Sonderseite Tour de France 2020

Egan Bernal (23/Ineos Grenadiers):

Tour de France
Favoriten aufs Grüne Trikot: Sagan hat neue Konkurrenz
26/08/2020 AM 15:56

Im Vorjahr war das Bergwunder aus dem Anden-Nest Zipaquira der jüngste Toursieger seit 1909, die Chancen stehen gut, dass Bernal nun der Jüngste überhaupt mit zwei Titeln wird. Die Tour 2020 ist perfekt auf ihn zugeschnitten: Berge, Berge, Berge, nur ein Zeitfahren - und das auch noch bergauf.

Ohne Geraint Thomas und Chris Froome ist er der unumschränkte Kapitän bei Ineos, hat in Giro-Sieger Richard Carapaz und dem russischen Aufsteiger Pawel Siwakow bockstarke Helfer. Die Generalprobe bei der Dauphiné gab Bernal allerdings wegen Rückenbeschwerden auf - Zweifel bleiben. Bemerkenswert: Bernal ist der einzige Fahrer im Feld, der die Tour schon einmal gewonnen hat.

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Primoz Roglic (30/Jumbo-Visma):

Im Gegensatz zu Bernal ist Roglic ein Spätstarter. Erst seit vier Jahren fährt der frühere Junioren-Weltmeister im Skispringen auf höchstem Niveau Rad, ist immer noch in der Entwicklungsphase.

Nach dem Vuelta-Sieg im Vorjahr hat Roglic noch einmal draufgepackt, war zuletzt sogar einen Tick besser in Form als Bernal, stürzte dann aber bei der Dauphiné, verlor zudem in Steven Kruijswijk (der Tour-Dritte des Vorjahres brach sich die Schulter) seinen Top-Unterstützer. Ob Roglic schon beim schweren Auftakt in Nizza wieder topfit ist, dürfte mitentscheidend sein.

Emanuel Buchmann (27/Bora-hansgrohe):

83. - 21. - 15. - 4.: Bei der Tour ging es für "Emu" seit seinem Debüt stetig nach vorne. Logischer nächster Schritt - und Buchmanns erklärtes Ziel - wäre das erste deutsche Podium seit Andreas Klöden 2006 (2.). Die Trainingsleistungen zeigten, dass dieses Vorhaben nicht unrealistisch ist, die Nachwirkungen des heftigen Sturzes bei der Dauphiné muss er aber erstmal wegstecken. Im Vergleich mit Bernal und Roglic fehlt Buchmann manchmal noch der letzte Punch, Ziel muss sein, am Berg selbst Initiative zu übernehmen.

Thibaut Pinot (30/Groupama-FDJ):

Pinot ist ein formidabler Kletterer - und eine Drama-Queen ganz nach dem Geschmack der Franzosen. Seine tränenreiche Aufgabe in den Alpen im Vorjahr wegen Kniebeschwerden, nachdem Pinot eine Pyrenäen-Etappe gewonnen hatte und die Chance auf den ersten französischen Tour-Sieg seit Bernard Hinault 1985 groß wie nie war, bewegte eine ganze Radsport-Nation - die auch nun wieder auf den Schlaks hofft. Allerdings: Beendet hat Pinot die Tour zuletzt vor fünf Jahren.

Romain Bardet (29/AG2R):

Frankreichs ewige Hoffnung wird im November auch schon 30, und langsam läuft Bardet die Zeit davon. Nach den Podestplätzen 2016 und 2017 kam nicht mehr viel in Sachen Gesamtklassement, der Spitzenkletterer musste sich mit Trostpreisen wie Etappensiegen und dem Bergtrikot des Vorjahres zufrieden geben.

Bardet wechselt nach der Saison zum Team Sunweb, der ganz große Glaube an den Tour-Sieg ist wohl auch bei der AG2R-Mannschaft nicht mehr vorhanden. Für Bardet, der selbst weiter den Anspruch auf den Toursieg hat, wird es schwer mit dem Podium, wie im Vorjahr dürfte er eher in den Kampf um das Bergtrikot einsteigen.

Nairo Quintana (30/Arkea-Samsic):

Der 1,67-m-Floh bleibt ein Rätsel. Eigentlich ist er der perfekte Bergfahrer, und eigentlich hatte der frühere Giro- und Vuelta-Sieger das Zeug, trotz offenkundiger Zeitfahrschwächen auch die Tour zu gewinnen. Doch statt seiner wurde 2019 der junge Bernal erster Tour-Sieger Kolumbiens.

Quintana, der seit seinem letzten von drei Tour-Podestplätzen 2016 beständig enttäuschte, verließ mittlerweile seinen Schmollwinkel und nach neun Jahren das Movistar-Team. Bei seinem neuen Arbeitgeber Arkea will er allen Zweiflern die lange Nase zeigen - doch nach starkem Jahresauftakt ging die Dauphiné zuletzt in die Hose.

Tom Dumoulin (29/JUMBO-VISMA):

Der Giro-Sieger von 2017, dem nach hartnäckigen Knieproblemen viel Wettkampfpraxis fehlt, sollte in seinem ersten Jumbo-Jahr den Edelhelfer für Roglic und Kruijswijk geben. Da letzterer nun ausfällt, ist Dumoulin nun die zweite Option, zumal er zuletzt ansteigende Form zeigte. Und eine Tour, das weiß der Gesamtzweite von 2018, kann ganz schnell eine gewisse Eigendynamik entwickeln.

WER GEWINNT DIE TOUR DE FRANCE 2020?

Julian Alaphilippe (28/Deceuninck-Quick Step):

Er ist sicher nicht der allerbeste Bergfahrer, doch das hinderte "Juju" nicht daran, im Vorjahr über insgesamt 14 Etappen und bis zum drittletzten Tag das Gelbe Trikot zu tragen. Alaphilippe ist der beste Allrounder der Welt, ein unfassbarer Wettkämpfer und der größte Liebling der Franzosen. Wer ihn nicht auf dem Zettel hat, hat die Tour nicht verstanden.

Tadej Pogacar (21/UAE-Team Emirates):

Mit gerade einmal 20 Jahren wurde der blutjunge Kletterer im Vorjahr Gesamtdritter und Etappensieger bei der Vuelta, jetzt wird Pogacar erstmals auf die Tour losgelassen - die einen Tag vor seinen 22. Geburtstag endet. Dem Youngster aus der Oberkrain gehört die Zukunft, bei seiner ersten Frankreich-Rundfahrt hat er Narrenfreiheit und darf sich austoben.

Daniel Martinez (24/EF Pro Cycling):

"Man muss sagen, dass er damals von anderen Teams einfach übersehen wurde", meinte EF-Teamchef Jonathan Vaughters über seine Entdeckung Martinez, den er 2017 bei der kleinen italienischen Mannschaft Wilier-Triestina ausgrub. Zwei Wochen vor der Tour gewann Martinez nun die Dauphine - übersehen wird ihn nun keiner mehr. Bei EF bildet er mit Rigoberto Uran die kolumbianische Tour-Doppelspitze.

(SID)

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