Tour de France - Drei Dinge, die auffielen: Cavendish hat auch ohne 36. Sieg noch ein Ziel, deutsche Chancen schmilzen

Die 16. Etappe der Tour de France hat den erwarteten Massensprint gebracht und Jasper Philipsen seinen dritten Tagessieg ermöglicht. Völlig unerwartet öffnete sich dadurch auch die Tür zum Grünen Trikot wieder einen Spalt weit - die für einen deutschen Tour-Etappensieg schloss sich dagegen weiter. Und: Auch wenn Mark Cavendish den 36. Sieg verpasste, hat er noch ein Ziel. Drei Dinge, die auffielen

Highlights: Alpecin-Teamwork mit Gold nicht aufzuwiegen

Quelle: Eurosport

In Sachen Tagessiege ist Jasper Philipsen (Alpecin-Deceuninck) in Nimes mit Biniam Girmay (Intermarché-Wanty) gleichgezogen. Im Kampf ums Grüne Trikot aber fehlen dem Belgier noch 32 Punkte.
Schien es am Morgen noch unmöglich, so ist ein Wechsel an der Spitze der Punktewertung durch den Sturz des Eritreers doch nochmal denkbar geworden.
Gleichzeitig scheint ein deutscher Etappensieg bei der 111. Frankreich-Rundfahrt immer unwahrscheinlicher zu werden. Und zwar nicht nur, weil Phil Bauhaus (Bahrain Victorious) und Pascal Ackermann (Israel-Premier Tech) weniger endschnell sind, als Philipsen. Das hängt auch mit Girmays Sturz zusammen.
Verpasst hat den Sieg in Nimes auch Mark Cavendish (Astana Qazaqstan). Dem 39-Jährigen ist seit seinem 35. Erfolg in Saint Vulbas und dem damit verbundenen Rekord aber etwas anderes wohl ohnehin wichtiger.
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Philipsen nutzt Sturz von Girmay aus - Bauhaus verpasst Sieg

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Drei Dinge, die auf der 16. Etappe auffielen:

1. Kampf um Grün ist wieder offen - oder?

Genau wie der Kampf ums Gelbe Trikot schien auch der ums Grüne Trikot am zweiten Ruhetag der Tour bereits entschieden. Nur wenn beim Spitzenreiter etwas richtig schiefgeht, könnte er den Platz an der Sonne noch verlieren, hieß es.
Für Biniam Girmay und "Grün" ist genau das nun in Nimes eingetreten. Schon am Zwischensprint, den sein Team mit Vollgas vorbereitete, büßte er vier Punkte auf Jasper Philipsen ein und sein Vorsprung schmolz von 86 Punkten auf 82. Das war noch kein Grund zur Sorge, aber dann krachte es rund 1,5 Kilometer vor dem Etappenziel in einem Kreisverkehr und weil Philipsen kurz darauf als Etappensieger jubelte, trennen die beiden nun nur noch 32 Zähler.
"Der Kampf ums Grüne Trikot ist jetzt offener, als wir zu hoffen gewagt haben. Wir werden die nächsten Tage alles dafür tun, das Trikot in Nizza zu bekommen", gab sich Philipsens Team-Manager Philip Roodhooft anschließend kämpferisch.
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Girmay-Sturz: "Der Fokus muss auf das Wesentliche"

Quelle: Eurosport

Die große Frage ist: Was kann das Team Alpecin-Deceuninck auf den kommenden vier schweren Etappen vor dem Abschlusszeitfahren noch unternehmen? Die Punkte im Kampf gegen die Uhr am Sonntag dürften für Philipsen genauso unerreichbar sein, wie jene in den Etappenzielen auf der 17., 19. und 20. Etappe, die alle mit Bergankünften enden.
Der volle Fokus liegt also auf den Zwischensprints, die je 20 Punkte für den ersten Platz wert sind, aber auch 17 für Rang zwei und 15 für Rang drei. Dort wirklich 32 Punkte gutzumachen, wird schwer, wenn man Girmay nicht vorher jeweils abhängen kann. "Sie werden Manndeckung machen", meinte Eurosport-Experte Bernhard Eisel im Velo Club.
Dazu kommt, dass der Zwischensprint auf Etappe 20 für Philipsen kaum unter den Top 15 erreichbar scheint. Dafür müsste der Belgier mit den Besten über den Col de Braus (2. Kat. / 10 km bei 6,6 %) und den Col de Turini (1. Kat. / 20,7 km bei 5,7 %) kommen - nahezu ausgeschlossen.
Es bleibt also die Wertung in Veynes nach 114,8 leicht ansteigenden Kilometern auf Etappe 17. Bis dahin müsste sein Team dafür sorgen, dass möglichst keine Ausreißer enteilen - oder Philipsen selbst in der Ausreißergruppe sitzen. Auf Etappe 19 am Freitag gilt dasselbe, allerdings ist das "Ziel" da schon nach 21,1 Kilometern in Guillestre erreicht.
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Sprint-Analyse: Gegen Jasper Philipsen sind in Nimes alle chancenlos

Quelle: Eurosport

Das Zünglein an der Waage dürfte Etappe 18 werden, von Gap nach Barcelonnette. Zwei Berge der 3. Kategorie stehen da auf den 60 Kilometern auf dem Programm, bevor bei Kilometer 84,3 um die Punkte gesprintet wird. Schafft es Philipsen da mit der Spitzengruppe herüber, könnte Grün doch noch machbar werden.
"Es ist immer alles möglich, aber Biniam klettert auch sehr gut, daher wird es schwierig", meinte Philipsen selbst am Dienstag in Nimes und betonte, dass er das Trikot auch nicht wegen der Sturzfolgen bei Girmay gewinnen wolle: "Ich hoffe, dass es ihm gut geht, denn er hätte es nicht verdient, auf diese Weise zu verlieren." Seine Chancen auf Grün taxierte der Tagessieger später auf der Pressekonferenz auf "5 Prozent".
Eine erste Entwarnung von Seiten des Eritreers gab es am Dienstagabend schon mal: Es konnten keine Frakturen festgestellt werden, lediglich Blutergüsse an der rechten Schulter, dem Ellenbogen und dem Knie. Außerdem wurde er mit zwei Stichen genäht. Sollte das Girmay am Mittwoch oder Donnerstag behindern, ist aber kaum davon auszugehen, dass Philipsen auf ihn wartet.

2. Die deutschen Siegchancen schmilzen

In schöner Regelmäßigkeit ist bei den acht Sprintankünften dieser Tour de France ein Deutscher in die Top 3 gerauscht, bei jedem einzelnen kam mindestens einer in die Top 6.
Insgesamt zehn Top-6-Ergebnisse haben Pascal Ackermann (Israel-Premier Tech), Phil Bauhaus und Nikias Arndt (beide Bahrain Victorious) in den vergangenen 16 Renntagen eingefahren.
Nach drei dritten Plätzen von Ackermann sorgte Bauhaus nun in Nimes mit Platz zwei für das bislang beste deutsche Ergebnis.
"Ich war bei jedem Sprint in den Top Ten, bei dem ich dabei war. Schön, dass es jetzt auch mal einen Ausreißer nach oben gab mit dem zweiten Platz, damit bin ich sehr glücklich", freute sich Bauhaus über sein Ergebnis. Philipsen zu schlagen war auch aus dessen direktem Windschatten in Nimes einfach nicht möglich. "Er war viel, viel schneller", gab Bauhaus zu.
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Bauhaus Zweiter in Nimes: "Philipsen war viel, viel schneller"

Quelle: Eurosport

Dieses Bild spiegelte sich über die ganze Tour wider: Ackermann und Bauhaus waren in den Massenankünften immer bei den Besten und hatten sich nichts vorzuwerfen. Im Vergleich mit den Allerbesten fehlt eben derzeit einfach ein wenig Endgeschwindigkeit.
So steht unterm Strich aus deutscher Sicht bei dieser Tour leider weiter die Null. Ein Etappensieg, der erste seit Nils Politts Sieg 2021 an selber Stelle in Nimes, ist den deutschen Profis bei der Frankreich-Rundfahrt weiter verwehrt.
Auf den richtig schweren Bergetappen können die Deutschen den Tadej Pogacars und Jonas Vingegaards dieser Welt nicht das Wasser reichen und bei den flachen Massenankünften sind Jasper Philipsen und Biniam Girmay schneller. Bis auf die Leistungen des Eritreers war das alles schon vor Tour-Start zu erwarten.
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Die Alpen rufen: Was geht im Kampf um Gelb in der Schlusswoche noch?

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Die größten Chancen auf einen deutschen Etappensieg hätte es über Fluchtgruppen gegeben - so wie 2021 bei Politt oder auch 2020 beim Sieg von Lennard Kämna in Villard-de-Lans. Doch Ausreißer hatten bei der Tour 2024 bisher wenig zu lachen.
Zwei gute Chancen wären eigentlich die Etappen 17 und 18 am Mittwoch und Donnerstag. Doch am Dienstag haben sich die Aussichten auch dahingehend nicht verbessert. Ackermann, der vor einigen Tagen die 18. Etappe noch als seinen "Plan B" für die Etappenjagd ausgegeben hatte, leidet unter einer Erkältung, die er sich am Wochenende zugezogen hat.
Schon vor dem Start klang er nasal und im Ziel erklärte der 30-Jährige: "Heute Nacht bin ich aufgewacht und dachte, ich könnte gar nicht am Start stehen heute. Ich hatte solche Hustenanfälle und konnte auch nicht mehr einschlafen." Eine Corona-Infektion sei es nicht, gab Ackermann Entwarnung, doch auf der schweren 18. Etappe bräuchte er schon all seine Kräfte, um mit den Besten mitzuhalten. "Ich hoffe, dass es besser wird, weil in diesem Zustand kann ich Etappe 18 vergessen."
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Girmay-Sturz: Kostet das Zimmermann mögliche Ausreißer-Chancen?

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Und Georg Zimmermann, für den die kommenden beiden Tage wie gemacht wären, hat durch den Sturz seines Kapitäns Girmay nun wohl seine Chance auf Attacke zu fahren, eingebüßt. "Wäre der Punkte-Vorsprung komfortabel geblieben, dann hätte ich vielleicht Freiheiten bekommen, aber wenn es knapp wird, hat das Trikot natürlich Priorität", erklärte er "radsport-news.com". Auch am Donnerstag stehen Helferdienste für Girmay auf dem Programm.
Die größten deutschen Hoffnungen auf einen Erfolg bei dieser Tour ruhen daher wohl auf den Schultern von Nico Denz (Red Bull-Bora-hansgrohe) und Routinier Simon Geschke (Cofidis). Der zumindest hat beste Erinnerungen an Barcelonnette, den Zielort von Etappe 18. Genau dort nämlich begann am 22. Juli 2015 der Schlussanstieg hinauf nach Pra Loup, wo Geschke seine erste und einzige Tour-Etappe gewann.

3. Cavendish: Es bleibt bei 35 Siegen, das Ziel heißt Nizza

Der Rekord ist geknackt, aber abgesehen von seinem Sieg in Saint Vulbas ist Mark Cavendish (Astana Qazaqstan) auf keiner anderen Etappe seiner letzten Tour de France mehr in den Top 15 über den Zielstrich gerollt. In Nimes wurde der 39-Jährige als 17. gewertet.
An seiner Bilanz ändert das allerdings nichts mehr: "Wir haben das geschafft, was wir wollten. Wir sind zufrieden, waren erfolgreich, haben eine Etappe gewonnen", sagte Cavendish in Nimes. Und überhaupt wirkte der Mann von der Isle of Man seit dem Erreichen seines magischen 35. Tageserfolgs, der ihn zum alleinigen Rekordhalter der Frankreich-Rundfahrt gemacht hat, völlig gelöst.
Cavendish genießt seine Abschieds-Tournee. Und auch wenn man als Sprint-Spezialist nun sagen könnte: Lasst mich in Ruhe mit den Alpen, mit der 2.800 Meter hohen Cime de la Bonette und allem was an den brutalen fünf Schlusstagen noch wartet! So denkt Cavendish wohl anders.
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Cavendish vor seinem letzten Tour-Sprint: "Wir versuchen es!"

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Für "Manx Missile" geht es nun darum, die Tour zu ehren. Er hat noch ein großes Ziel: Nizza. "Ich will dort ankommen", hatte Cavendish schon vor dem Start der 16. Etappe klipp und klar gesagt und sein Sportlicher Leiter und langjähriger Leadout-Fahrer Mark Renshaw meinte dort in Gruissan sogar: "Jetzt wo er die 35 erreicht hat, ist das nächste Ziel, die Tour zu beenden. Ist es wichtiger als ein weiterer Etappensieg? Ich glaube Mark Cavendish würde sogar sagen, das ist es!"
Cavendish wird alles geben, um in den Alpen zu bestehen und Tag für Tag gerade so im Zeitlimit zu bleiben. Der Brite liebt die Tour de France und hat allergrößten Respekt vor ihr. Diese Liebesgeschichte wird er bis zum allerletzten Kilometer ehren und dabei möglicherweise noch einige sehr dramatische TV-Bilder produzieren, wenn er hinauf nach Isola 2000 und zum Col de Couillole gegen die Karenzzeit fährt - so wie schon am Sonntag am Plateau de Beille.
Dabei wird eines extrem wichtig: Der Pacing-Plan seines Trainers Vasilis Anastopoulos, der exakt berechnet, wie schnell Cavendish an welchem Berg fahren muss, um es rechtzeitig ins Ziel zu schaffen.
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Kurioser Uno-X-Fauxpas: "Das wird der Sportdirektor nie wieder los!"

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De Florence à Nice : le parcours complet du Tour de France 2024

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