Tour de France - Drei Dinge, die auffielen: Jonas Vingegaard gegen Tadej Pogacar wird jetzt ein episches Duell
VonFelix Mattis
Publiziert 06/07/2023 um 23:34 GMT+2 Uhr
Wenn man glaubt, es geht nicht besser, setzt die Tour de France noch eins drauf: Nach dem Spektakel der 5. Etappe hat Jumbo - Visma Etappe 6 zum nächsten Highlight gemacht - und wurde nicht belohnt. Zwar hat Jonas Vingegaard das Gelbe Trikot erobert, doch gegen Tadej Pogacar verlor er Zeit. Der Slowene ist zurück im Spiel um den Tour-Sieg und Jai Hindley auf Podiumskurs. Drei Dinge, die auffielen.
Highlights: Pogacar durchbricht die Jumbo-Phalanx
Quelle: Eurosport
Mit seinem Etappensieg in Cauterets-Cambasque hat sich Tadej Pogacar auf der Favoritenliste in Sachen Tour-Sieg wieder ganz nach oben katapultiert.
Dabei hatte auf der brutalen 6. Etappe über den Col d'Aspin und den Col du Tourmalet bis zum Schlussanstieg Jumbo – Visma ein wahres Feuerwerk der Dominanz abgefackelt.
Deutlich wurde am zweiten und letzten Tag in den Pyrenäen aber vor allem eines: Die beiden Superstars des Radsports sind der Konkurrenz am Berg mehr als deutlich überlegen.
Hinter ihnen entbrennt dafür so langsam ein zweites Rennen: das um den dritten Podestplatz. Und da ist Bora-hansgrohe-Kapitän Jai Hindley momentan obenauf.
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Brutaler Antritt: Pogacar entscheidet Berg-Showdown gegen Vingegaard
Quelle: Eurosport
Drei Dinge, die auffielen:
1. Man kann (fast) alles richtig machen und trotzdem verlieren
Als Wout van Aert mit dem Startschuss der 6. Etappe in Tarbes sofort in die Offensive ging, deutete es sich schon an: Jumbo – Visma würde den Belgier auch am zweiten Pyrenäen-Tag gerne als sogenannte 'Relais-Station' vorausschicken, damit van Aert im Finale bei einer etwaigen Attacke von Kapitän Jonas Vingegaard noch als Helfer fungieren könnte.
Im Verlauf der Etappe aber kamen immer mehr Fragen auf: Wieso investiert van Aert dann so viel Kraft und führt die Spitzengruppe an? Und wieso fährt sein eigenes Team gleichzeitig am Col d'Aspin an der Spitze des Hauptfeldes? Für eine Weile sah es aus, als würden die Gelbschwarzen ihren eigenen Mann jagen. Unverständnis unter den TV-Experten der internationalen Kanäle machte sich breit. Der deutsche Eurosport-Experte Jens Voigt erkannte aber schnell: "Sie wollen das Rennen im Feld schwer machen, gleichzeitig aber muss van Aert dafür sorgen, dass er nicht zu früh eingeholt wird."
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Unerklärliche Taktik um Van Aert? Eurosport-Experten uneins
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Und genau so war es. Das Bild vom Aspin wiederholte sich am Tourmalet und als dort eingangs des Ski-Orts La Mongie Wilco Kelderman und Sepp Kuss mit einer heftigen Tempoverschärfung bis auf Vingegaard und Pogacar das gesamte Feld distanzierten, wurde der Zweck der vorher hinterfragten Fahrweise wohl endlich jedem deutlich. Jumbo – Visma blies zum Großangriff. Weil Pogacar am Vortag Schwäche gezeigt hatte, wollte man dem Slowenen nun den Todesstoß versetzen. Kelderman und Kuss isolierten ihn von seinen Helfern und Vingegaard sollte dann die Tour entscheiden.
Doch als Pogacar dessen Angriff knapp zwei Kilometer vor dem Gipfel des Tourmalet scheinbar mühelos folgte, geriet der perfekte Plan ins Wanken. Zwar holte Vingegaard seinen an diesem Tag extrem loyalen und treuen Helfer van Aert in der Abfahrt vom Tourmalet wie geplant ein, so dass der im Tal bis zur Schlusssteigung für den Titelverteidiger Tempo machen konnte. Doch dass Pogacar dabei am Hinterrad des Dänen klebte, das war so eigentlich nicht vorgesehen.
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Völlig am Ende: Van Aert muss von Zuschauern gestützt werden
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Und das wurde Vingegaard schließlich zum Verhängnis. Denn der Däne zog seinen Plan weiter durch und attackierte nach dem Ausscheren von van Aert 4,5 Kilometer vor dem Ziel in der Schlusssteigung noch einmal. Pogacar aber folgte wieder problemlos im Sitzen. In diesem Moment hätte Vingegaard verstehen müssen: Das klappt heute nicht! Stattdessen aber fuhr er ohne zu zögern weiter von vorne und zog Pogacar den Berg hinauf, bis der Slowene dann in einer der steilsten Rampen 2,7 Kilometer vor Schluss davonstiefelte.
So blieben am Abend trotz eines perfekt exekutierten Plans von vorher 53 nur noch 25 Sekunden Vorsprung auf Pogacar in der Gesamtwertung. "Mir wären zwei Minuten Vorsprung lieber gewesen, aber es ist immer besser, vorne zu sein und das Gelbe Trikot zu haben", urteilte Vingegaard nach der Etappe. Damit hatte er sicher Recht, vorgestellt hatten er und sein Team sich den Ausgang der Etappe aber sicher anders.
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Vingegaard zwischen Frust und Freude: Geschlagen, aber in Gelb
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2. Pogacars Comeback gibt der Tour Thriller-Potential
"Das war die Antwort eines Champions", beurteilte Jens Voigt den Auftritt von Tadej Pogacar am Donnerstag im Velo Club bei Eurosport und traf den Nagel damit auf den Kopf. Nach der schmerzenden Niederlage am Vortag in Laruns war für viele klar: Vingegaard ist die Nummer 1 bei dieser Tour. Es schien ja auch logisch: Nach dem Kahnbeinbruch von Ende April konnte Pogacar ja nicht perfekt vorbereitet in den Juli kommen.
Doch der Tour-Sieger von 2020 und 2021 blieb ruhig. Er sprach von einem schwachen Moment vor dem Gipfel des Col de Marie Blanque, in dem Vingegaard ihn abgehängt hatte, erklärte sonst aber, sich gut zu fühlen. "Wir liegen noch im Rennen", sagte Pogacar am Mittwoch und bewies das 24 Stunden später eindrucksvoll.
"Ich würde es nicht 'Rache' nennen, aber es ist süß, heute zu gewinnen und ein bisschen Zeit zurückzuholen", meinte der Slowene nun in Cauterets-Cambasque und gab zu: "Als Jumbo am Tourmalet so schnell gefahren ist, dachte ich 'Scheiße, das wird heute wie gestern, wir können unsere Sachen packen und nach Hause fahren'. Zum Glück hatte ich heute gute Beine. Am Tourmalet konnte ich recht gut folgen und zum Schluss habe ich den richtigen Moment abgewartet und angegriffen."
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"Antwort eines Champions": Voigt feiert Pogacar-Attacke
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Auch wenn Pogacar seinen Rivalen Vingegaard am Donnerstag auf den letzten 2,7 Kilometern nicht so viel Zeit abknüpfen konnte, wie der Däne ihm am Mittwoch auf den letzten 20, und auch wenn aus Pogacars elf Sekunden Vorsprung von vor den Pyrenäen ein Rückstand von 25 Sekunden nach den Pyrenäen geworden ist, so steht es nun 1:1 zwischen den beiden großen Rivalen und der Kampf um den Tour-Sieg ist wieder völlig offen.
"Das wird noch eine spannende Tour de France", versprach Vingegaard.
3. Bora setzt endgültig alles auf eine Karte
Es war ein kurzer Traum in Gelb für Jai Hindley und das Team Bora – hansgrohe. Nach dem großartigen Coup des Australiers am Vortag fiel Hindleys Gesamtführung am Col du Tourmalet dem Großangriff des Teams Jumbo – Visma zum Opfer. "Es war enorm cool, im Gelben Trikot über diese mythischen Berge zu fahren", beschrieb Hindley seinen erfüllten Kindheitstraum und gab zu: "Um ehrlich zu sein, ich wurde ziemlich abgewatscht."
Trotzdem aber konnten die Raublinger auch am Donnerstag bei der Abreise aus den Pyrenäen zufrieden Zwischenbilanz ziehen. Denn Hindley war 'best of the rest' und steht souverän auf dem dritten Gesamtrang. "Wir sind voll im Soll", meinte Teammanager Ralph Denk. Immerhin war der Podestplatz mit dem Giro-Sieger von 2022 angesichts der erwarteten Überlegenheit von Vingegaard und Pogacar das erklärte Wunschziel.
Dem wird bei Bora – hansgrohe alles knallhart untergeordnet, und so mussten auch die deutschen Fans stark sein und schlucken, als am Ende der Abfahrt vom Col du Tourmalet deutlich wurde: Jetzt opfern sie den am Mittwochabend noch auf Gesamtrang vier liegenden Emanuel Buchmann!
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Bora-Bilanz nach Berg-Auftakt: "Gelb entschädigt für alles"
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Der 30-Jährige fuhr anschließend im Tal bis in den Schlussanstieg von Cauterets hinein 20 Kilometer Vollgas von vorne im Wind, um einerseits den Vorsprung von Vingegaard und Pogacar in Grenzen zu halten und andererseits den zahlreichen anderen Podiumskandidaten in der großen Verfolgergruppe die Lust am Attackieren zu nehmen. Danach aber war er platt und scherte kurz vor der Fünf-Kilometermarke aus, um am Ende auf den 15. Gesamtrang zurückzurutschen.
"Radsportdeutschland hat gehofft er bleibt Vierter. Aber für uns wäre es superschlecht, wenn wir Vierter und Sechster in Paris werden. Deswegen haben wir Emu heute opfern müssen. Aber wir sind happy mit seiner Leistung", erklärte Denk in Cauterets.
Fährt Hindley so weiter, wie bisher, und bleibt bis zum Schluss auf dem Podium, so braucht man diese Entscheidung nicht mehr zu diskutieren. Und wenn nicht, so bleibt für die deutschen Fans zumindest die Hoffnung, dass Buchmann mit nun über sechs Minuten Rückstand in der Gesamtwertung vielleicht auch irgendwann noch einen Auftritt in einer Fluchtgruppe bekommen könnte.
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Stage 7 profile and route map: Mont-de-Marsan - Bordeaux
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