Tour de France: Jonas Vingegaard lässt Dänemark in Freudentaumel stürzen und krönt sich zum Triumphator

Jonas Vingegaard hat zum ersten Mal in seiner Karriere die Tour de France gewonnen. Der Däne entthronte Titelverteidiger Tadej Pogacar und stürzt eine ganze Nation in einen Radsport-Freudentaumel. Dabei war er lange bei seinen Landsleuten weniger bekannt als seine Schwiegermutter. Nun aber verzückt er seine Heimat und verspricht, nicht wie einst Bjarne Riis das Gelbe Trikot zu beflecken.

Küsse und Tränen: Vingegaard feiert Gelbes Trikot mit Familie

Quelle: Eurosport

50 Meter hinter dem Ziel, nach 3350 schweißtreibenden Kilometern sprang Jonas Vingegaard von seinem gelben Rad, stemmte es hoch in die Luft und ließ sich feiern:
Die Frankreich-Rundfahrt hat einen neuen Patron und Dänemark nach 26 Jahren wieder einen Toursieger.
Flankiert von seinem alles überragenden Team Jumbo-Visma genoss Vingegaard zuvor den Triumphzug auf den Champs-Elysees in Paris. Im Ziel jubelte er dann ausgelassen, feierte mit den Teamkollegen, der Familie und nahm seine kleine Tochter strahlend mit zum Siegerinterview.
"Dieses Team ist unbeschreiblich", sagte der 25 Jahre alte Sieger, im Arm sein Töchterchen Frida: "Ich habe den Jungs so vieles zu verdanken." Auch bei der Siegerehrung waren die Kids der Hauptdarsteller mit auf dem Podest: Frida Vingegaard in Gelb mit passendem gelben Basecap und einem großen gelben Stofflöwen im Arm, Georges van Aert in Grün.

Vingegaard verspricht: "Wir sind alle sauber"

Am Abend nach zuvor war Vingegaard plötzlich ganz ernst geworden. Der ausgezehrte Gewinner der Tour de France hatte höflich im Gelben Trikot über seine Gefühle nach dem größten Erfolg seiner Karriere berichtet, dann kam die unausweichliche Frage nach dem Doping auf. Vingegaard antwortete mit Nachdruck - und gab so auch ein Versprechen an die Tausenden Fans in seiner dänischen Heimat.
Nein, späte Offenbarungen und Skandale wie bei seinem Landsmann Bjarne Riis, dem ersten Dänen in Gelb auf den Champs-Elysee, das versicherte der 25-Jährige, seien nicht zu befürchten. "Wir sind alle absolut sauber. Ich kann das für jeden von uns sagen. Ich sage Ihnen das direkt und ohne ein Zögern", sagte Vingegaard vor der versammelten Weltpresse über sich und sein Team Jumbo-Visma.
Das Problem in der Heimat: Der dänische Radsport leidet noch immer unter Riis' Taten.
Als in Kopenhagen Anfang Juli Hunderttausende den Grand Depart feierten und ihren neuen Hoffnungsträger Vingegaard bei der Teampräsentation im sonnendurchfluteten Tivoli zu Tränen rührten, durfte der bis dato einzige dänische Gesamtsieger nicht mitfeiern.
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Tränen bei Vingegaard: Fans feiern Dänemarks Tour-Star frenetisch

Quelle: Eurosport

Vingegaard tritt aus Schwiegermamas Schatten

Während zu diesem Zeitpunkt Vingegaards Bekanntheitsgrad weltweit überschaubar war, besaß er in seiner Heimat bereits einen großen Namen. Das jedoch lag nicht nur an seinen Radfahrkünsten und seinem überraschenden zweiten Platz bei der Frankreich-Rundfahrt 2021, sondern auch an seiner Schwiegermutter, die durch ihre Teilnahme an einer Back-Show im Fernsehen nationale Berühmtheit erlangte und auch in Dänemarks Version von "Dancing with the Stars" auftrat.
Die Entwicklung war für Vingegaard, der aus einem Fischerdorf mit nur 370 Einwohnern kommt, nicht abzusehen. Als Kind spielte er Handball und Fußball und war ein begeisterter Liverpool-Fan. Er wandte sich erst dem Radsport zu, nachdem er die Dänemark-Rundfahrt in der Nähe seines Eltern-Hauses gesehen hatte.
Wie schon im vergangenen Jahr rückte der Youngster auch bei dieser Tour frühzeitig in die vorderste Front bei Jumbo-Visma, nachdem Primoz Roglic, der eigentliche Herausforderer von Titelverteidiger Tadej Pogacar, erneut nicht mithalten konnte. Vingegaard hatte in der Folge in den Alpen bei der Bergankunft am Col du Granon von einem ungewohnten Einbruch Pogacars profitiert, dem Slowenen 2:51 Minuten abgenommen und dadurch das Maillot jaune entrissen.
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Sensation am Col du Granon! Vingegaard düpiert Pogacar

Quelle: Eurosport

Auf den folgenden Etappen parierte Vingegaard alle Attacken des einstigen Dominators und sorgte dann beim letzten Pyrenäen-Showdown für die Vorentscheidung. Die Kür folgte am Samstag mit Platz zwei beim Einzelzeitfahren. "Es ist toll, Teil dieser Reise zu sein. Ich bin stolz auf das ganze Team", sagte Vingegaard.
Zurücklehnen darf er sich nicht. Er weiß, dass Pogacar, der in den letzten beiden Jahren als fast unschlagbar galt, diesen Tourverlauf nicht auf sich sitzen lassen wird. "Er ist ein großartiger Typ und einer der besten Fahrer in der Welt. Mit Sicherheit wird er mehr wollen", sagte Vingegaard. Aber: "Ich will auch mehr. Natürlich habe ich noch Hunger."
(SID)
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Vingegaard kämpft mit den Tränen: "Das bedeutet mir alles"

Quelle: Eurosport

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