Lopez kämpfte sich mit seinem Sieg auf den dritten Rang der Gesamtwertung nach vorne. Der Schlussanstieg, eine zur Straße ausgebaute ehemalige Skipiste mit Rampen von bis zu 24% Steigung, sorgte für die größten Abstände bei den Bergankünften dieser Tour - nur neun Fahrer kamen innerhalb von zwei Minuten im Ziel an. Deutsche Fahrer spielten bei dieser letzten Bergankunft der Tour 2020 keine Rolle auf den vorderen Plätzen.

In der Gesamtwertung hat Roglic nach 17 Etappen und knapp 3000 Kilometern jetzt 57 Sekunden Vorsprung auf Pogacar. Als Dritter hat Lopez nun 1:26 Minute Rückstand auf den Spitzenreiter. Alle anderen Topfahrer liegen nun bereits über drei Minuten zurück.

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"Es ist meine erste Tour, und dann klappt es gleich mit dem Etappensieg. Das ist ein ganz besonderer Tag für mich", sagte Lopez, der auch an seine acht Geschwister dachte: "Meine Familie ist alles für mich. Ich kann mir vorstellen, wie die heute mitgegangen sind. Es war ein Vorteil, dass das Ziel so weit oben war - das ist fast so wie bei mir in Kolumbien."

Das Finale der Königsetappe: Showdown um jede Sekunde

Lennard Kämna wieder im Angriff

Am 21,5 km langen Schlussanstieg, der 1671 Höhenmeter aufwies, begann die entscheidende Phase rund 3,5 km vor dem Ziel. Auf dem steilsten Stück des Tages attackierte Lopez und setzte sich ab. Dann bewies Roglic Stärke. Staatspräsident Macron, der das Rennen in Begleitauto "1" neben dem Tour-Boss Christian Prudhomme verfolgt hatte, war beeindruckt.

Lennard Kämna hatte es zuvor nach seinem Etappensieg am Vortag erneut in die Ausreißergruppe des Tages geschafft und wollte Punkte für das Bergtrikot erobern, doch er konnte am ersten Anstieg, dem Col de la Madeleine, dem Tempo an der Spitze nicht mehr folgen und fiel zurück. Am Ende wurde er 37. mit über zwanzig Minuten Rückstand.

"Ich wollte wieder in die Gruppe und habe das eigentlich ganz gut hinbekommen. Es gab einige Attacken zu beginn, aber ich bin da wieder gut mit Auge gefahren. Meine Beine waren aber heute einfach nicht gut genug. Am Col de la Madeleine konnte ich vorne nicht mehr mithalten. Danach habe ich dann locker gemacht, um vielleicht morgen noch einmal eine Chance zu haben", erklärte Kämna.

Pogacar übernahm derweil das Bergtrikot und führt nun neben der Nachwuchswertung ein weiteres Klassement an.

Kämna im Angriff und Showdown auf der Skipiste

Egan Bernal gibt Tour de France auf

Der kolumbianische Titelverteidiger Egan Bernal war bereits am Morgen aus dem Rennen ausgestiegen. Wie seine Mannschaft Ineos Grenadiers mitteilte, habe man "in Egans bestem Interesse" entschieden, Bernal aus der Frankreich-Rundfahrt zu nehmen.

Bernal, der mit Rückenproblemen in die Tour gegangen war, hatte am Sonntag bei der Bergankunft am Grand Colombier 7:20 Minuten auf Roglic verloren. 2021 will er einen neuen Angriff auf Gelb starten.

Auf der 18. Etappe am Donnerstag, der letzten Bergetappe dieser Tour, haben noch einmal kletterstarke Ausreißer wie Kämna, Maximilian Schachmann oder Simon Geschke eine Chance auf den Sieg.

(mit SID)

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