Tour de France - Drei Dinge, die auffielen: Philipsen liefert Meisterstück ab, Bauhaus gehört zur Sprint-Elite

Jasper Philipsen dominiert die Massensprints der 110. Tour de France. In Moulins feierte der Belgier bereits seinen vierten Tagessieg - und den ersten, nach dem niemand seine Fahrweise kritisierte. Außerdem zeigte sich auch der deutsche Hoffnungsträger Phil Bauhaus im Finale der 11. Etappe wieder sehr stark und wurde Dritter - beide kamen übrigens ohne Anfahrer aus. Drei Dinge, die auffielen.

Highlights: Sprint-König mit nächster Machtdemonstration

Quelle: Eurosport

Von vorne herein schien nach der sehr intensiven 10. Etappe, auf der bei 40 Grad das gesamte Peloton sehr gelitten hatte, klar, dass das elfte Teilstück mit einem Massensprint enden würde.
Entsprechend wenige Fahrer hatten Interesse daran, in die Ausreißergruppe des Tages zu springen.
Als sich dann nach wenigen Kilometern ein Trio löste, fuhr das zwar auf knapp vier Minuten davon, doch weil sich gleich vier Teams im Hauptfeld einig waren und gemeinsam die Verfolgung stemmten, hatten Daniel Oss, Mathis Louvel und Andrey Amador keine Chance.
Angesichts der Dominanz von Jasper Philipsen ist nun aber die Frage, ob es so viel Hilfe für Alpecin - Deceuninck auch auf den nächsten potentiellen Sprintetappen gibt.
Drei Dinge, die auffielen:

1. Aus "Jasper The Disaster" wird "The Master"

Vor dem Start der 11. Etappe in Clermont-Ferrand fragte ASO-Interviewer Seb Piquet Jasper Philipsen, ob er seinen durch die Netflix-Doku "Tour de France: Unchained" etablierten Spitznamen Jasper "The Disaster" ab sofort in Jasper "The Master" abändern dürfe. "Wenn ich heute nochmal gewinne, vielleicht", antwortete der Belgier. Das hat er getan und dabei auch tatsächlich ein "Masterpiece" abgeliefert.
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Vierter Streich! Philipsen lässt Konkurrenz abblitzen

Quelle: Eurosport

War nach Philipsens ersten drei Tagessiegen noch Kritik an der Fahrweise von ihm und seinem Team geäußert worden, weil Mathieu van der Poel und der Mann im Grünen Trikot hart an der Grenze des Erlaubten in den Sprints agierten, gab es in Moulins nun gar nichts mehr an ihm auszusetzen. Philipsen verhielt sich fair und war am Ende einfach der mit Abstand Stärkste auf der Zielgeraden.
Doch nicht nur das: Er tat das auf den letzten 2,5 Kilometern auch noch völlig auf sich allein gestellt. In Bayonne, Nogaro und Bordeaux war der bärenstarke Leadout von Anfahrer van der Poel die halbe Miete für den 25-Jährigen.
Doch in Moulins surfte er im Sprint-Finale allein durchs Peloton, hangelte sich von Hinterrad zu Hinterrad, verlor knapp 600 Meter vor Schluss sogar noch einen wichtigen Positionskampf um das Hinterrad von Dylan Groenewegen gegen Phil Bauhaus und blieb trotzdem cool. Am Ende machte er es über seine schiere Power, fuhr noch einen Umweg, verdrängte dann doch noch Bauhaus aus dem Groenewegen-Windschatten und spurtete schließlich von da souverän zum Sieg.
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Philipsen-Dominanz: "Ab jetzt helfen die anderen Teams Alpecin nicht mehr"

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"Für den Moment ist er der schnellste Sprinter der Welt. Heute war er auf sich allein gestellt und war wieder vorne am Ende", lobte sein Sportdirektor Christoph Roodhooft und erklärte: "Im Teammeeting war der Plan, dass Mathieu (van der Poel; Anm. d. Red.) erneut den finalen Part übernimmt, aber während der Etappe hat er sich nicht wohlgefühlt. Das war sein schlechtester Tour-Tag, weshalb wir entschieden haben, dass er es ruhig angehen soll bis ins Ziel."
Schon am Dienstag hatte van der Poel erklärt, etwas erkältet zu sein. Am Mittwoch nun scheint sich das nicht gebessert zu haben und der Niederländer ließ auf den letzten drei Kilometern hinter dem Peloton bis ins Ziel "ausrollen". Doch selbst wenn van der Poel die Tour in den kommenden Tagen krank verlassen sollte, in Moulins hat Philipsen gezeigt, dass das an der Dominanz von "Jasper The Master" nichts ändern muss. "Ich kann auch ohne Mathieu gewinnen", stellte Philipsen fest - auch wenn er nicht freiwillig auf ihn verzichten würde: "Er macht es schon einfacher!"

2. Bauhaus gehört zu den vier Top-Sprintern der Tour

Was Philipsen in Moulins geschafft hat, liegt Phil Bauhaus ohnehin: Der deutsche Sprinter ist sehr gut darin, sich allein im Sprinterfeld zu behaupten und im Positionskampf durchzusetzen. So hat es der Deutsche nun schon zum dritten Mal in die Top 3 bei seiner Tour-Premiere geschafft. Bei den flachen Sprints ist er eindeutig zu den besten Vier bei dieser Frankreich-Rundfahrt zu zählen - hinter Philipsen, aber auf Augenhöhe mit Groenewegen und Caleb Ewan, die alle schon zahlreiche Tour-Etappensiege auf dem Kerbholz haben. Einzig in Bordeaux ließ er sich einbauen und kam daher nicht über Rang sieben hinaus.
Das ist umso beeindruckender, wenn man bedenkt, was Bauhaus im Ziel am Eurosport-Mikrofon sagte: "Die Beine heute waren nicht gut, ich habe etwas gelitten gestern." Ohne gute Beine, und ohne richtigen Sprintzug - im Gegensatz zu Philipsen sonst aber auch zu Ewan und Groenewegen in Moulins - reicht es für Bauhaus also trotzdem noch zum dritten Rang.
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Experten fordern mehr Hilfe für Bauhaus: "Spätestens 3 km vor Ziel"

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Eurosport-Experte Bernhard Eisel kritisierte daher im Velo Club: "Ich war ein bisschen enttäuscht, von der Unterstützung seiner Mannschaft. Fred Wright ist da vorne auch rumgeturnt, aber nie in der Nähe von Phil Bauhaus auf den letzten zwei Kilometern, wo es darauf ankam. Ich verstehe, wenn die Mannschaft sich um Mikel Landa und Pello Bilbao kümmern muss, aber spätestens drei Kilometer vor dem Ziel sollten Matej Mohoric und Fred Wright vor Phil Bauhaus sein. Der Anfahrer muss den Sprinter suchen, nicht der Sprinter den Anfahrer."
Drei potentielle Sprint-Chancen bietet diese Tour noch, doch Bauhaus würde schon jetzt am liebsten seine drei Podestplätze gegen einen Sieg eintauschen. "Du weißt ja nie, wie weit du bei deiner ersten Tour in den Bergen kommst", gab er zu bedenken, dass bei der brutal schweren Alpen-Trilogie von Freitag bis Sonntag auch das Zeitlimit ein Feind werden könnte.
Für den Kampf dagegen wird er aber mindestens einen treuen Helfer dann an seiner Seite wissen: Nikias Arndt, der in Moulins am Mittwoch im Finale leider fehlte. Mit ihm möglichst ökonomisch durch die Berge zu kommen, wird nicht nur wichtig, um überhaupt im Rennen zu bleiben, sondern auch um auf den Etappen 18, 19 und 21 dann für die Sprints noch frisch genug zu sein.
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Psycho-Spielchen im Duell der Giganten: Was erwartet uns in den Alpen?

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3. Sprint-Etappen die Ruhe zwischen den Stürmen

Wann immer es bei dieser Tour bergauf geht, es wird ein Feuerwerk abgebrannt. Doch die bislang fünf flachen Etappen nach Bayonne, Nogaro, Bordeaux, Limoges und Moulins hatten einen vollkommen anderen Charakter. Sie wurden extrem kontrolliert gefahren, Ausreißergruppen lösten sich eher zaghaft und schienen nie auch nur den Hauch einer Chance zu haben.
Das wurde auch am Mittwoch wieder ganz besonders deutlich, als das Hauptfeld schon knapp 100 Kilometer vor dem Ziel auf eine Minute an die drei Ausreißer heranrückte und sich dann ewig Zeit ließ, die Lücke auch wirklich zu schließen.
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Hoffen auf Zimmermann und Co.: Etappe 12 "ein Tag für die Ausreißer"

Quelle: Eurosport

Für die Fans darf man daher von Glück reden, dass der Donnerstag schon wieder ein echtes Spektakel verspricht - zumindest unter den Ausreißern dann, die von vielen im Beaujolais favorisiert werden.
Dass in Sachen Gesamtwertung etwas passiert, daran glauben nur wenige, weil am Freitag, Samstag und Sonntag schwere Bergetappen warten.
Doch bei Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard weiß man nie. Das Profil der 12. Etappe würde, wenn nicht die Alpen-Etappen folgen würden, regelrecht nach einem Pogacar-Angriff schreien!
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Stage 12 profile and route map: Roanne - Belleville-en-Beaujolais

Quelle: Eurosport

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