 Minuten hinter dem Siegerduo als Vierter. Bernals mutmaßlicher Nachfolger hatte mit seinem erneut sehr dominanten Jumbo-Visma-Team alles im Griff, der stärkste Fahrer in der stärksten Mannschaft der Tour zeigte sich als würdiger Patron. Auch zwei mutige Antritte seines schärfsten Kontrahenten Pogacar (UAE Team Emirates) auf der gefürchteten Schotterpiste Plateau des Glieres in der Schlussphase konterte Roglic mit großer Ruhe.

Somit wartet nur noch eine einzige wirkliche Prüfung auf Roglic: Beim immens schweren Zeitfahren am Samstag in den Vogesen über 36 zunächst flache, dann leicht ansteigende und schließlich steile Kilometer hinauf zur Planche des Belles Filles ist der Jumbo-Visma-Kapitän allerdings der klare Favorit - nur Einbruch, Sturz oder Defekt können Roglics historischen Tour-Triumph wohl noch verhindern.

(mit SID)

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