Auf der 11. Etappe war Schluss. Van der Poel stellte sein Rad an die Seite und beendete damit auch seine zweite Tour de France nicht in Paris, sondern vorzeitig. Nach einem noch ganz ordentlichen Auftaktzeitfahren in Kopenhagen ging die Formkurve immer weiter abwärts, der Niederländer sprach davon, ein Schatten seiner selbst zu sein, was ihn zusätzlich frustrierte.
Insofern kam das Aus auf dem Weg zum Col du Granon vielleicht nicht ganz überraschend. Trotzdem wirft der Auftritt Fragen auf.
Antworten darauf liegen zwar nicht auf der Straße, doch die Leitung seines Teams Alpecin - Deceuninck versuchte, welche zu finden. “Vielleicht kennen wir sie schon eine ganze Weile“, unkte Teammanager Philip Roodhooft gegenüber wielerflits: “Die klassische Geschichte, die Basis war zu schmal.“
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Tatsächlich könnte das der Grund für die schwachen Auftritte von van der Poel sein. Aufgrund von Rückenproblemen konnte der 27-Jährige im Winter kaum trainieren. Dazu kam eine Knie-OP. Nach dem Abbruch der Cross-Saison um den Jahreswechsel stieg er erst Ende Januar wieder langsam ins Training ein.

Van der Poel beißt sich bei Klassikern durch

"Vielleicht wäre es besser gewesen, die Klassiker nicht zu fahren", so Roodhooft. Doch die guten Ergebnisse van der Poels ließen jene Gedanken schnell in den Hintergrund rücken.
Gleich in seinem ersten Saisonrennen bei Mailand-Sanremo wurde er Dritter, Dwars door Vlaanderen und die Flandern-Rundfahrt beendete er als Sieger. Beim Amstel Gold Race reichte es zu Platz vier, Paris-Roubaix beendete er als Neunter.
Auch hinter der sich für van der Poel unmittelbar anschließenden Teilnahme am Giro d'Italia steht Roodhooft. “Es gibt dann Mythen, dass Veranstalter RCS Sport uns bezahlt hat. Aber wir haben schon im vergangenen Winter gesehen, dass es auf der ersten Etappe sehr gute Chancen auf einen Sieg gibt.“

Mathieu van der Poel musste sich vorzeitig von der Tour de France verabschieden

Fotocredit: Getty Images

Roodhooft: "Warum sollten wir ihn zu Hause lassen?"

Und so kam es dann auch, van der Poel siegte und verteidigte das Rosa Trikot bis zum vierten Teilstück. Vielleicht, so Roodhooft, sei der zweite des Teil des Giro nicht unbedingt sinnvoll gewesen. “Darüber kann man streiten. Aber er hat dort das Herz des radsportbegeisterten Italiens erobert. Bis in alle Ewigkeit. Ob das einen Wert hat oder nicht, aber Mathieu hat dort einen Eindruck hinterlassen.“
Bis zur Tour bestritt van der Poel kein Rennen mehr, der Fokus lag auf Training und Regeneration. Da deutete sich bereits an, dass der Niederländer nicht in Topform bei der Frankreich-Rundfahrt an den Start gehen würde. “Die Zahlen für die Tour zeigten, dass Mathieu nicht in Bestform war“, so Christoph Roodhooft, ebenfalls im Teammanagement bei Alpecin – Deceuninck.
“Aber Daten sind nicht die einzige Wahrheit“, fügte er an. Deshalb hätte es keine Gedankenspiele gegeben, den Besten im Team nicht mitzunehmen: “Nein, warum sollten wir ihn zu Hause lassen? Was bedeutet es, wenn Mathieu van der Poel auf dem Papier nicht ganz fit ist? Bei Mailand-San Remo war er nur wenige Meter vom Sieg entfernt und dort war er sicherlich nicht top.“
Wie die Saison nun für van der Poel weitergeht, ist noch offen. “Wir sind noch mitten in der Tour und haben ganz bewusst gesagt, dass wir erst danach einen Plan machen. Bis dahin gibt es für ihn eine Weile nichts und vielleicht ist das manchmal auch in Ordnung“, sagte Philip Roodhooft abschließend.
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