Tour de France 2022 - Drei Dinge, die auffielen: So kann's noch klappen mit dem Bora-Sieg

Der Sieg von Michael Matthews am Flugplatz von Mende war eine kleine Überraschung. Der Australier hat bei dieser Tour zwar schon mehrfach Top-Form bewiesen, doch dass er ausgerechnet bei der Mini-Bergankunft im Zentralmassiv gewinnt, damit hatte trotzdem nicht jeder gerechnet. Auf der 14. Etappe der Tour de France geschahen aber noch mehr interessante Dinge - hier sind drei, die auffielen.

Highlights: Matthews triumphiert nach Hitzeschlacht in Mende

Quelle: Eurosport

Mit drei Mann war Bora-hansgrohe in der 23-köpfigen Spitzengruppe um Matthews vertreten - und trotzdem gelang der ersehnte Etappensieg nicht.
Die Angreifer des deutschen Teams wirken angeknockt. Trotzdem aber könnte es mit dem Tageserfolg noch hinhauen.
Und auch wenn Jonas Vingegaard bisher alles andere als angeknockt aussieht, so hat Tadej Pogacar am Samstag klargemacht, dass sich der Däne noch zahlreichen Attacken ausgesetzt sehen wird.
Genau wie übrigens Simon Geschke im Kampf um sein Bergtrikot.
Hier sind drei Dinge, die auf der 14. Etappe auffielen:

1.) Bora braucht den Ruhetag

Die erste Selbstreflektion fiel hart aus bei Lennard Kämna: "So richtige Voll-Amateure", sagte der 25-Jährige zu sich selbst im Etappenziel in Mende ob der Ausbeute der eigenen Mannschaft. Kämna war Achter, Felix Großschartner Siebter und Patrick Konrad Fünfter geworden. Alle drei Bora-hansgrohe-Fahrer aus der 23-köpfigen Spitzengruppe des Tages landeten am Flugplatz in den Top 8. Das war stark, und am Ende doch weit weg von dem, was man sich erhofft hatte: den Etappensieg.
Dabei war der Auftritt der Mannschaft aus Raubling taktisch gar nicht schlecht gewesen. Zu dritt war man vorne dabei, und auch als sich knapp 50 Kilometer vor Schluss das entscheidende Quartett um den späteren Sieger Michael Matthews bildete, sprang mit Großschartner ein Bora-Profi mit. Der Österreicher war auf dem Papier dort sogar der beste Kletterer. Und doch konnte auch er in Mende nicht mehr folgen, als Matthews davonzog.
"Ich weiß nicht, wie der Tag hätte besser laufen sollen. Wir hatten drei Fahrer in der Gruppe, und am Ende hat der beste Fahrer gewonnen. An dem Tag war nichts zu ändern", bilanzierte Sportdirektor Rolf Aldag. "Wenn man nicht mehr akzeptiert, dass der Beste gewinnt, dann wird es echt schwierig im Sport."
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Highlights: Matthews triumphiert nach Hitzeschlacht in Mende

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Und genauso war es: Matthews und auch der Zweitplatzierte Alberto Bettiol oder der Drittplatzierte Thibaut Pinot waren schlicht stärker als die drei Bora-Kletterer in der Gruppe des Tages. Das ist nichts, wofür man sich bei der Tour de France schämen muss. Und doch ist es etwas, was die Realisation des Ziels "Etappensieg" auch in den kommenden Tagen schwer machen wird. Denn Mende war nicht der erste Zielort dieser Tour, der die Erkenntnis nahelegte, dass Andere eben stärker waren oder momentan sind.
"Ich persönlich bin nicht bei hundert Prozent", erklärte Kämna in Mende. "Am Ende sind das halt die fünf Prozent, die fehlen, um hier um den Sieg mitzufahren." Dass Kämna nach seinem sehr intensiven und bärenstarken Giro d'Italia auch noch bis zum Tour-Ende auf allerhöchstem Niveau die Konkurrenz im Griff haben würde, das schien von vorne herein unrealistisch. An der Super Planche des Belles Filles zum Ende der ersten Tour-Woche gelang ihm beinahe noch der große Coup. Doch nun scheint es langsam etwas bergab zu gehen mit der Frische des 25-Jährigen.
Und die Anderen? Maximilian Schachmann und Aleksandr Vlasov leiden noch unter den Folgen ihrer Stürze aus der ersten Tour-Woche, Felix Großschartner kämpft ebenfalls seit Tour-Anfang und war zwischendurch sogar krank. Patrick Konrad setzte zwar einige starke Signale, konnte mit den Allerbesten aber auch nicht mithalten. Sie alle sind sehr stark drauf, aber nicht so bärenstark, wie man es für einen Tour-Etappensieg sein müsste.
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Tränen nach Triumph: Matthews schreit vor Glück über Etappensieg

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"Es wird nicht einfacher. Die Etappen sind sehr, sehr schwer und vielleicht fehlt uns am Ende das letzte bisschen Durchsetzungskraft, um zu gewinnen. Aber wir werden es weiter probieren", versprach Kämna nun in Mende.
Die Erholungspause am Ruhetag in Carcassonne am Montag wird für ihn und seine Teamkollegen sehr wichtig werden. Am Sonntag könnten sich zwar Nils Politt und Marco Haller oder Danny van Poppel in Szene setzen, doch die Wahrscheinlichkeit eines Massensprints in Carcassonne ist groß. Die Hoffnungen des Teams aus Raubling liegen daher wohl vor allem auf den schweren Bergetappen der Schlusswoche in den Pyrenäen - und interessanterweise dort wohl sogar doch wieder auf dem Mann, der als Kapitän in die Tour gestartet und nach seinem Sturz aber zum Sorgenkind geworden war: Vlasov.
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Matthews' Willenskraft war entscheidend - die Analyse zur 14. Etappe

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"Ich bin happy, dass Aleks hinten mit den Favoriten ganz gut mitgefahren ist und dass die Motivation in der Truppe so ist, dass wir sagen: wir versuchen es auf jeden Fall", meinte Aldag in Mende. Und Vlasov bestätigte: "Ich habe mich heute schon viel besser gefühlt. Meine Erholung läuft gut, denke ich."
Der Russe liegt als Gesamtelfter 10:32 Minuten hinter dem Gelben Trikot und könnte mit einer gut getimten Attacke auf einer der Pyrenäenetappe daher vielleicht sogar noch als Ausreißer triumphieren und gleichzeitig einen Sprung im Gesamtklassement machen, wenn er sich bis Dienstag wieder richtig erholt hat. Seine Top-Form nämlich scheint der Kletterer, der vor zwei Wochen als Podiumskandidat in Kopenhagen gestartet war, nicht eingebüßt zu haben.

2.) Geschkes Bergtrikot ist hart umkämpft

Während der Kampf ums Grüne Trikot in diesem Jahr regelrecht ausgefallen ist, weil sich die meisten Kontrahenten von Wout Van Aert von Beginn an der Niederlage beugten, entwickelt sich die Bergwertung zu einem echten Spannungsfeld bei dieser Tour - nicht nur, aber ganz besonders aus deutscher Sicht.
Simon Geschke hat mit fünf Tagen im Gepunkteten Trikot einen neuen deutschen Tour-Rekord aufgestellt. Und er verteidigt seine Führung in der Sonderwertung bisher sehr stark. "Das Trikot über die Alpen zu retten ist mir natürlich wichtiger als der Rekord - und es jetzt zum Ruhetag zu behalten", sagte er in Mende. "Dann kann ich hoffentlich Kraft sammeln für die Pyrenäen, denn da wird es nochmal ganz schwer. Es gibt viele gute Kletterer, die scharf auf das Trikot sind."
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Hitzewelle bei der Tour: Wie geht das Peloton mit Temperaturen bis 40 Grad um?

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Wie scharf, dass durfte Geschke auch am Samstag wieder erleben, als ihm schon am ersten Bergpreis der 3. Kategorie der US-Amerikaner Quinn Simmons im Sprint um die zwei Punkte die Stirn bot. Der Klassikerspezialist klaute dem Freiburger Punkte, um seinem Trek-Segafredo-Teamkollegen Giulio Ciccone zu helfen. Der Kampf ums Bergtrikot wird also bereits jetzt mit Team-Unterstützung ausgetragen - das passiert so auch nicht immer.
Doch es kommt auch bislang wirklich auf jeden Punkt an. Geschke führt mit 46 Zählern vor Louis Meintjes mit 39, Neilson Powless mit 37, Jonas Vingegaard mit 36 und Giulio Ciccone sowie Pierre Latour mit je 35 Punkten. Und 115 Bergpunkte liegen bis Paris noch auf der Straße.
"An Paris denke ich noch gar nicht. Ich muss einfach von Tag zu Tag gucken, dass ich so viele Punkte wie möglich kriege", so Geschke.

3.) Pogacar nutzt jede Chance zum Angriff

Auf einen heißen Tanz dürfen sich die Fans wohl auch in Sachen Gesamtwertung in der Schlusswoche noch einstellen. Denn Tadej Pogacar scheint sich von seinem Einbruch am Col du Granon erholt zu haben und strotzt nur so vor Angriffslust. Der slowenische Titelverteidiger hat am Samstag nicht nur wie erwartet im Schlussanstieg von Mende attackiert, sondern dem Gelben Trikot sogar bereits in der Startphase 185 Kilometer vor Schluss auf den Zahn gefühlt.
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Wahnsinn! 185 km vor dem Ziel fühlt Pogacar Vingegaard auf den Zahn

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"Es war eine große Lücke da, nachdem Wout Van Aert zur großen Gruppe vorgefahren und ich ihm gefolgt war. Ich wollte dann dafür sorgen, dass Vingegaard etwas tun muss", sagte Pogacar nach der Etappe, betonte aber auch, dass er nicht ernsthaft an eine 185-Kilometer-Flucht glaubte. "Jumbo-Visma hat ein sehr starkes Team. In die Gruppe zu gehen ist für mich unmöglich."
Trotzdem unterstrich seine Aktion, dass Pogacar völlig unberechenbar ist und jederzeit angreifen könnte. "Die Beine sind gut - ich kann die Pyrenäen kaum erwarten", meinte der 22-Jährige, der sich sicher nicht darauf verlassen wird, dass er im Zeitfahren am vorletzten Tag das Ruder noch rumreißen könnte, wie 2020 gegen Primoz Roglic.
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Pogacar hängt in Mende die Konkurrenz ab - nur Vingegaard nicht

Quelle: Eurosport

Vingegaard und seine Mannen müssen bis Paris also immer auf der Hut und ständig abwehrbereit sein - sogar am Sonntag in Richtung Carcassonne. "Vielleicht versuchen wir's morgen schon", sagte Pogacar in Mende mit Blick auf die eher flache 15. Etappe. Er grinste dabei und es wirkte scherzhaft. Doch bei Pogacar kann man es nun wirklich nicht mehr wissen - und wenn der Wind rund um Carcassonne vom Meer her weht, wie so oft, dann könnte es auf den letzten Kilometern zum Ziel Windkantengefahr geben…
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Jonas Vingegaard - Wer ist der Mann im Gelben Trikot?

Quelle: Eurosport

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