Tour de France - Wout van Aert und Mathieu van der Poel spät in der Offensive - aber warum?
VonFelix Mattis
Publiziert 11/07/2023 um 23:10 GMT+2 Uhr
Wout van Aert hat es schon wieder getan: Nachdem er in der hektischen Anfangsphase der 10. Etappe der Tour de France in die Offensive gegangen war, aber die entscheidende Ausreißergruppe schließlich doch verpasste, fuhr der Belgier knapp 50 Kilometer vor dem Tagesziel gemeinsam mit Mathieu van der Poel doch nochmal dem Feld davon. Die Frage, die sich viele stellten: Warum tut er das?
Van Aert gibt Rätsel auf: Experten "haben wenig Erklärung"
Quelle: Eurosport
Wout van Aert in der Offensive, fast täglich war das bei dieser 110. Frankreich-Rundfahrt bisher zu sehen. In den Pyrenäen spielte er so zweimal die Relais-Station für den später attackierenden Jonas Vingegaard.
Trotzdem aber durfte man auch dort fragen, ob der Umfang seines Kraftaufwands in den jeweiligen Spitzengruppen nicht etwas Verschwendung war.
Auf dem Weg nach Issoire nun konnte sich aber wirklich niemand mehr erklären, was der Vorstoß des neunmaligen Tour-Etappensiegers für einen Sinn hatte.
Der Vorsprung der Ausreißergruppe um den späteren Sieger Pello Bilbao und Georg Zimmermann war mit rund zweieinhalb Minuten so groß, dass es utopisch schien, dass van Aert und Mathieu van der Poel noch um den Tagessieg würden kämpfen können.
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Highlights: Zimmermanns mutiger Ritt bleibt unbelohnt
Quelle: Eurosport
Und trotzdem riss das Duo zu Beginn der Abfahrt an den Fuß des letzten Anstiegs der Etappe eine Lücke, baute diese bergab auf bis zu 40 Sekunden aus und steckte auch am folgenden Berg zunächst nicht auf.
"Vielleicht wollten sie Angst bei der Konkurrenz schüren, dass Jonas Vingegaard am folgenden Berg nochmal attackiert. Dann hätte das als gutes Relais funktionieren können", spekulierte Eurosport-Experte Bernhard Eisel nach der Etappe im Velo Club und sagte, er müsse erstmal hören, was die Sportliche Leitung von Jumbo - Visma dazu sagt. "Aber so richtig habe ich heute wenig Erklärung dafür."
Kritisch sah die Aktion Ex-Giro-Sieger Tom Dumoulin im Gespräch mit dem niederländischen Sender "NOS": "Heute habe ich van Aerts Taktik überhaupt nicht verstanden", so der Ex-Profi. "Die Tour ist zur Hälfte vorbei und bislang konnte ich Wout nicht dabei erwischen, wie er einen Fehler machte. Wie letztes Jahr ist er der beste Fahrer der Tour, aber heute habe ich es überhaupt nicht verstanden. Er hätte einfach bei Vingegaard bleiben sollen als bester Helfer."
Van Aert erklärt: Das Loch entstand unbeabsichtigt
Van Aert selbst aber löste die Situation vor den belgischen TV-Kameras am Mannschaftsbus auf. "Ich saß an Mathieus Hinterrad und hinter uns ging die Lücke auf", sagte der dreimalige Cross-Weltmeister. Weil sie zu zweit den Abstand zur Spitze zunächst um 20 Sekunden verringerten, rochen sie bergab noch die Chance, die Situation nutzen und um den Sieg fahren zu können. Als es dann aber wieder bergauf ging, hatten beide nicht mehr die nötigen Beine.
"Wir sind etwas näher nach vorn gekommen, aber im Anstieg wusste ich schnell, dass wir sie niemals einholen würden. Trotzdem war es gut, mit etwas Vorsprung in den Anstieg zu starten", erklärte van Aert und gab dann zu: "Am Anfang der Etappe bin ich schon richtig explodiert. Ich wollte in der Spitzengruppe sein, aber ich hatte nicht die Beine heute."
Dementsprechend fuhr van Aert an der Cote de la Chapelle-Marcousse nur vorne weiter, als van der Poel sich zurückfallen ließ, weil er sicherstellen wollte, dass er mit den Besten aus dem Feld über die Kuppe kommt, um dann Kapitän Vingegaard auf dem Weg ins Ziel noch helfen zu können, falls beispielsweise Tadej Pogacar am letzten Anstieg noch einmal attackieren würde - damit nämlich, ist bei dieser Tour schließlich immer zu rechnen, wenn es bergauf geht.
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Ansagen & Anfeuerung: Die Teamfunk-Highlights der 10. Etappe
Quelle: ASO
Eisels Theorie von der Relais-Station van Aert war also nicht falsch. Nur geplant war das nicht, es ist einfach so passiert, dass sich der Belgier am Hinterrad von van der Poel in der Abfahrt absetzte.
Übrigens: Auch van der Poel wollte in der Abfahrt gar kein Loch reißen, wie schon in der Live-Übertragung deutlich geworden war, als er sich umdrehte und dann den Kopf schüttelte, weil er nicht verstand, warum die anderen nicht an ihm und van Aert dran geblieben waren.
Das Anliegen des Niederländers war eigentlich nur, schnell die Abfahrt herunter zu fahren, um den Abstand zur Spitze zu verkleinern und damit den Druck auf Selbige zu erhöhen. Dadurch nämlich wurde das Rennen schnell gehalten, vorne konnte niemand verschnaufen und die Sprinter im Gruppetto bekamen so ein engeres Zeitlimit gesteckt und mussten ebenfalls mehr investieren. Deren Kraftaufwand wiederum sollte van der Poels Teamkollege Jasper Philipsen am Mittwoch auf der nächsten Sprinter-Etappe helfen.
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Stage 11 profile and route map: Clermont-Ferrand - Moulins
Quelle: Eurosport
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