Tour de France - Vingegaard deklassiert Pogacar im Zeitfahren

Jonas Vingegaard hat Tadej Pogacar im Einzelzeitfahren der 16. Etappe bei der Tour de France in Combloux deutlich in die Schranken gewiesen und um 1:38 Minuten bezwungen. Der dänische Titelverteidiger gewann den Kampf gegen die Uhr und baute seine Führung in der Gesamtwertung damit auch auf 1:48 Minuten gegenüber dem Slowenen (2.) aus. Tagesdritter wurde mit 2:51 Minuten Rückstand Wout van Aert.

Highlights Zeitfahren: Vingegaard schockt die Konkurrenz

Quelle: Eurosport

"Ich habe mich gut gefühlt, das war das beste Zeitfahren, was ich jemals gemacht habe. Ich bin echt stolz auf diesen Sieg", strahlte Vingegaard (Jumbo-Visma) im ersten Sieger-Interview und war auch überwältigt von seinem großen Vorsprung: "Ich dachte nicht, dass ich der Beste bin. Ich habe mich selbst überrascht, traute mir das, was ich heute geleistet habe, nicht zu."
Trotz des nun schlagartig vom Kampf um Sekunden auf 1:48 Minuten angewachsenen Vorsprungs in der Gesamtwertung auf Pogacar (UAE Emirates) wollte sich der dänische Titelverteidiger aber nicht zu früh freuen: "Nein, es ist noch nicht vorbei. Es warten noch einige harte Etappen. Wir müssen weiterkämpfen in den nächsten Tagen und freuen uns darauf."
Im Kampf gegen die Uhr watr der Däne allerdings von Beginn an eine Klasse für sich.
"Ich würde das Zeitfahren in vier Teile einteilen", erklärte der Sieger: "Zuerst war das Flachstück und der Berg. Dort musstest du voll ans Limit gehen und dann in der Abfahrt wieder erholen und ein wenig im Flachen zurückhalten. Der letzte Berg war dann fast Vollgas, mit etwas Reserve für das letzte Stück. Ich bin sehr happy mit dem Sieg, es ist mein erster Zeitfahrsieg in der Tour und auf den bin ich richtig stolz."
picture

Pogacar beinahe eingeholt: Vingegaard überragt im Zeitfahren

Quelle: Eurosport

Tour de France: Adam Yates jetzt Dritter

Hinter Vingegaards Teamkollegen van Aert landeten der Spanier Pello Bilbao (Bahrain Victorious /+2:55 Minuten) und der Brite Simon Yates (Jayco-AlUla /+2:58) sowie der Franzose Rémi Cavagna (Soudal - Quick-Step /+3:06) auf den Plätzen vier bis sechs.
Pogacars Edelhelfer Adam Yates (+3:12) wurde Etappensiebter und schob sich vom vierten auf den dritten Gesamtrang vor. Der Brite rangiert bei 8:52 Minuten Rückstand zum Gelben Trikot von Vingegaard nun fünf Sekunden vor dem Spanier Carlos Rodriguez (Ineos Grenadiers).
Bora-hansgrohe-Kapitän Jai Hindley war als Etappen-24. (+4:37) der mit Abstand Schwächste unter den Top-Ten-Fahrern aus der Gesamtwertung, bleibt 11:15 Minuten hinter Vingegaard aber Gesamtfünfter.
Dagegen schob sich der Österreicher Felix Gall (AG2R-Citroen) als Etappen-13. (+3:40) auf den zehnten Platz im Gesamtklassement vor.

Tour de France: Ciccone baut Führung beim Bergtrikot aus

Während Vingegaard Gelb nicht nur verteidigte, sondern seine Führung auch deutlich ausbaute, bleibt Pogacar im Weißen Trikot als bester Fahrer unter 25 Jahren. Grün trägt weiter Jasper Philipsen (Alpecin-Deceuninck) und die Mannschaftswertung führt weiter Jumbo-Visma an.
Das Bergtrikot behielt Giulio Ciccone (Lidl-Trek). Der Italiener hatte sich im Zeitfahren einzig und allein auf die steilen 2,8 Kilometer an der Cote de Domancy konzentriert, die für die Bergwertung relevant waren, und fuhr auf diesem Abschnitt die Bestzeit.
Dadurch hat er nun 63 Bergpunkte auf dem Konto – fünf mehr als Neilson Powless (EF Education - EasyPost), aber auch nur sechs mehr als Vingegaard.
Am Mittwoch steht bei der Tour de France die auf dem Papier wohl schwerste Etappe an: Die Königsetappe führt über den mit 2.304 Metern höchsten Punkt der Rundfahrt, den Col de la Loze, nach Courchevel.
Anschließend folgen zwei Überführungsetappen für Sprinter und Ausreißer in Richtung Vogesen, wo die Entscheidung über den Tour-Sieg dann in einer weiteren schweren Bergetappe an der Route des Cretes am sogenannten 'Le Markstein' fällt. Die Tour endet am Sonntag mit der obligatorischen Triumphfahrt auf den Champs-Élysées in Paris.

So lief die 16. Etappe der Tour de France:

Während die ersten 40 Starter allesamt mehr als 37 Minuten für den 22,4 Kilometer langen Kurs brauchten, setzte als 42 Mann von der Startrampe Mads Pedersen (Lidl – Trek) in 36:06 Minuten den ersten echten Richtwert. Nur sieben Minuten danach aber kam bereits Remi Cavagna (Soudal – Quick-Step) in 35:42 Minuten ins Ziel und besetzte nun für sehr lange Zeit den Hot Seat des Zeitschnellsten. Ein Konkurrent nach dem anderen scheiterte an der Bestmarke des Franzosen.
Cavagna und Pedersen hatten im Tal am Fluss Arve auf einem fünf Kilometer langen Flachstück auf breiter Straße von Rückenwind profitiert, den später gestartete Fahrer nicht mehr zur Hilfe hatten. Das bekamen auch die Zeitfahr-Asse Stefan Küng (Groupama-FDJ) und Wout van Aert (Jumbo-Visma) zu spüren, die nach sieben Kilometern noch auf Tuchfühlung mit Cavagna waren, am Fuß der Schlusssteigung aber deutlich Boden verloren hatten. Van Aert lag dort sogar bereits 20 Sekunden zurück.
Küng ging nach einem Wechsel aufs Straßenrad dann am Berg ein, aber van Aert hielt dagegen. Der Belgier wechselte – genau wie übrigens Cavagna – nicht aufs Straßenrad, sondern fuhr am Berg mit dem Zeitfahrrad weiter. Damit waren die Beiden bis dahin Außenseiter, denn die meisten Fahrer stiegen unterwegs um. Im Ziel übernahm Van Aert anschließend in 35:27 Minuten die Spitze von Cavagna um 15 Sekunden.
Als dann aber Pogacar und Vingegaard als letzte zwei Starter auf die Strecke gingen, stellten die beiden Top-Favoriten schnell klar: Der Sieg würde nur über sie gehen. Schon am ersten Messpunkt nach 7,1 Kilometern war Pogacar 26 Sekunden schneller als der an dieser Stelle bis dahin noch Schnellste Küng – und knapp zwei Minuten danach unterbot Vingegaard den Slowenen nochmal um 16 Sekunden. An der zweiten Zwischenzeit nach 16 Kilometern führte der Däne sogar bereits um 31 Sekunden vor dem Slowenen, der kurz danach wie geplant vom Zeitfahr- aufs Straßenrad umstieg.
Am Ende der steilen 2,8 Kilometer zur Cote de Domancy wurden aus der halben Minute bereits 65 Sekunden und auf den letzten Metern kam Vingegaard sogar immer näher an den zwei Minuten vor ihm gestarteten Pogacar heran und erreichte den Zielstrich lediglich 22 Sekunden nach ihm, was einen Sieg mit 1:38 Minuten Vorsprung bedeutete.
picture

Stage 17 profile and route map: Saint-Gervais Mont-Blanc - Courchevel

Quelle: Eurosport

Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung