Tour de France - Drei Dinge, die auffielen: Sicherheit im Sprint-Finale sorgt für nächsten Frustfaktor bei Wout van Aert

Die 3. Etappe der Tour de France bescherte den Fans in Bayonne den ersten Massensprint und am Ende gewann der Top-Favorit für solche Ankünfte: Jasper Philipsen (Alpecin – Deceuninck). Trotzdem deutete sich auch an, dass die Sprints bei dieser 110. Frankreich-Rundfahrt insgesamt sehr offen sind und auch ein Deutscher vorne mitmischt. Sorgen macht momentan die Sicherheit. Drei Dinge, die auffielen.

Highlights: Erst Bummeltempo, dann Finale furioso

Quelle: Eurosport

Philipsen war bei der schwierigen Ankunft in Bayonne der Schnellste und das durfte nicht überraschen.
Doch beinahe hätte sich der Belgier seinem Landsmann Wout van Aert geschlagen geben müssen – wenn dem auf den letzten 80 Metern nicht der Platz auf der Straße ausgegangen wäre.
Das sorgte nach der Ankunft für Diskussionen – bei der Jury ob der Fahrlinie Philipsens, rund ums Peloton aber wohl eher aufgrund der Streckenführung.
Die nämlich machte das Sprint-Finale gefährlicher als nötig. Und für Gefahr sorgten darüber hinaus auch einige Zuschauer.
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Wieder Reißzwecken! Zahlreiche Reifenschäden bei der Tour

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Drei Dinge, die auffielen:

1. Nicht Philipsen sondern die Zielankunft sorgt für erneuten Frust bei van Aert

Auch am dritten Tag der Tour hat Wout van Aert den ersehnten Etappensieg verpasst, obwohl er ganz vorne mit dabei war. Nachdem er am Vortag in San Sebastian ob der Niederlage gegen den 1.000 Meter vor Schuss entwischten Victor Lafay vor Wut seine Trinkflasche auf den Boden gepfeffert hatte, drückte sich sein Frust in Bayonne nun aber eher in Resignation aus. Als der Jumbo-Visma-Profi als Fünfter über den Zielstrich rollte, winkte er einfach nur kopfschüttelnd ab.
Dabei hatte van Aert 80 Meter zuvor noch Kopf an Kopf mit Jasper Philipsen um den Sieg gekämpft. Dann aber ging ihm in der langen Rechtskurve zum Zielstrich der Platz zwischen seinem leicht nach innen ziehenden Landsmann und der Bande aus. "Wir sind ziemlich auf gleicher Höhe gesprintet und dann habe ich Jasper berührt und auf der anderen Seite die Zuschauer. Dadurch habe ich komplett mein Momentum verloren und es nicht mehr geschafft, auf den letzten 50 Metern nochmal weiterzusprinten", schilderte van Aert die Szene anschließend dem belgischen Sender "VTM".
Kritik an der Fahrlinie von Philipsen äußerte er nicht öffentlich und eine Beschwerde reichte er auch nicht ein. "Nein, ich denke die Jury schaut sich alle Bilder ganz genau an und trifft dann die richtige Entscheidung. So oder so gewinne ich nicht, denn ein paar andere Jungs waren auch vor mir im Ziel", sagte van Aert und lenkte die Aufmerksamkeit eher auf Streckenführung und Absicherung: "Glücklicherweise sind wir nicht gestürzt, aber die Leute, die über den Zaun hingen, kamen uns sehr nah. So konnte ich nicht mehr sprinten."
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"Das kann nicht sein": Experten mit Kritik an Zielankunft

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An diesem Punkt setzte auch Fabio Jakobsen (Soudal – Quick-Step) an. Der Niederländer wurde vor van Aert Etappenvierter, durfte die Szene von hinten beobachten und hat vor allem selbst durch seinen Horrorsturz bei der Polen-Rundfahrt vor drei Jahren schon schreckliche Erfahrungen damit gemacht, wenn im Sprint zwischen einem Kontrahenten und der Bande kein Platz mehr ist.
"Wenn man anderthalb Meter von der Bande sprintet, sollte man die Tür nicht so schließen", sagte er zwar mit Blick auf Philipsens Fahrlinie, die aufgrund der Rechtskurve aber eben auch der kürzeste Weg zum Zielstrich war – und dem folgen Sprinter eben instinktiv. Deshalb betonte Jakobsen: "Wir hatten hier kilometerlang gerade Straßen, aber dann diese Windungen von links nach rechts am Ende. Wenn man sicherstellt, dass die letzten 400 Meter geradeaus führen, bekommt man auch nicht so ein Elend."

2. Bauhaus ist in der Weltspitze angekommen

Ein Einstand nach Maß war das für Phil Bauhaus: Platz zwei gleich bei seinem ersten Tour-de-France-Massensprint – was will man mehr? Richtig: Gewinnen! "Es ist ein großartiges Resultat und in Zukunft werde ich stolz sein auf dieses Ergebnis. Als Sprinter willst du aber gewinnen und ein Etappensieg hier ist ein Traum von mir", sagte der 28-Jährige, der lange Jahre auf sein Tour-Debüt warten musste und nun in Bayonne wie entfesselt sprintete.
Bauhaus war etwas geknickt, weil ihm bewusst ist, dass zu einem Sieg bei der Tour angesichts der aktuellen Leistungsdichte unter den Top-Sprintern und ihren Sprintzügen immer auch etwas Glück gehört. Was am Montag klappte, könnte am Dienstag schon schiefgehen und am Ende ein zehnter Platz unter dem Strich stehen. "Es ist für mich nicht so einfach wie für die großen Sprinter. Sie sind jeden Sprint in den Top drei und für mich ist das immer harte Arbeit und daher ist es schade, nicht gewonnen zu haben", erklärte er.
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"Da ist ein neuer Spieler dabei": Greipel & Voigt loben Bauhaus

Quelle: Eurosport

Doch was Bauhaus wahrscheinlich erst im Nachhinein bei der teaminternen Analyse seines Sprints von Bayonne erkannt haben dürfte, ist, dass er auf dieser 3. Tour-Etappe wie einer dieser ganz großen Sprinter, von denen er da sprach, wirkte. Denn wie sich Bauhaus im Positionskampf um das Hinterrad von Wout van Aert gegen Bryan Coquard, Biniam Girmay und vor allem Anfahrer-Legende Michael Morkov und anschließend Dylan Groenewegen durchsetzte, das war schon erstklassig.
Wieso sollte da also nicht noch mehr gehen bei den immerhin bis zu sechs weiteren Sprintankünften dieser Tour? "Der zweite Platz ist sehr vielversprechend für die nächsten Tage", meinte jedenfalls sein Teamkollege Nikias Arndt gegenüber Eurosport. "Wir sind happy, auch wenn wir natürlich auf Sieg fahren. Aber wir sind dabei und ich glaube, ein Sieg ist möglich."

3. Reißzwecken! Die Tour de France braucht eine Lösung

Das große Radsportfest Tour de France zieht durchs Land und die Zuschauermassen erfreuen sich daran – nur leider wohl nicht alle Anwohner. Wie am Sonntag so wurden auch am Montag in San Sebastian Reißzwecken auf die Straße geworfen, die für zahlreiche Reifenschäden sorgten. Während das auf der 2. Etappe vor dem entscheidenden Anstieg zum Jaizkibel und damit eben auch dessen Abfahrt passierte, ging es auf der 3. Etappe anschließend glücklicherweise flach weiter und es kam erneut nicht zu Stürzen.
Doch auch wenn dadurch der Eindruck entstehen könnte, dass das halb so schlimm sei, so muss der Tour-Veranstalter ASO nun in Alarmbereitschaft sein und sich überlegen, wie mit dem Problem umgegangen wird, wenn es zu weiteren solchen Vorfällen kommt. Denn wie Ex-Profi André Greipel im Velo Club bei Eurosport erklärte: "Wir haben in unserem Sport keine Knautschzone. Und wenn da jemand Reißzwecken auf die Straße wirft, spielt er mit dem Leben der Sportler. Viele sind mit Tubeless-Reifen unterwegs. Wenn die Luft da raus ist, fährt man auf der blanken Carbonfelge. Da kann man nicht mehr bremsen oder steuern, sondern es führt zum Sturz und man muss hoffen, dass der glimpflich ausgeht."
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Greipel zu Nagelattacken: "Spiel mit dem Leben der Sportler"

Quelle: Eurosport

Es braucht eine Lösung, wenn man am Mittwoch nicht nur mit dem Prinzip Hoffnung in Richtung Pyrenäenpässe und deren Abfahrten starten will. Wie diese Lösung aber aussehen könnte, ist schwer zu beantworten. Es liegt in der Natur des Radsports, dass es keine Zugangskontrollen für Zuschauer am Straßenrand gibt. Und aufgrund der aktuellen gesellschaftspolitischen Situation in Frankreich ist die Polizei im Land ohnehin schon sehr belastet.
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Stage 4 profile and route map: Dax - Nogaro

Quelle: Eurosport

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