Tour de France: Jan Ullrich zu Strecke und Kampf um Gelbes Trikot - "Härteste Tour aller Zeiten, Sprinter tun mir leid"
Jan Ullrich sieht die Tour de France 2023 mit ihren vielen Bergetappen als "härteste aller Zeiten" und erwartet von den Favoriten auf die Gesamtwertung wie Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard daher "Attacken ab Kilometer Null". "Die Sprinter bei dieser Tour tun mir richtig leid, die werden kämpfen und leiden müssen", sagte der Tour-Sieger von 1997 im "Bild"-Interview mit Blick auf die 21 Etappen.
Tour-Strecke: Der Kurs mit allen 21 Etappen von Bilbao nach Paris
Quelle: Eurosport
Ullrich rechnet daher damit, dass aus dem Kreis der Sprintstars um Mark Cavendish "einige wahrscheinlich aus der Karenzzeit fallen."
Die diesjährige Frankreich-Rundfahrt führt ab 1. Juli über 3405,6 Kilometer und hält dabei unter anderem Etappen in den Alpen, Pyrenäen, Jura, Vogesen und im Zentralmassiv bereit. Schon der Auftakt in Spanien ist bergig wie selten. Vier Bergankünfte stehen auf dem Programm der Rundfahrt, aber im Unterschied zu Ullrichs Sieg-Tour 1997 ohne extrem lange Zeitfahren oder Bergetappen über fast acht Stunden wie bei seinem Erfolg in Andorra seinerzeit.
Bei der 110. Tour de France, die am Samstag im spanischen Bilbao startet und traditionell in Paris endet, wählten die Veranstalter mit nur einem Zeitfahren und viel Hochgebirge einen neuen Ansatz - was Ullrich gefällt: "Als Fan finde ich das gut. Von Kilometer Null an werden die Fahrer für die Gesamtwertung attackieren müssen." Die Fans erwarte daher "Spannung pur" im Kampf ums Gelbe Trikot - und das "bis zum Schluss". Sein Fazit zum Kurs: "Für die Zuschauer wird die neue Tour de France riesig!"
Tour de France: Deutsche Etappensiege möglich
Den deutschen Tour-Startern räumt Ullrich gute Chancen auf Etappensiege ein: "Grundsätzlich traue ich neben Simon Geschke auch Nils Politt, Phil Bauhaus, Nikias Arndt und Georg Zimmermann zu, eine Etappe zu gewinnen. Ich finde: Die deutschen Fahrer können sich sehen lassen. Das größte Potenzial aber hat Emanuel Buchmann. Er ist in richtig guter Form, ich habe ihn gerade beim Gewinn der Deutschen Meisterschaft gesehen."
Auch wenn Buchmanns Rolle die des Edelhelfers an der Seite von Bora-Kapitän Jai Hindley sein wird, könnten sich für den Tour-Vierten von 2019 auch Chancen eröffnen. "Sturz, Krankheit – jeden kann es mal erwischen. Und dann kann es schnell gehen, dass er von seinem Team freie Fahrt bekommt. Das Potenzial für einen Tour-Etappensieg hat er allemal. Und in der Gesamtwertung sehe ich sein Potenzial in den Top 6 oder 7. Aber wer weiß, vielleicht auch mehr."
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Highlights: Wirbel um Spitzengruppe - Buchmann eine Klasse für sich
Quelle: Eurosport
Tod von Gino Mäder erschütterte Radsportwelt
Der Sturz von Gino Mäder bei der Tour de Suisse, an dessen Folgen der Schweizer einen Tag später verstarb, hat auch Ullrich tief getroffen. "So etwas ist furchtbar und erschüttert die ganze Radsportwelt. Leider – das ist die harte Realität – kommt dies immer wieder vor. Dennoch habe ich nicht das Gefühl, dass weniger an die Sicherheit der Fahrer gedacht wird. Rennradfahren ist eine gefährliche Sportart, dessen ist sich jeder bewusst. Und es sind die Fahrer selbst, die das Tempo anschlagen. Jeder muss für sich abwägen: Was gibst du als Risiko noch dazu? Wenn es mir zu brenzlig wurde, habe ich früher auch schon mal Tempo rausgenommen – und versucht, die dadurch entstandene Lücke danach zu schließen."
Wie knapp Ullrich selbst in seiner aktiven Zeit bei einem spektakulären Sturz in der Tour de France 2001 am Drama vorbeischrammte, rief er jetzt noch einmal ins Gedächtnis: "Das hätte damals auch anders ausgehen können. Da wollte ich Lance Armstrong attackieren und habe zu viel riskiert. Ich habe einen Salto geschlagen und bin im hohen Gras gelandet. Links und rechts lagen Steine - wäre ich darauf gelandet, wäre ich heute wohl querschnittsgelähmt..."
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(mit SID)
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Tour de France 2001: Jan Ullrich nach seinem Sturz
Fotocredit: Eurosport
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