Tour de France 2022: Drei Dinge, die auffielen - Kaum Konkurrenz für Van Aert und wenig Chaos

Die Hauptthemen des dritten Tages bei der Tour de France sind offensichtlich: Dylan Groenewegen gelang wie Fabio Jakobsen am Tag zuvor der ersehnte Etappensieg, zwei Jahre nach dem Horror-Crash in Polen. Magnus Cort Nielsen fuhr sich mit seinem Solo endgültig in die Herzen der dänischen Fans. Doch Etappe 3 bot noch mehr interessante Erkenntnisse. Hier sind drei Dinge, die auffielen.

Cort wird zum Volksheld und Groenewegen jubelt - die Highlights der 3. Etappe

Quelle: Eurosport

Ein weiteres dänisches Volksfest war der letzte von drei Tagen auf skandinavischem Boden zum Auftakt der 109. Tour de France.
Magnus Cort Nielsen sammelte die nächsten drei Bergpunkte und die dänischen Fans feierten ihren neuen Tour-Helden 182 Kilometer lang.
Am Ende des Tages kam es trotzdem zum erwarteten Massensprint, wenn auch nicht mit dem ganz erwarteten Ausgang: Dylan Groenewegen siegte im Foto-Finish vor Wout Van Aert.
Doch auch abseits der offensichtlichen Hauptthemen dieses auf den ersten Blick recht eintönigen dritten Tages bei der Frankreich-Rundfahrt geschahen wichtige und interessante Dinge.
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Caleb Ewan - Opfer des WorldTour-Abstiegskampfs von Lotto Soudal?

Quelle: Eurosport

Drei Dinge, die auffielen:

1.) Kampf um Grün: Kaum Herausforderer für Van Aert

Als Wout Van Aert im Winter ankündigte, dass er in diesem Jahr ganz offen ums Grüne Trikot bei der Tour kämpfen will, wurde der Belgier sofort als klarer Top-Favorit für die Punktewertung betitelt. Und offenbar war das nicht nur die Meinung der Experten, sondern auch die, die sich innerhalb des Pelotons breit gemacht hat. Denn so richtig aktiv sind in Dänemark kaum Konkurrenten des Belgiers in den Kampf um die Punkte eingestiegen.
Hielten am Samstag noch Caleb Ewan, Peter Sagan und Fabio Jakobsen am Zwischensprint mit rein, waren es am Sonntag auf der 3. Etappe nur noch Sagan und Jakobsen. Ewan rollte danach ohne zu sprinten über den Strich an der Wertung.
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Der Kampf um Grün ist voll entbrannt - Zwischensprint der 3. Etappe

Quelle: Eurosport

Und so führt Van Aert mit drei zweiten Plätzen bei drei Zielankünften sowie einer ordentlichen Zwischensprint-Ausbeute die Punktewertung bereits nach den ersten drei Tagen souverän an. 107 Zähler hat der Belgier auf dem Konto, 90 sein einziger ernsthafter Verfolger Jakobsen.
Dylan Groenewegen, der sich an den Zwischensprints überhaupt nicht beteiligte, folgt mit 60 Punkten. Die beiden Niederländer aber gelten angesichts des insgesamt schweren Tour-Parcours nicht wirklich als realistische Herausforderer des Top-Favoriten auf Grün.
Die bergfesteren Sprinter Sagan (54 Punkte) und Ewan (37) sowie Mads Pedersen (35), die wie Van Aert auch auf den dieses Jahr zahlreichen mittelschweren Etappen punkten könnten, haben bereits einen Rückstand, den sie noch nicht einmal mit einem Etappensieg ausgleichen könnten, wenn Van Aert am jeweiligen Tag gar nicht punkten würde.

2.) Relativ wenig Stürze und keine Ausfälle

In den vergangenen Jahren - vor allem 2021 - war die erste Tour-Woche von großem Chaos, vielen Stürzen und teilweise bereits schweren Verletzungen geprägt. Dasselbe war auch für den Grand Depart in Dänemark angesichts kleiner Straßen und Wind an der Küste erwartet worden. Doch abgesehen vom verregneten Auftaktzeitfahren zeigte sich Skandinavien am Wochenende von seiner harmlosen Seite und auch das Peloton blieb entspannter als befürchtet.
So kam es zwar jeden Tag zu einigen Stürzen, bei weitem aber nicht zu so schwerwiegenden und dramatischen wie in den letzten Jahren. Das lässt sich auch ganz einfach an einer Zahl beweisen: 0. So viele Ausfälle gab es bei der 109. Frankreich-Rundfahrt nämlich an den ersten drei Tagen. Das war in den vergangenen zehn Jahren nur zwei Mal so: 2016 und 2019.
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Ein Sprint nur für die Fans - Cort Nielsen als Solist zum sechsten Bergpunkt

Quelle: Eurosport

Der Grund dafür könnte im insgesamt sehr schweren Parcours der Tour 2022 zu finden sein. Denn weil es kaum Chancen für die Top-Sprinter in den kommenden drei Wochen gibt, war allen klar, dass deren Teams in Dänemark alles für eine Sprintankunft tun würden. So sah kaum jemand den Sinn darin, in eine Ausreißergruppe zu gehen.
Und weil die kleine Spitzengruppe vom Samstag beziehungsweise Solist Magnus Cort Nielsen am Sonntag kaum Gefahr ausstrahlten, konnte es auch das Hauptfeld bis zur direkten Sprintvorbereitung auf den letzten 15 Kilometern ruhiger angehen lassen.

3.) Die Verlierer des Wochenendes: Bahrain und EF

Auch wenn sich das Chaos in Grenzen hielt, küssten ein paar Fahrer in Dänemark doch den Asphalt. Und dabei kristallisierten sich im Verlauf des Auftakt-Wochenendes vor allem zwei Teams als große Verlierer heraus: Bahrain Victorious und EF Education - EasyPost.
Beide Rennställe verloren am Sonntag in Sonderborg mit jeweils beiden Hoffnungsträgern für die Gesamtwertung wertvolle Zeit, nachdem sie in den Massensturz zehn Kilometer vor Schluss verwickelt waren: Das Bahrain-Duo Damiano Caruso und Jack Haig büßte genau wie Rigoberto Uran von EF und auch Guillaume Martin von Cofidis 39 Sekunden ein. Ruben Guerreiro verlor sogar ganze 3:27 Minuten.
Sein Team EF Education - EasyPost war ohnehin die Bruchpiloten-Truppe des Auftakt-Wochenendes. Die Misere begann schon am Freitag im Zeitfahren, als Mitfavorit Stefan Bissegger gleich doppelt stürzte und auch der Deutsche Jonas Rutsch zu Boden ging.
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Regen in Kopenhagen! Bissegger stürzt gleich doppelt

Quelle: Eurosport

Sie setzte sich fort, als am Samstag Uran in der Anfahrt zur Brücke über den Großen Belt stürzte und es eine lange, kraftraubende Verfolgungsjagd mit der halben Mannschaft über die Brücke brauchte, um den Kolumbianer wieder ins Hauptfeld zurück zu bringen. Und sie fand nun den krönenden Abschluss, als es 10,5 Kilometer vor dem Ziel der 3. Etappe krachte und erneut Uran mittendrin war. Diesmal gelang es nicht, die Aufholjagd rechtzeitig erfolgreich abzuschließen.
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