Erst Tour, dann Tokio: Roger Kluge will bei Olympia "nach Gold greifen"

Roger Kluge wollte bei der Tour de France seinen Kumpel Caleb Ewan zu Etappensiegen verhelfen, nach dem Ausfall des Australiers fährt er nun auf eigene Faust. Immer im Hinterkopf: Die Olympischen Sommerspiele in Tokio. Seine 125-km-Flucht bei der Tour de France würde nicht folgenlos bleiben. "Ich werde morgen dafür bezahlen", sagte der deutsche Radprofi mit einem leichten Grauen.

Roger Kluge bei der Tour de France in Chateauroux

Fotocredit: Getty Images

Ankommen, das Ziel des siebten Tagesabschnitts in Le Creusot nach 249,1 km erreichen - um mehr ging es für Kluge einen Tag nach seinem mutigen Fluchtversuch auf der sechsten Etappe im sommerlichen Herzen Frankreichs nicht.
Ankommen. Das war schon vor dem Start der 108. Großen Schleife eines der Hauptziele des Brandenburgers. In Paris wollte Kluge auf eine Tour mit möglichst vielen Etappensiegen durch seinen Kumpel und Teamkollegen Caleb Ewan zurückschauen. Seit dessen schwerem Sturz auf der dritten Etappe ist das Rennen für Ewan allerdings beendet - und für Kluge ein anderes.
Er und die weiteren sechs Fahrer des belgischen Teams Lotto-Soudal wollen den Ausfall ihres Kapitäns mit Ausreißer-Siegen kompensieren. Am Donnerstag machte Kluge den Anfang. Über Stunden fuhr der 35-Jährige mit dem Belgier Greg Van Avermaet im Wind, kämpfte gegen das übermächtige Hauptfeld im Nacken, die Müdigkeit in den Beinen und die einsetzende "Langeweile". Die Chance auf den Tagessieg war dabei nie realistisch. "Es ist die Tour. Man versucht es trotzdem", sagte Kluge.

Hohe Erwartungen bei Olympia

Etwas versuchen will Kluge auch bei seinem zweiten Höhepunkt des Sommers, dann mit echten Siegchancen. Bei den Olympischen Spielen in Tokio zählt Kluge zu den Medaillenkandidaten auf der Bahn. Im Mehrkampf Omnium (5. August), vor allem aber im Zweier-Mannschaftszeitfahren Madison an der Seite von Theo Reinhardt (7. August) ist sogar der Olympiasieg möglich.
"Wir zählen sicherlich zu den Top-Favoriten. Die Rolle nehmen wir auch gerne an. Die Medaille ist das Minimalziel", sagte Kluge dem SID und ergänzte: "Wir wollen wieder nach Gold greifen."
Der Wechsel von der Straße auf die Bahn war für Kluge dabei noch nie ein Problem. Beim Gewinn des WM-Titels 2019 in Polen war Kluge sogar erst drei Stunden vor dem Start in Warschau gelandet, weil der Giro-Etappensieger des Jahres 2016 zuvor noch bei der UAE-Tour in den Emiraten auf der Straße im Einsatz gewesen war.
Ganz so eng ist der Zeitplan dieses Mal nicht getaktet. Die Tour endet am 18. Juli, sein Abflug nach Japan ist zehn Tage später geplant. Dazwischen will Kluge "zu Hause mental auftanken bei der Familie", aber auch "die ein oder andere Bahn-Einheit absolvieren."
Vorerst liegt sein Fokus aber auf der Tour de France. "Ich denke an Tokio erst, wenn ich in Paris über die Ziellinie gefahren bin", sagte Kluge. Und wenn sich nach dem Ruhetag am Montag der Körper etwas erholt hat, wagt er ja vielleicht noch einmal einen Fluchtversuch: "Ich würde nicht Nein sagen, wenn es nochmal passt."
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(SID)
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Quelle: Eurosport

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