Tour de France - Jan Ullrich adelt Vingegaard und staunt: Wenn Van Aert und van der Poel keine Etappe gewinnen ...

Ex-Profi Jan Ullrich hat Tour-de-France-Sieger Jonas Vingegaard in höchsten Tönen gelobt. Der Däne habe in den drei Wochen "gar keine" Schwäche gezeigt, sagte der 49-Jährige im Interview mit der "Sport Bild". Generell zeigte sich der Tour-Sieger von 1997 angetan vom Niveau im Peloton - und hob aus deutscher Sicht zwei Fahrer hervor. In der Sicherheits-Debatte versteht Ullrich beide Seiten.

Emotionale Worte bei Ehrung: Vingegaard erhält die Krönung

Quelle: Eurosport

Der einzige deutsche Tour-de-France-Sieger Jan Ullrich sieht in Jonas Vingegaard einen würdigen Gesamtsieger der kürzlich beendeten 110. Frankreich-Rundfahrt. "Er hat kaum eine Schwäche gezeigt, ich würde sogar sagen: gar keine", sagte Ullrich der "Sport Bild".
Der Däne Vingegaard habe jeden Angriff seines slowenischen Rivalen Tadej Pogacar abgewehrt und jede hektische Situation gemeistert: "Dazu kommt, dass sein Team eine starke Taktik verfolgt hat. Wie auf der Etappe nach Courchevel, als ihm gleich zwei Fahrer am letzten Berg geholfen haben. Fabelhaft." Vingegaard hatte die Tour am vergangenen Sonntag in Paris mit einem Vorsprung von 7:29 Minuten auf den zweimaligen Champion Pogacar beendet.
Den Grundstein für seinen zweiten Gesamtsieg in Folge hatte der 26-Jährige im Zeitfahren auf der 16. Etappe gelegt. In Combloux war Vingegaard 1:38 Minuten schneller als Pogacar und 2:51 Minuten schneller als sein Teamkollege Wout Van Aert auf Platz drei.
Ein Meisterstück, das auch an Ullrich erinnert, der selbst als absoluter Zeitfahr-Spezialist galt. Bei seinem Tour-Sieg 1997 nahm er seinem ärgsten Verfolger Richard Virenque im Zeitfahren nach St. Etienne über drei Minuten ab und holte den Franzosen damals sogar ein.
Im Hinblick auf Vingegaards Zeitfahr-Coup sagte der deutsche Ex-Profi deshalb mit einem Augenzwinkern: "Ich hätte es nicht besser machen können. Im Ernst: Fantastisch! Eine Klasse für sich! Außergewöhnlich gut!"

Ullrich von Niveau im Peloton begeistert

Bei Pogacar hatte der 49-Jährige dagegen bereits vor Start der Rundfahrt Bedenken wegen seiner suboptimalen Vorbereitung: "Ich hatte zu Beginn der Tour bereits meine Zweifel, ob Pogacar den Trainingsausfall aufgrund seines Handbruchs im April ausreichend kompensieren kann", so Ullrich. Er sollte Recht behalten. An seine Verfassung der vergangenen Jahre konnte der UAE-Profi nicht anknüpfen.
Nicht nur von den Leistungen der beiden Star-Fahrer Vingegaard und Pogacar war Ullrich angetan. "Das Niveau im Fahrerfeld ist nochmals krass gestiegen. Wenn Topfahrer wie Wout van Aert oder Mathieu van der Poel keine Etappe gewinnen konnten, dann weißt du, dass es auf absolute Kleinigkeiten und letztendlich die perfekte Tagesform ankommt."
Von den sieben deutschen Fahrern habe ihn besonders Georg Zimmermann "überrascht. Er ist in den Bergen mit den ganz Großen mitgefahren, auch die Tour von Phil Bauhaus war sehr stark", sagte Ullrich.

Sicherheits-Debatte: Ullrich versteht Fahrer und Fans

In der Diskussion über die teils problematische Fan-Nähe speziell an den Bergen zeigte Ullrich Verständnis für beide Seiten. "Aus Sicht eines Fahrers, der im körperlichen Ausnahmezustand den Berg hochfährt, ist das besonders ärgerlich. Ich kann ja die Fans verstehen. Sie warten stundenlang auf die Fahrer, da will man so nah wie möglich dabei sein und unterschätzt dann die Geschwindigkeit der Fahrer oder blockiert Motorräder", sagte Ullrich.
Aber: "Gerade die Fans machen viele Etappen zum grandiosen Spektakel – sie gehören zum Mythos der Tour unbedingt dazu."
(mit SID)
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Aggressivität über Erfolg? Pogacar "möchte er selbst bleiben"

Quelle: Eurosport

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