Tour de France 2024 - Drei Dinge, die auffielen: Raser-Etappe nach Pau, ein starker Ackermann und schwache Red Bulls
VonFelix Mattis
Publiziert 12/07/2024 um 22:44 GMT+2 Uhr
Geendet hat die 13. Etappe der Tour de France 2024 so, wie man es erwartet hatte: mit einer Sprintankunft. Doch was auf dem Weg von Agen nach Pau in den drei Stunden, 23 Minuten und neun Sekunden zuvor geschah, war verrückt - alles andere als ein Warm-up fürs Pyrenäen-Wochenende. Stark präsentierte sich Pascal Ackermann, Red Bull dagegen befand sich in Schockstarre. Drei Dinge, die auffielen.
Highlights: Wirbel auf der Windkante und hektisches Finale
Quelle: Eurosport
Wenn nicht Biniam Girmay, dann ist Jasper Philipsen der Stärkste auf den Flachetappen dieser Tour de France. Das hat der Belgier mit seinem Etappensieg in Pau nun nochmal unterstrichen.
Doch auch ein Deutscher gehört bei der 111. Frankreich-Rundfahrt zu den schnellsten und vor allem den stärksten Fahrern: Pascal Ackermann. Der 30-Jährige holte zum dritten Mal Platz drei in den vergangenen vier Tagen und es fehlt ihm wohl nur an einem: etwas mehr Endgeschwindigkeit.
Dem deutschen Team Red Bull-Bora-hansgrohe fehlte am 13. Renntag der Tour aber noch etwas Gravierenderes: Primoz Roglic. Irgendwie planlos wirkten die Mannen von Sportdirektor Rolf Aldag nach dem Aus des Kapitäns. Das dürfte sich aber am Samstag wieder ändern.
Am meisten stach am Freitag aber der Rennverlauf an sich ins Auge.
- Gesamtwertung + Trikots: So steht's im Kampf ums Gelbe Trikot
- Ergebnis + Ticker: So lief die 13. Etappe
Drei Dinge, die auf der 13. Etappe auffielen:
1. Windkanten-Vollgas statt Kräftesammeln vor den Pyrenäen
Wer die 12. Etappe schon schnell fand, der wird am Freitag mit den Ohren geschlackert haben: 48,8 km/h fuhr das Peloton zwischen Agen und Pau im Schnitt! Man musste sich fragen: Spinnt ihr? Morgen und übermorgen wird's doch hart genug!
"Ich hatte über 300 Watt im Schnitt - das war kein Tag zum locker werden für die Berge", meinte der Etappen-13. John Degenkolb (dsm-firmenich-PostNL) im Ziel zu "radsport-news.com" und der Tagesdritte Pascal Ackermann (Israel-Premier Tech) fügte hinzu: "Das war ein reines Ausscheidungsrennen und kein richtiger Massensprint am Ende."
Auch wenn in Pau schließlich die Top-Sprinter den Sieg unter sich ausmachten und sich das Ergebnis an der Spitze las, wie bei einer ruhigen Flachetappe mit Sprint Royal - Philipsen vor van Aert, Ackermann und Girmay - so machten ein paar weitere Namen in den Top 10 klar, dass es ein spezieller Tag war: Nikias Arndt Fünfter, Jasper Stuyven Sechster, Tadej Pogacar Neunter.
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Philipsen zieht's durch - Crash im Finale sorgt für Schrecksekunde
Quelle: Eurosport
Anstatt sich vor den beiden schweren Pyrenäen-Etappen mit Bergankünften am Pla d'Adet und am Plateau de Beille etwas zu schonen und Kraft zu sparen, machte das Peloton von Beginn an Rambazamba. Kurz nach dem Start löste sich eine rund 20-köpfige Gruppe, in die sich der Gesamtsiebte Adam Yates (UAE Team Emirates) hineingeschlichen hatte.
Das gefiel den anderen Klassement-Teams nicht und sie jagten lange Zeit hinterher. Aber auch Jayco-AlUla verpasste den Zug und fuhr deshalb im Feld sofort Vollgas. "Wir hatten nicht erwartet, dass so eine große Gruppe rausfahren würde und waren eigentlich auf einen flachen Sprint mit Dylan (Groenewegen) eingestellt", gab Michael Matthews im Ziel gegenüber Eurosport zu.
Mehrere Teams wollten die Situation also reparieren, und dann zündete nach knapp 30 Kilometern auch noch Visma-Lease a Bike ein Feuer an, als Wout van Aert, Jonas Vingegaard, Mateo Jorgenson, Christophe Laporte und Co. eine Windkantenattacke starteten. Zwar waren Tadej Pogacar und Remco Evenepoel auf der Hut und fuhren im kleinen Grüppchen sofort mit, doch von da an ging im Feld die Angst um.
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Windkante! Vingegaard greift an, aber Pogacar passt auf
Quelle: Eurosport
"Durch den Wind wäre es auf alle Fälle ein harter Tag geworden, egal ob man es versucht oder nicht. Also dachten wir, wir können es auch einfach probieren", gab sich Jorgenson unschuldig.
Später im Rennen riss das Feld dann 60 Kilometer vor Schluss nochmal so richtig und von da an ging es bis ins Ziel nur noch Vollgas weiter - mit einigen Attacken auch an den Hügeln auf den letzten 45 Kilometern vor Pau. "Es war extrem stressig. Man kann froh sein, kein GC-Fahrer zu sein, weil man sonst ständig Angst haben muss, die Tour zu verlieren", meinte Tobias Halland Johannessen (Uno-X Mobility), der im Finale einer der späten Angreifer war und ergänzte: "Glücklicherweise haben wir nichts zu verlieren."
Nichts zu verlieren, außer Kraft. Und ob davon am Freitag zu viel verschleudert wurde, das muss am Wochenende an den Pyrenäen-Pässen dann jeder der noch 159 Fahrer im Peloton für sich selbst entscheiden. Als Zuschauer jedenfalls durfte man sich freuen über die Spinner, die diese Rennfahrer sind! So machen Flachetappen doch viel mehr Spaß, als das Dahingerolle auf Etappe 10.
2. Ackermann kann auf den Mistral hoffen
Pascal Ackermann fährt eine großartige erste Tour de France. Nach jahrelangem Warten durfte der 30-Jährige diesmal endlich sein Debüt bei der Frankreich-Rundfahrt geben und am Ende der zweiten Tour-Woche hat er mehr auf der Habenseite, als wohl irgendwer erwartet hätte:
15., 6., 9., 4., 3., 3. und nochmal 3. wurde er bei den sieben Sprintankünften bisher. "Wenn mir das vorher jemand erzählt hätte - gerade nach den letzten drei Jahren - dann hätte ich wahrscheinlich gelacht", gab der Südpfälzer in Pau zu.
Denn auch wenn Ackermann 2019 die Punktewertung und zwei Etappen des Giro d'Italia gewann, gilt er schon länger nicht mehr als einer der Allerschnellsten im Peloton. Wenn alles zusammenkommt, kann er auch in Massensprints gewinnen, doch gegen Männer wie Jasper Philipsen, Dylan Groenewegen und Co. fehlt ihm "ein paar schnellzuckende Muskeln", wie Eurosport-Experte Bernhard Eisel es im Velo Club erklärte.
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Drei Mal Dritter: Ackermann fehlen "nur ein paar schnellzuckende Muskeln"
Quelle: Eurosport
Doch Ackermann ist, und das hat er bei dieser Tour, bei der er so glücklich und befreit auffährt, wie schon seit Ewigkeiten nicht mehr, eben weit mehr als "nur" ein Sprinter. Schon auf der schwer profilierten Schotteretappe von Troyes am Sonntag fuhr er hellwach, positionierte sich großartig und hielt so mit den Besten mit. Als beispielsweise Tadej Pogacar dort auf dem letzten Schottersektor nochmal angriff, war Ackermann hinter Jonas Vingegaard der zweite Mann, der dem Gelben Trikot folgen konnte.
Und auch im Seitenwind der 13. Etappe zeigte er diese Aufmerksamkeit und Power erneut, als schon nach knapp 30 Kilometern Visma-Lease a Bike eine Windstaffel eröffnete und sich eine nur rund zehnköpfige Favoritengruppe mit Pogacar, Remco Evenepoel, Vingegaard und dessen Helfern.
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Highlights: Wirbel auf der Windkante und hektisches Finale
Quelle: Eurosport
Genau diese offensive Fahrweise liebt Ackermann schon immer. Und genau deshalb darf man nun sehr gespannt sein, was nächsten Dienstag passiert, auf der letzten Flachetappe der Tour von Gruissan nach Nimes. Endet sie in einem Massensprint, wird Ackermann sicher wieder bei den Besten sein. "Ich konnte zeigen, dass ich wieder in der Weltspitze angekommen bin", meinte er am Freitag auch im Bezug auf seine Sprintfähigkeiten.
Doch noch viel besser wäre es für den 30-Jährigen, wenn der Mistral bläst. So heißt der "Fallwind", der oft das Rhonetal in Richtung Mittelmeer hinunterfegt, könnte die 16. Etappe nämlich zum nächsten Windkantenspektakel direkt nach dem zweiten Ruhetag machen. Und wenn dadurch das Peloton wieder in seine Einzelteile zerfliegt, wäre Ackermann sicher ein guter Siegtipp. "Ohne Etappensieg fahre ich nicht nach Hause", hatte er vor dem Tour-Start angekündigt. Und vielleicht muss er das ja auch wirklich nicht tun.
Und wenn es in Nimes nicht klappt? Dann reist Ackermann auch nicht vor den bergigen Schlussetappen ab. Seine erste Tour wird er auch zu Ende fahren wollen und außerdem kündigte er in Pau auch schon an: "Ich habe mir auch noch eine Etappe zum Testen herausgesucht, das wäre mein Plan B - Etappe 18." Die führt am Donnerstag von Gap durch die Alpen nach Barcelonnette über fünf Kategorie-3-Anstiege und sollte an eine Ausreißergruppe gehen. Ein reiner Sprinter ist Ackermann eben nicht.
3. Red Bull in Schockstarre
Während Ackermann auf Rang drei und Nikias Arndt auf Rang fünf sprinteten, war das deutsche Team bei dieser Tour de France am Freitag auf dem Weg nach Pau völlig von der Rolle. In den Stunden nach dem Tour-Aus von Kapitän Primoz Roglic fuhr dessen Mannschaft Red Bull-Bora-hansgrohe ziemlich planlos durch Frankreich.
"Wir hatten keinen echten Plan für die Etappe ohne Primoz. Es gab eine gewisse Ziellosigkeit", gab anschließend auch Sportdirektor Rolf Aldag gegenüber "radsport-news.com" zu. Seine Mannen verpassten die 21-köpfige erste Spitzengruppe komplett und waren dann auch 60 Kilometer vor dem Ziel nicht im 43-köpfigen ersten Fahrerfeld dabei, als UAE und Visma das Rennen an der Windkante zerbrachen.
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Nach Tour-Aus: Wie geht's weiter für Roglic und das Red-Bull-Team?
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Jai Hindley, Danny van Poppel und Marco Haller schafften es zwar mit dem zweiten Feld später nochmal nach vorne, doch die Hoffnung, dass der Niederländer van Poppel seine neue Freiheit für ein Top-10-Ergebnis im Sprint würde nutzen können, zerschellte dann in den Hügeln vor Pau, als er gemeinsam mit Dylan Groenewegen wieder zurückfiel. Einzig Hindley schaffte es schließlich im ersten Feld ins Ziel. Nur Astana Qazaqstan, das inzwischen aber auch nur noch zu viert im Rennen ist, hatte genauso wenig Fahrer vorne dabei.
Doch das heißt nicht, dass es bei den Raublingern nun auch so weitergehen muss. Nachdem der erste Schock über das Roglic-Aus verdaut ist, dürfte man Red Bull-Bora-hansgrohe schon am Samstag auf dem Weg in die Pyrenäen ganz anders erleben. "Der Plan ist jetzt, offensiv zu fahren", kündigte Aldag an. "Wir werden es auch mit Jai Hindley versuchen. Im Eins-gegen-Eins gegen die ganz Großen hat er (am Berg) wohl keine Chance, aber er hat letztes Jahr eine Etappe aus einer Gruppe heraus gewonnen. Wenn sie (die Teams von Pogacar und Vingegaard) es zulassen, ist das natürlich eine Option."
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Ausblick auf Pyrenäen-Etappen: Favoriten-Fights und Ausreißer-Chancen
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2023 entschied Hindley eine ganz ähnlich gelagerte Etappe für sich: Auch damals ging es in Pau los und auf den ersten 70 Kilometern stetig leicht ansteigend in Richtung Gebirge. Hindley sprang in die große Ausreißergruppe über den Col du Soudet und war dort dann am Col de Marie Blanque zum Etappenende der Stärkste. Er stürmte zum Tagessieg und ins Gelbe Trikot. Am Samstag nun geht es von Pau wieder 70 Kilometer leicht ansteigend bis an den Fuß des ersten Ehrenkategorie-Berges, dem Col du Tourmalet. Gelb wird er am Ende der 14. Etappe diesmal nicht tragen, doch ein Etappensieg würde seinem Team sicher mehr als nur reichen.
Allerdings kommt es auf der 14. Etappe wohl sehr auf die Wünsche der Spitzenteams an: Wollen UAE mit Pogacar oder Visma mit Vingegaard die Etappe gewinnen und jagen daher von Beginn an den Ausreißern nach, dürfte Hindley keine Chance haben. Andernfalls aber sollte er unbedingt in der Gruppe sein. "Wir müssen es probieren", so Aldag. Und wenn es nicht klappt, dann bietet die Schlusswoche noch ein paar mehr Chancen für Ausreißversuche, nicht nur für den Kletterer aus Australien.
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‘Jonas…’ - Embarrassing moment as Pogacar’s rival name read out on podium
Quelle: Eurosport
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