Tour de France 2022 - Drei Dinge, die auf der 13. Etappe auffielen: Folgenschwerer Sturz im Abstiegskampf
VonFelix Mattis
Publiziert 15/07/2022 um 22:20 GMT+2 Uhr
Der Sieg von Mads Pedersen auf der 13. Etappe der Tour de France in Saint-Etienne war das Produkt eines über mehrere Tage sehr couragierten Auftritts des Dänen. Trotzdem aber spielte auch Glück dabei eine Rolle - oder besser: das Pech eines Anderen. Denn wahrscheinlich wäre es ganz anders gelaufen, wenn Caleb Ewan nicht 70 Kilometer vor Schluss gestürzt wäre. Hier sind drei Dinge, die auffielen.
Highlights: Pedersen lässt die Muskeln spielen - schwarzer Tag für Ewan
Quelle: Eurosport
Das Jahr des Grand Depart in Dänemark ist auch das Jahr der Dänen bei der Frankreich-Rundfahrt.
Denn mit Mads Pedersen wurde nach Magnus Cort Nielsen und Jonas Vingegaard bereits der dritte Däne zum Etappensieger - und das innerhalb von nur vier Tagen. Außerdem trug Cort Nielsen sieben Tage das Bergtrikot und Vingegaard ist seit seinem Coup am Col du Granon in Gelb unterwegs.
In Saint-Etienne aber spielte der Gesamtführende keine Rolle. Nach den Alpenetappen gönnten sich die Favoriten auf den Tour-Sieg am Freitag eine Pause, bevor sie am Samstag in Mende voraussichtlich wieder in den roten Bereich gehen müssen.
Trotzdem aber gab es auch am Freitag auf der Überführungsetappe von den Alpen in Richtung Zentralmassiv einiges Interessantes zu beobachten.
Hier sind drei Dinge, die auf der 13. Etappe auffielen:
1. Das Seuchenjahr für Ewan und Lotto Soudal geht weiter
Die Pechsträhne des kleinen Australiers will kein Ende nehmen und das ganze Team Lotto Soudal leidet mit. Als Caleb Ewan etwas mehr als 70 Kilometer vor Saint-Etienne in einer eigentlich harmlosen Linkskurve plötzlich auf dem Boden saß, musste man Mitleid bekommen. "Pocket Rocket", wie der 1,67 Meter große Sprinter genannt wird, hielt sich das Knie und es sah einen Moment lang so aus, als müsse er seine Tour aufgeben.
Man sah sich erinnert an seinen üblen Crash im Zielsprint der 4. Tour-Etappe 2021 in Pontivy oder seinen Sturz auf der Auftakt-Etappe des Giro d'Italia 2022 in Visegrád. "Mein Knie ist ziemlich geschwollen", sagte Ewan nun in Saint-Etienne. "Es ist sicher nichts gebrochen, aber wir müssen sehen, wie es weiter geht."
/origin-imgresizer.eurosport.com/2022/07/15/3411059-69701353-2560-1440.jpg)
Bitter! Pechvogel Ewan stürzt und verletzt sich am Knie
Quelle: Eurosport
Der dritte Sturz bei großen Rundfahrten innerhalb von zwölf Monaten - und immer an wichtigen Tagen, an denen Ewan um den Sieg kämpfen wollte. "Das ist keine gute Tour für die Sprinter. Deswegen haben wir es heute probiert, aber es hat nicht geklappt", bedauerte Ewan die erneut verpasste Chance.
Für Sprinter ist es dieses Jahr schwer in Frankreich, Ewan selbst hat es aber doppelt schwer. 13. war er im Sprint von Nyborg, Neunter in Sonderborg - das war's. Ohne seinen Sprintzug, den das Lotto-Soudal-Management daheim ließ, um mehr Etappenjäger für die schwereren Tage mitnehmen zu können, kam der Australier bei den Sprintankünften nicht in Position. Doch die Wette der Teamleitung auf die anderen Etappenjäger im Kader ist bisher auch nicht aufgegangen.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2022/07/15/3411061-69701393-2560-1440.jpg)
Alpecin-Deceuninck hilft Ewan und bekommt Ärger von der Jury
Quelle: Eurosport
So langsam steigt deshalb für das ganze Team der Druck. Lotto Soudal kämpft gegen den Abstieg aus der WorldTour am Jahresende - momentan ist man 19. im für die Lizenzverteilung relevanten Dreijahresranking, aber nur 18 Teams haben Platz in der WorldTour - und braucht jedes Spitzenresultat. Doch nach 13 Etappen steht bei der Tour nicht mal ein Podestplatz zu Buche. Rang vier von Andreas Kron in Lausanne und Rang neun von Ewan in Sonderborg waren die einzigen beiden Top-10-Ergebnisse.
2. Ein Sturz als Zünglein an der Waage
Ewans Sturz wog am Freitag gleich doppelt schwer. Denn nicht nur musste der Australier selbst dadurch seine Siegchancen begraben, auch die anderen Sprinter im Hauptfeld sahen dadurch ihre Felle davonschwimmen. Hatten bis 70 Kilometer vor dem Ziel Alpecin-Deceuninck und Lotto Soudal das Rennen im Hauptfeld augenscheinlich im Griff und die Spitzengruppe an der kurzen Leine, schlug das Pendel nach dem Ewan-Crash in die andere Richtung aus.
"Lange Zeit dachte ich, es sei ein Fehler in die Fluchtgruppe gegangen zu sein, weil wir nur zwei Minuten Vorsprung hatten", gestand auch Etappensieger Mads Pedersen (Trek - Segafredo), dass die Chancen von ihm und seinen Begleitern erst durch Ewans Sturz stiegen.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2022/07/15/3411187-69703908-2560-1440.jpg)
Ewans Sturz ebnet Pedersen und Co. den Weg - Analyse der 13. Etappe
Quelle: Eurosport
Danach nämlich war Alpecin-Deceuninck erstmal allein in der Verfolgung der Spitzengruppe. Erst als die Mannschaft von Jasper Philipsen schon aufgesteckt hatte, schaltete sich auf den letzten 40 Kilometern auch BikeExchange-Jayco noch für Dylan Groenewegen ein - zu spät. Da war die Lücke schon auf 3:30 Minuten aufgegangen und auch wenn die Australier das Feld nochmal auf 2:15 Minuten heranbrachten, war die Entscheidung pro Spitzengruppe gefallen.
Der Etappenverlauf zeigte so eindrucksvoll, wie Details wie ein Sturz oder das Interesse eines einzigen Teams ganze Tage bei der Tour in die eine oder andere Richtung entscheiden können.
3. Pedersens unbedingter Wille setzt sich durch
Mads Pedersen ist bei dieser Tour und überhaupt in dieser Saison in beachtlicher Verfassung. Der 26-jährige Däne wollte unbedingt beim Tour-Start in seiner Heimat glänzen und das Gelbe Trikot tragen. Deshalb arbeitete man bei Trek-Segafredo mit ihm auch intensiv am Zeitfahren.
In Kopenhagen fehlten ihm 15 Sekunden zur Bestzeit und tags drauf sammelte Pedersen vier Bonussekunden durch Platz drei in Nyborg. Doch der Sprint von Sonderborg ging daneben, Pedersen war zu weit hinten eingebaut und wurde nur Zwölfter.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2022/07/15/3411156-69703288-2560-1440.jpg)
Dreikampf um den Tagessieg: Ex-Weltmeister Pedersen zieht's durch
Quelle: Eurosport
Seitdem versuchte er es immer wieder mit der Brechstange. Pedersen attackierte so oft wie kaum ein anderer Fahrer im bisherigen Verlauf der Frankreich-Rundfahrt. Er wollte diesen Etappensieg unbedingt! Selbst auf den Alpen-Etappen, die absolut nicht für ihn gemacht sind, ging der Däne in die Offensive. Und auf dem Weg nach Saint-Etienne war er gleich beim Senken der Startflagge der Erste, der aus dem Sattel ging. Insgesamt vier Angriffe von Pedersen dauerte es, bis die siebenköpfige Gruppe des Tages stand.
"Ich wusste, dass die Form gut war, habe aber in der ersten Woche ein paar gute Gelegenheiten liegen lassen", sagte der Weltmeister von 2019 nun nach seinem ersten Tour-Etappensieg. "Es ist einfach unglaublich, endlich gewonnen zu haben. In den letzten beiden Wochen gibt es nicht viele Chancen für Fahrer wie mich. Heute dafür belohnt zu werden, es probiert zu haben, ist toll."
Diese Belohnung aber verdiente er sich auch redlich. Denn Pedersen war in der Spitzengruppe ganz klar der Stärkste. Er führte die Gruppe über die Bergwertungen und den Zwischensprint, er verrichtete augenscheinlich am meisten Führungsarbeit und er war es auch, der zwölf Kilometer vor Schluss mit einem Angriff die Gruppe teilte.
"Ich wollte nicht mit einer Sechsergruppe ins Ziel kommen, das wären für das Finale zu viele Gegner zum Kontrollieren gewesen", erklärte er, warum er angriff, obwohl er als sprintstärkster Fahrer der Gruppe gar nicht unbedingt gezwungen gewesen wäre, in die Offensive zu gehen.
Das könnte Dich auch interessieren: Ausreißer dominieren in Saint-Etienne: Nächster dänischer Sieg
/origin-imgresizer.eurosport.com/2022/07/15/3411256-69705288-2560-1440.png)
Abfahrts-Analyse: Position und Technik von Pidcock unter der Lupe
Quelle: Eurosport
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung