Im sicheren Abstand zum Publikum nahm Tadej Pogacar die Maske vom Gesicht. Auf der Bühne der stimmungsvollen Teampräsentation winkte der Top-Favorit der 109. Tour de France entspannt Tausenden radsportverrückten Dänen zu. Sorgen, sich im Tivoli von Kopenhagen mit dem Coronavirus anzustecken, hatte der slowenische Titelverteidiger nicht.
Ausblenden lässt sich die unsichtbare Gefahr aber keineswegs. Die Gedanken an das tückische Virus werden Pogacar und die weiteren Fahrer der Frankreich-Rundfahrt bis zum Ziel in Paris begleiten. Die Große Schleife, sie startet inmitten der Sommerwelle - und die Sorge vor einem unfreiwilligen Tour-Aus ist groß. "Es war Ewigkeiten nichts", sagte der deutsche Radprofi Lennard Kämna: "Jetzt sind alle Alarmglocken wieder an."
Das Peloton ist aufgeschreckt. In der Vorbereitung auf die prestigereiche Tour war es bei der von Pogacar gewonnenen Slowenien-Rundfahrt, insbesondere aber bei der Tour de Suisse zu einer Vielzahl positiver Tests gekommen. In der Schweiz zogen sich gleich vier Teams vom Rennen zurück. Die Sorge vor Folgen für die Frankreich-Rundfahrt, in der es wie in keinem anderen Radrennen um Geld, Prestige und Ansehen geht, war zu groß.
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Vorsicht war das oberste Gebot vor der Tour. Vorsicht ist das oberste Gebot während der kommenden drei Wochen. "Man sollte das Hirn einschalten, gesunden Menschenverstand walten lassen und wissen, dass ich als Hochleistungssportler gewisse Dinge in der Hygiene beachte", sagte Ralph Denk, Kämnas Teamchef bei Bora-hansgrohe, dem "SID": "Dann wird man da denke ich gut durchkommen."

Politt: "Irgendwann reicht's auch"

2020 und 2021 ist das bei der Tour bereits gut gelungen. Kein Fahrer wurde in den vergangenen 42 Etappen positiv auf Corona getestet, was auch an äußerst strikten Maßnahmen lag. Vor zwei Jahren gab es nur einen prominenten Fall: Tour-Direktor Christian Prudhomme.
Geht dieses Mal wieder alles gut? Der Weltverband UCI kommt Veranstaltern, Teams und Fahrern zum Saisonhöhepunkt mit Lockerungen der Regeln jedenfalls entgegen. So entfällt etwa die Regel, dass eine Mannschaft aus dem Rennen genommen wird, sobald zwei Fahrer positiv getestet werden. Wird ein Fahrer positiv getestet, wird dieses Ergebnis durch einen PCR-Test überprüft. Zeigt dieser ein negatives Resultat, so wird der Schnelltest als falsch-positiv gewertet - der Fahrer kann das Rennen fortsetzen.
Dass Fahrer ohne Symptome aus dem Rennen genommen werden können, sorgt für den größten Unmut bei den Teams. "Ich mache seit 20 Jahren Radsport-Teams. Never-ever hätte man Rennfahrer aus dem Rennen genommen mit solch milden oder überhaupt keinen Krankheitssymptomen", sagte Denk. Der deutsche Meister Nils Politt sprach von einem "Bangen, wenn man zum Test geht" und meinte: "Irgendwann reicht's auch. Die Krankheit ist da, irgendwann muss es im Leben normal weitergehen."
Das dürfte auch Pogacar so sehen. Die ersten Auswirkungen spürte er schon während der Teampräsentation. Sein italienischer Helfer Matteo Trentin fehlte wegen eines positiven Tests.
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(SID)

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