Tour de France 2024 - Drei Dinge, die auffielen: Evenepoel siegt auf Ansage und die Big 4 sind in einer eigenen Liga
VonFelix Mattis
Update 05/07/2024 um 23:31 GMT+2 Uhr
Das erste der beiden Zeitfahren bei der Tour de France 2024 hat gebracht, was es versprochen hatte: Den spannenden Vierkampf um Sekunden und das Gelbe Trikot sowie einen Favoritensieg durch den Weltmeister. Remco Evenepoel hat sich mit seinem Sieg auf Ansage aber auch als Nummer zwei hinter Tadej Pogacar bei dieser 111. Frankreich-Rundfahrt empfohlen. Drei Dinge, die auf der 7. Etappe auffielen.
Evenepoel mit Ausrufezeichen im Zeitfahren - Roglic stark
Quelle: Eurosport
Remco Evenepoel (Soudal-Quick-Step) war zwar nicht im Regenbogentrikot unterwegs, hat ihm aber trotzdem im 25,3 Kilometer langen Kampf gegen die Uhr zwischen Nuits-Saint-Georges und Gevrey-Chambertin im Burgund alle Ehre gemacht.
Der Zeitfahr-Weltmeister überstand auch eine Schrecksekunde drei Kilometer vor Schluss, als er Angst bekam, einen Hinterrad-Defekt zu haben, und setzte sich schließlich mit zwölf Sekunden Vorsprung vor dem derzeit bestens aufgelegten Tadej Pogacar (UAE Team Emirates) durch.
Die vier großen Favoriten aufs Podium am Ende der Tour de France in Nizza waren im Zeitfahren eine Klasse für sich. Einzig Stefan Küng (Groupama-FDJ) schien da noch mitmischen zu können - wenn ihn nicht seine Kette gestoppt hätte.
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Drei Dinge, die auf der 7. Etappe auffielen:
1. Evenepoel hat das nötige Selbstbewusstsein
Er war der Favorit, natürlich. Als Zeitfahr-Weltmeister auf einem Parcours, der Zeitfahr-Spezialisten grundsätzlich entgegenkommen sollte, war Remco Evenepoel der Mann, den es im Burgund zu schlagen galt. Und doch beeindruckte der 24-Jährige im Kampf gegen die Uhr.
Denn Evenepoel nahm das Rennen vom ersten Meter an in die Hand, führte bereits am ersten Messpunkt nach 8,6 Kilometern und baute seinen Vorsprung gegenüber Tadej Pogacar anschließend kontinuierlich aus. Einzig in der technisch anspruchsvollen Abfahrt büßte er vier Sekunden ein.
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Evenepoel: "Ich war sicher, ich hätte einen Platten"
Quelle: Eurosport
Vor allem aber ließ sich Evenepoel nicht vom Druck der Favoritenrolle beeindrucken. "Wir haben uns nicht auf die Zeitabstände fürs Gesamtklassement konzentriert. Wir wollten einfach den Etappensieg", sagte er nach dem Rennen. Voller Fokus auf die Zeitfahrleistung an sich, keine Ablenkungen. "Mission erfolgreich abgeschlossen - jetzt konzentrieren wir uns auf morgen und Sonntag."
Was aber bei Evenepoel auch imponiert ist, wie gut er seine Situation scheinbar einschätzen kann. Er ließ sich vom Sieg nicht blenden und zweifelte nicht an der Hackordnung im Bezug aufs Gelbe Trikot von Pogacar. "Tadej ist wohl ziemlich unerreichbar", sagte Evenepoel. Doch dahinter ist auch bei seinem Tour-Debüt schon alles möglich, und das weiß er auch. "Wir konzentrieren uns aufs Podium. Dafür habe ich die Beine."
"Er hat vor der Tour schon gesagt, dass Tadej eigentlich unangreifbar ist und die Tour gewinnen wird. 'Aber dann komm' ich.' Das ist mal ein Statement", zeigte sich auch Eurosport-Experte Bernie Eisel im Velo Club beeindruckt. "Er fühlt sich gut und Selbstvertrauen braucht er keins mehr tanken. Das ist bei ihm gegeben."
2. Big 4 sind in einer eigenen Liga
Der Zeitfahrparcours von Gevrey-Chambertin war keiner für Kletter-Spezialisten. Ja, die erste Hälfte führte viel bergan und die 1,6 Kilometer lange Steigung bei 6,1 Prozent zur Cote de Curtil-Vergy kam ihnen entgegen. Doch insgesamt kam es viel auf Aerodynamik und Speed an.
Zeitfahrspezialisten lag der Kurs eigentlich am besten. Doch am Ende machten die vier großen Tour-Favoriten den Sieg doch ganz allein unter sich aus.
"Man sieht wirklich: Das sind die vier Größten", sagte Eisel. "Mit diesem Gewicht die Zeitfahrspezialisten bei einem etwas flacheren Zeitfahren so zu schlagen, da sieht man einfach das Niveau, das nötig ist, wenn man die Tour de France gewinnen will."
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Analyse zum Zeitfahren: Evenepoel mit enormem Selbstbewusstsein
Quelle: Eurosport
Schon im Vorfeld hatten die Experten vermutet, dass es keine riesigen Abstände im Kampf gegen die Uhr geben würde. Und so richtig große Lücken sind unter den Top 4 auch nicht aufgegangen – auch wenn mehr als eine Sekunde pro Kilometer für Primoz Roglic (Red Bull-Bora-hansgrohe) und Jonas Vingegaard (Visma-Lease a Bike) auch nicht als ganz geringer Verlust zu werten ist.
"Evenepoel und Pogacar sind die Gewinner, klar", meinte Eurosport-Experte Robert Bengsch. "Aber auch der Rückstand von Vingegaard (und Roglic) hat sich in Grenzen gehalten." Pogacar führt im Kampf um Gelb nun 33 Sekunden vor Evenepoel, 1:15 Minuten vor Vingegaard und 1:36 vor Roglic.
Dafür verlor aber Carlos Rodriguez (Ineos Grenadiers) im Zeitfahren 1:27 Minuten und auch Juan Ayuso (UAE Team Emirates / + 1:18) musste seinen vierten Gesamtrang an Roglic abgeben. Ayuso hat nun schon 2:16 Minuten Rückstand aufs Gelbe Trikot und liegt nur noch eine Sekunde vor seinem Teamkollegen Joao Almeida. Rodriguez folgt bei 2:31.
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Roglic: "Lange her, dass ich so eine schwere 7. Etappe gefahren bin"
Quelle: Eurosport
Die Verhältnisse sind also klarer geworden, die 'Big 4' haben sich abgesetzt. "Die anderen wie Rodriguez werden sich schon nochmal einmischen wollen. Aber da müssen sie viel riskieren", blickte Eisel voraus.
Wie aber die Verhältnisse unter den Top 4 tatsächlich sind, das scheint noch nicht wirklich geklärt. Klar: Pogacar wirkt bisher am stärksten, doch die Vermutung, er könne am Ende des Giro-Tour-Doubles schwächer werden, während die Konkurrenz stärker wird, bleibt weiter im Raum stehen.
"Remco war - wie immer - der beste Zeitfahrer im Rennen. Jonas und Primoz waren auch supergut. Alles liegt eng zusammen. Wir müssen die richtigen Bergetappen in den Pyrenäen abwarten", sagte der Slowene selbst.
3. Küng bleibt ein Pechvogel
Einzig ein Mann schien am Freitag in die Sphären der Top 4 auf dem Zeitfahrrad vorstoßen zu können: Stefan Küng auf seiner eigens für ihn und mit ihm entwickelten Zeitfahrmaschine von Wilier. Der Schweizer Zeitfahrmeister führte am ersten Messpunkt, bis die vier Klassement-Asse kamen.
Im zweiten Sektor aber hatte er Pech: Seine Kette viel herunter und verklemmte sich. Küng versuchte sie, weiterrollend, mit der Hand wieder aufzulegen. Das gelang auch, aber der Schweizer Zeitfahrmeister hatte locker 20 Sekunden dabei verloren. "Am Ende des Anstiegs wollte ich vom kleinen auf das große Kettenblatt wechseln und habe dabei ein Loch in der Straße erwischt", beschrieb der 30-Jährige sein Malheur der Luzerner Zeitung.
Am Ende des Tages landete Küng auf dem zehnten Platz, aber zum fünftplatzierten Victor Campenaerts (Lotto-Dstny) fehlten ihm nur acht Sekunden, zu Vingegaard 23 und zu Roglic 26. Beeindruckend war: Nach dem Kettenproblem drehte Küng nochmal so richtig auf, fuhr in der zweiten Rennhälfte die schnellste Zeit von allen. Zwischen dem zweiten Messpunkt am Ende des Berges bei Kilometer 14,4 und dem Ziel war er sechs Sekunden schneller als Roglic, neun als Evenepoel, elf als Pogacar und 23 als Vingegaard.
Gewonnen hätte Küng ohne sein Problem natürlich trotzdem nicht, aber er war ganz klar 'Best of the Rest' an diesem Freitag. "Man kann das beste Bike der Welt haben, aber am Ende des Tages muss alles zusammenkommen. Die bisherigen Tests für die Olympischen Spiele liefen nicht so, wie wir wollten", ärgerte sich Küng.
Denn das war das, worum es für ihn wirklich ging: die Olympia-Vorbereitung fürs flache Zeitfahren in Paris. Dort nämlich will Küng endlich seinen ganz großen Erfolg einfahren, nachdem er große Siege oder auch Medaillen schon so oft knapp verpasste und Pech hatte. Die Generalprobe nun hat leider genau in dieses Bild gepasst.
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Küsschen mitten im Rennen: Bernard feiert Party im Zeitfahren
Quelle: Eurosport
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Quelle: Eurosport
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