Simon Geschke (Cofidis) hat das Bergtrikot auch auf der vorletzten Bergetappe der Tour nochmal verteidigt.
Doch der Vorsprung des Freiburgers auf die beiden besten Kletterer des Pelotons ist geschrumpft.
Am Donnerstag wird es nun über die gesamte Distanz der Etappe spannend: Erst aus deutscher Sicht rund um Geschke und seinen Versuch, den Col d'Aubisque zu erobern.
Und dann aus slowenisch-dänischer Sicht im großen Duell um den Gesamtsieg bei dieser 109. Frankreich-Rundfahrt. Denn auch wenn dort unterm Strich am Mittwoch fast nichts passierte, so dürfte der zweite Pyrenäen-Tag Spuren hinterlassen haben.
Highlights: Nadelstich im Kampf um Gelb - Geschke verteidigt Bergtrikot
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Drei Dinge, die auf der vorletzten Bergetappe auffielen:
1.) Geschke muss am Aubisque All-In gehen
Perfekt gelaufen ist es für Simon Geschke am Mittwoch nicht – schlecht aber auch nicht. Der Freiburger sammelte immerhin sechs Bergpunkte am Col d'Aspin, konnte sein Gepunktetes Trikot verteidigen und die Zahl der Fahrer, die es ihm realistisch betrachtet noch abnehmen können, ist auf zwei gesunken. Dummerweise aber sind diese Zwei auch die, die um den Gesamtsieg kämpfen und dabei ihr eigenes Rennen fahren.
Für Pogacar gibt's nur eins: Attacke! Ausblick auf die 18. Etappe
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"Der Kampf um die Gesamtwertung kann leider auch die Bergwertung entscheiden", stellte Geschke in Peyragudes daher richtig fest. "Jumbo-Visma ist nicht wirklich an dem Trikot interessiert. Aber klar: Wenn ein Tag wie heute ist und Vingegaard Zweiter wird, ist das für mich schlecht. Von daher war es kein optimaler Tag und morgen wird es dadurch nochmal um einiges schwerer."
Vor der letzten Bergetappe der Tour liegt Geschke nun mit 64 Punkten zwölf Zähler vor Jonas Vingegaard und 18 vor Tadej Pogacar. Sollten die beiden Streithähne in ihrem Duell ums Gelbe Trikot auch in Hautacam wieder als Erste ankommen und die Etappe unter sich ausmachen, holt einer von ihnen automatisch 20 und der andere 15 Punkte.
Geschke muss also vorher unbedingt seinen Vorsprung nochmal ausbauen und somit am dritten Tag in Folge und sechsten Tag insgesamt in dieser Tour in die Ausreißergruppe kommen. "Mein Team hat super gearbeitet, um mich vorne reinzukriegen", lobte er seine Cofidis-Mannen für ihren Einsatz in der ersten Rennhälfte am Mittwoch.
Geschke gegen die ganz großen Jungs: "Morgen wird sein wichtigster Tag"
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Und genau dasselbe braucht er von ihnen am Donnerstag noch einmal. Die Etappen sind auch ähnlich angelegt: Es geht wieder mit 60 eher flachen Kilometern los und danach über drei schwere Pyrenäen-Pässe – den Aubisque (Ehrenkategorie / 20 Punkte für Platz 1), den Spandelles (1. Kategorie / 10 Pkte.) und hinauf nach Hautacam (Ehrenkategorie / 20 Pkte.).
Die Taktik macht sich dabei von selbst: Geschke muss in die Gruppe und muss oben am Col d'Aubisque möglichst satt punkten. Überquert er den Ehrenkategorie-Pass 1.709 Meter über dem Meer nach 16,4 Kilometern bei 7,1 Prozent als Erster, ist ihm das Trikot quasi nicht mehr zu nehmen.
Einmal Vollgas und dann zurücklehnen quasi – so einfach ist das doch! Die schnellste auf Strava hinterlegte Zeit am Aubisque fuhr am 24. Juli 2020 in 47:31 Minuten Pierre Rolland – nur so, zur Orientierung für den Bergkönig.
Tour-Berge: Col d'Aubisque - längster Anstieg der 18. Etappe
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Doch Spaß beiseite. Für Geschke wird es noch einmal ein brutal harter Kampf. "Ich bin überrascht, dass ich immer noch im Bergtrikot bin. Ich hatte etwas Sorgen, dass mein Körper in der dritten Woche vielleicht durch die ganzen Fluchtgruppen, in denen ich war, am Limit ist. Aber heute ging es wieder gut, und das gibt mir Hoffnung für morgen", sagte Geschke in Peyragudes. "Und morgen ist der allerwichtigste Tag."
Vor gut einer Woche wurde er einmal darauf angesprochen, ob der Etappensieg von Pra Loup vor sieben Jahren mehr wiege oder ob es ein möglicher Bergtrikot-Gewinn in diesem Jahr täte. Geschke sagte da noch, der Tageserfolg sei wichtiger. Ob er das auch in Paris noch so sehen würde, wenn er sein Trikot bis dorthin verteidigt?
So oder so aber gilt nun: "Morgen nochmal Vollgas und hoffen, dass die Sterne günstig für mich stehen."
2.) Brandon McNulty ist ein Biest
Für einige Beobachter dürfte es fast langweilig gewesen sein: Drei Mann fuhren mit hoher Geschwindigkeit den Berg hinauf. Erst taten sie das am Col de Val Louron-Azet, dann nochmal hinauf nach Peyragudes. Attacken gab es bis auf eine kurz vor der Bergwertung von Pogacar und den Sprint um den Sieg auf den letzten 300 Metern keine.
Doch im brutalen Duell um den Tour-Sieg zwischen Jonas Vingegaard und Tadej Pogacar lag eine riesige Spannung in der Luft. Jeden Moment konnte die Entscheidung über den Tour-Sieg 2022 fallen.
'To take the stage win is incredible' - Pogacar reflects on Stage 17 victory
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Dass es soweit nicht kam, wusste man erst auf den letzten Metern, als sich das Duo weiterhin auf Augenhöhe begegnete und um den Tagessieg spurtete. Doch Pogacars Helfer hatten den Weg geebnet – und das an einem Tag, an dem sie gerade mit Marc Soler und Rafal Majka zwei der wichtigsten Kletterer verloren hatten.
Mikkel Bjerg und Brandon McNulty wuchsen über sich hinaus, nahmen das gesamte Peloton auseinander und isolierten den Mann in Gelb völlig von seinen Helfern. McNulty nahm mit seinem Tempo allen Klassement-Assen Minuten ab. "Du bist so ein Biest", lobte Pogacar seinen Edelhelfer im Ziel. "Du und Mikkel (Bjerg) heute, das war unglaublich."
"You are such a beast": Pogacar feiert Teamkollege nach Etappensieg
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Nun könnte man kritisieren, dass McNulty sogar so schnell fuhr, dass auch Pogacar selbst nicht mehr angreifen konnte – und der muss eben eigentlich angreifen, um Vingegaard Zeit abzunehmen. Doch mehr als den gegnerischen Kapitän zu isolieren, kann der beste Helfer eben kaum tun.
McNultys Auftritt offenbarte aber auch etwas anderes: Der US-Amerikaner konnte sich bisher in der Tour wohl sogar etwas schonen, war dank Rafal Majka gar nicht so sehr gefordert, wie er hätte gefordert werden können. Nur so erklären sich die Reserven in den Pyrenäen, als alle Anderen bereits auf dem Zahnfleisch gingen. Und mit diesem Frische-Überschuss könnte er hinauf nach Peyragudes vielleicht wirklich auch Vingegaard wehgetan haben. Oder…?
3.) Vingegaard weiterhin souverän
Vielleicht hat McNulty das aber auch nicht geschafft. Denn die Art und Weise, wie sich Vingegaard auf den letzten Kilometern zum Altiport bewegte, als er sich sogar an Pogacar vorbei ans Hinterrad von dessen Edelhelfer schob und im Endspurt der Erste war, der beschleunigte, war einmal mehr beeindruckend.
Der Däne wirkte auch am Mittwoch wieder wie der stärkste Mann im Rennen. Ein Einbruch, wie der von Pogacar am Col du Granon, scheint der einzige Weg zu sein, wie Vingegaard das Gelbe Trikot noch verlieren kann. Zumal Pogacar wiederum trotz seines Sieges nicht mehr die allergrößte Frische ausstrahlte.
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"Ein Finish wie das heute passt mir nicht ganz so gut, das morgen aber besser", sagte der 25-jährige Vingegaard nach Platz zwei in Peyragudes und kündigte damit schon mal leise an, dass er die letzte Bergankunft der Tour in Hautacam wohl gerne dann zum Abschluss nochmal selbst gewinnen würde.
Als Vingegaards Landsmann Bjarne Riis 1996 im Gelben Trikot nach Paris kam, hatte er ebenfalls die letzte Bergankunft der Tour in Gelb gewonnen – und zwar auch in Hautacam. Und als Michael Rasmussen 2007 im Gelben Trikot in den Pyrenäen triumphierte, bevor er wegen eines Dopingvergehens aus der Tour flog, tat er das am Col d'Aubisque, dem ersten Berg am Donnerstag. "Für den dänischen Radsport sind das recht wichtige Berge", weiß Vingegaard, verkniff sich aber eine Wertung dazu.
Tour de France Stage 18 profile and route map: Lourdes – Hautacam
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