Tour de France 2024 - Drei Dinge, die auffielen: "Kannibale" Pogacar bevorzugt Süßigkeiten und Vingegaard jetzt defensiv
VonFelix Mattis
Publiziert 19/07/2024 um 22:28 GMT+2 Uhr
Auf Ansage hat Tadej Pogacar sich auch die 19. Etappe der Tour de France gesichert. Der Mann im Gelben Trikot machte auf der Königsetappe keine Geschenke und fraß alle Ausreißer im Schlussanstieg regelrecht auf. Ein Kannibale sei er aber nicht, scherzte Pogacar anschließend. Am Samstag dürfen wohl erstmals bei einer Tour-Bergankunft 2024 andere jubeln. Drei Dinge, die auffielen.
Highlights: Alpen-Spektakel um "Kannibale" Pogacar
Quelle: Eurosport
Tadej Pogacar war nach seinem Höhentrainingslager im Juni perfekt vorbereitet auf die Bergankunft von Isola 2000 und hat seinen dort erarbeiteten Plan im Rennen perfekt umgesetzt.
So sicherte sich der Slowene seinen vierten Etappensieg bei der 111. Frankreich-Rundfahrt und seinen 15. Tour-Tageserfolg insgesamt. Erstmal soll das reichen, meinte er anschließend. Doch wie lange er seinen Siegeshunger im Zaum hält, weiß niemand.
Der Kampf ums Gelbe Trikot scheint jedenfalls trotz einer weiteren Bergetappe und dem Abschlusszeitfahren schon jetzt entschieden. Die Konkurrenz hat kapituliert.
Drei Dinge, die auf der 19. Etappe auffielen:
1.) Pogacar frisst sich satt - erstmal
Niemand durfte überrascht sein, dass und auch nicht wie Tadej Pogacar sich auf der 19. Etappe über die 2.802 Meter hohe Cime de la Bonette den Tagessieg holte. Schließlich hatte er es angekündigt: "Für mich ist das die Königsetappe und welche Etappe könnte schöner zu gewinnen sein, als die Königsetappe?", sagte er schon am Donnerstag.
Trotz dieser Ankündigung machten sich einige Ausreißer auf dem Weg nach Isola 2000 Hoffnungen – allen voran Matteo Jorgenson von Visma-Lease a Bike. Er fuhr 13,5 Kilometer vor dem Ziel aus der Spitzengruppe weg und hatte auch 3,5 Kilometer später, als Pogacar attackierte, noch rund drei Minuten Vorsprung auf den Slowenen und die Favoritengruppe. Trotzdem holte ihn der Mann in Gelb 1,9 Kilometer vor der Linie ein und ließ ihn sofort stehen.
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Pogacar: "Wir haben das schon im Training hier genau so geplant"
Quelle: Eurosport
Schon beim Giro d'Italia schien Pogacar einfach alles gewinnen zu wollen und nun fehlt ihm nur noch ein Tagessieg, um einen weiteren Rekord von Eddy Merckx zu egalisieren: Der gewann 1970 elf Etappen bei Giro und Tour, Pogacar hat nun zehn. Auf der Pressekonferenz in Isola 2000 wurde er daher gefragt, ob er nun der neue "Kannibal" – Spitzname von Merckx – sei.
"Ein Kannibale? Der ist Menschenfleisch! Ich esse Süßigkeiten im Ziel und Gels und Riegel auf dem Rad", antwortete Pogacar lachend. "Ich weiß natürlich, was sie meinen. Aber lassen Sie uns nicht über Kannibalismus sprechen. Das ist nicht so schön."
Dass er den Sieg in Isola 2000 unbedingt wollte, war schließlich auch verständlich: Pogacar hielt sein Juni-Trainingslager zwischen Giro und Tour hier in der Höhe und erarbeitete sich dort auch einen genauen Plan, wie er den Schlussanstieg fahren wollte. Die Etappe lag ihm also von Beginn an besonders am Herzen. "Ich habe meinen Teamkollegen genau gesagt, wie wir heute fahren wollen, genau bis dahin, wo ich attackiert habe. Es ist 100 Prozent perfekt gelaufen", sagte er.
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Pogacar attackiert - Vingegaard und Evenepoel kapitulieren
Quelle: Eurosport
Und weil seine Teamkollegen den Plan so stark umsetzten und durch den hohen Druck von Visma-Lease a Bike, die zwei Mann in der Spitzengruppe hatten, sehr hart arbeiten mussten, war es für Pogacar auch absolut keine Option, Jorgenson am Ende den Sieg zu überlassen. "Sie haben uns sehr unter Druck gesetzt von Start an. Deshalb wollte ich den Sieg, weil mein Team superstark dafür gearbeitet hat."
Nun, da der Sieg im Trainingsdomizil geschafft und der Vorsprung auf den Gesamtzweiten Jonas Vingegaard auf über fünf Minuten angewachsen ist, dürfte der Hunger auf Sieger-Gummibärchen aber gestillt sein – erstmal.
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Demütigung für Visma: Bezahlte Jorgenson für Team-Sticheleien von 2023?
Quelle: Eurosport
"Ich habe jetzt einen schönen Vorsprung und denke, dass ich die morgige Etappe genießen kann. Wir können Ausreißer wegfahren lassen und es genießen, auf den Straßen zu fahren, auf denen wir trainiert haben", machte Pogacar der Konkurrenz Hoffnung.
Die Frage ist nur, wie lange das Sättigungsgefühl beim 25-Jährigen anhält. Den Merckx-Rekord mit elf Etappensiegen in einem Jahr bei Giro und Tour zumindest einzustellen, das könnte ihn dann doch kitzeln. Im Zeitfahren am Sonntag, das in seiner Wahlheimat Monaco beginnt, dürfte er also wieder alles auf Sieg setzen.
Und, wer weiß, vielleicht gibt er am Samstag ja auch seinen Edelhelfern Joao Almeida und Adam Yates freie Fahrt, um auf Etappenjagd zu gehen? Das würde sicher großes Chaos im Peloton auslösen und für ein umso härteres Rennen sorgen.
2. Vingegaard schaltet auf Verteidigungsmodus
Die Alpen und speziell die dünne Luft an Europas höchstem Pass, der Cime de la Bonette, waren die letzte Hoffnung von Titelverteidiger Jonas Vingegaard und seinem Team Visma-Lease a Bike, den bislang so dominanten Tadej Pogacar doch noch anzugreifen. Schließlich lag in besonders hohen Höhen in den vergangenen Jahren stets der Vorteil des leichteren Vingegaard.
Doch an der Bonette gab sich Pogacar, anders als beim Hungerast vor zwei Jahren am Col du Granon oder bei seiner Herpes-Infektion 2023 am Col de la Loze, keine Blöße – im Gegenteil: Schon bevor die Favoriten ganz oben waren, musste Vingegaard die bittere Pille schlucken: Diese Tour konnte er nicht gewinnen.
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Analyse der 19. Etappe: Vingegaard hat schon vorher resigniert
Quelle: Eurosport
"Wenn ich einen Plan für heute ausgedruckt hätte, hätten wir an der Bonette attackiert. Aber es ist nicht wie auf der Playstation", sagte Vismas Sportlicher Leiter Grischa Niermann nach dem Rennen am Eurosport-Mikrofon. "Jonas hat uns schon dort und nochmal vor dem letzten Anstieg gesagt, dass er nicht die Beine hat und dann haben wir entschieden, dass er defensiv weiterfahren soll."
Genau da, wo man im Vorfeld den Vorteil gegen Pogacar und auch Remco Evenepoel klar auf Vingegaards Seite verordnet hätte, musste sich der Däne schließlich sogar gegen Evenepoel im Kampf um Gesamtrang zwei verteidigen. "Ich bin froh, dass ich auf Remco Evenepoel keine Zeit verloren habe", sagte er nach der Etappe. "Heute war es wichtig, ihm zu folgen, aber morgen könnte es anders sein."
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Ausblick, 20. Etappe: Pogacar-Zurückhaltung - Entsteht jetzt Chaos im Rennen um die Plätze?
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Am Vorsprung von 1:58 Minuten auf den Zeitfahrweltmeister änderte sich am Freitag also nichts, doch der Samstag in den Seealpen wird nochmal ähnlich schwer und Vingegaard muss hoffen, dass er dann wieder bessere Beine hat. Im Abschluss-Zeitfahren am Sonntag brennt Evenepoel nämlich auf den Sieg.
"Ich habe viel ins Basistraining, meine Kapazitäten am Berg und auch in Erholungsmethoden investiert", erzählte Evenepoel nun in Isola 2000. Das klang wie eine versteckte Drohung an Vingegaard.
3.) Das Bergtrikot kann doch auch an Andere gehen
Während der Kampf ums Gelbe, Grüne und Weiße Trikot bei dieser Tour de France entschieden zu sein scheint, hat es in der Bergwertung ums Gepunktete Trikot auf der 19. Etappe doch nochmal einen Führungswechsel gegeben.
Nachdem Tadej Pogacar in den Pyrenäen auf 77 Punkte davongezogen war, dachten viele, dass der Slowene die Sonderwertung wie bei seinen ersten beiden Tour-Siegen 2020 und 2021 quasi im Vorbeigehen auch mitnehmen würde.
Doch so weit, um jeden Preis auch das einst durch den Schokoladenhersteller Chocolat Poulain gesponserte und deshalb mit roten Punkten versehene Bergtrikot erobern zu wollen, geht Pogacars Süßigkeiten-Liebe wohl doch nicht.
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Analyse der 19. Etappe: Vingegaard hat schon vorher resigniert
Quelle: Eurosport
Am Freitag hat Richard Carapaz (EF Education-EasyPost) die Führung in der Sonderwertung übernommen. Nachdem ihn sein Team zu Etappenbeginn mit großem Kraftaufwand in die Spitzengruppe gebracht hatte, überquerte der Ecuadorianer sowohl den Col de Vars als auch die Cime de la Bonette als Erster und sammelte 60 Punkte ein. Damit hat er jetzt 14 Zähler Vorsprung auf Pogacar.
"Das war mein Ziel. Nachdem ich schon in den letzten Tagen in der Gruppe war, war es nicht realistisch auf Tagessieg zu fahren. Die Kraft hatte ich nicht mehr", kommentierte Carapaz, der auf der 4. Etappe einen Tag lang das Gelbe Trikot getragen hatte, in der zweiten Tour-Woche immer wieder vergeblich attackierte, sich dann auf Etappe 17 endlich mit dem Sieg in Superdévoluy belohnte und seitdem nun auch jeden Tag in der Spitzengruppe fuhr.
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Stage 20 profile and route map: Nice - Col de la Couillole
Quelle: Eurosport
Carapaz hat sich das Trikot also redlich verdient. Aber: Um auf Nummer sicher zu gehen, muss er auch am Samstag nochmal in die Gruppe und noch ein paar Punkte sammeln. Gewinnt er den Kategorie-2-Bergpreis nach 24,7 Kilometern am Col de Braus, so dürfte er das bei den Fans so beliebte Leibchen sicher haben.
Denn selbst wenn Pogacar die Etappe am Col de la Couillole entgegen seiner Ankündigung doch gewinnen sollte und auch die fünf Punkte für die schnellste erste Zwischenzeit hinauf nach La Turbie im Abschlusszeitfahren hinlegen sollte, käme der Slowene dann nur noch auf 15 Zähler.
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De Florence à Nice : le parcours complet du Tour de France 2024
Quelle: Eurosport
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