Tour de France 2024 - Fünf Szenarien, wie Jonas Vingegaard, Tadej Pogacar und Co. die letzte Woche spektakulär gestalten

Der höchste mit dem Rennrad befahrbare Pass der Alpen, ein Zeitfahren zum Abschluss, viele Attacken, Chancen für die Ausreißer und vieles mehr - die letzte Woche der 111. Tour de France bietet enorm viel. Obwohl Tadej Pogacar mit seinem Sieg auf der 15. Etappe eine Vorentscheidung im Kampf um den Gesamtsieg herbeigeführt haben könnte, ist bei dieser Frankreich-Rundfahrt noch vieles möglich.

"Sieht sehr gut aus": Pogacar nach Machtdemonstration zufrieden

Quelle: Eurosport

3:08 Minuten Vorsprung hat der UAE-Emirates-Kapitän Tadej Pogacar auf Jonas Vingegaard, 5:19 Minuten auf Remco Evenepoel - ist diese Tour schon entschieden? Nicht so schnell. Im vergangenen Jahr trennten die beiden Topfahrer zehn Sekunden am zweiten Ruhetag. In Paris hatte der Däne einen Vorsprung von 7:29 Minuten auf Pogacar.
Auch wenn es für den Slowenen aktuell sehr gut ausschaut, gerade in der abschließenden Woche kann viel passieren. Auch abseits der Gesamtwertung. Fünf Dinge, auf die sich Fans für die nächsten sechs Etappen freuen können.

Alles-oder-Nichts-Attacken

Vingegaard oder Evenepoel könnten sich eine der drei sehr anspruchsvollen Alpen-Etappen heraussuchen für eine Attacke, die entweder Glanz und Gloria bringt - oder nach hinten losgeht.
2011 nahm sich der Luxemburger Andy Schleck die 18. Etappe vor. Drei Pässe standen auf dem Programm: der 2744 Meter hohe Col d'Agnel, der 2360 Meter hohe Col d'Izoard und das Ziel auf dem 2642 Meter hohen Col du Galibier.
Am Izoard, 60 Kilometer vor dem Ziel, attackierte Schleck aus der Gruppe der Favoriten. Er holte die Spitzengruppe ein und fuhr einen immer größeren Vorsprung heraus. Erst wenige Kilometer vor dem Ziel ließ er etwas nach, trotzdem holte er mehr als zwei Minuten Vorsprung heraus. Ein legendärer Etappensieg an einem der größten Anstiege des Radsports.
Die 19. Etappe 2024 ist jenem Teilstück von damals nicht unähnlich - aber sie führt noch höher hinaus: bis auf 2802 Meter geht es an der Cime de la Bonette. 60 Kilometer sind es von der Bergwertung noch ins Ziel in Isola 2000.
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Das Profil der 19. Etappe der Tour de France.

Fotocredit: ASO

Hohe Berge - lange Abfahrten

Zweimal geriet Tadej Pogacar in den vergangenen beiden Jahren in ernsthafte Schwierigkeiten. Beide Male ging es weit über die 2000-Meter-Marke hinaus. 2022 verlor er fast drei Minuten gegen Vingegaard am 2404 Meter hohen Col du Granon.
2023 wurde ihm der 2300 Meter hohe Col de la Loze zum Verhängnis. Fünf Minuten kam er, damals krank, hinter dem Dänen ins Ziel. Wenn für die Konkurrenz noch was gehen kann, dann wohl in luftigen Höhen - die im Rahmen der 19. Etappe erreicht werden.
Wo es hoch hinausgeht, geht es meistens auch lange bergab. Abfahrten wurden unter anderem am Galibier bei dieser Grande Boucle zum Faktor, als Pogacar seinen Vorsprung auf Vingegaard auf mehr als 30 Sekunden ausbaute - allerdings vorwiegend im flacheren Drückerteil am Ende, als im technischen und steileren Teil oben. Vingegaard ist keineswegs der schlechtere Abfahrer.
Vincenzo Nibali war ein Fahrertyp, der Etappen und Rundfahrten mit seinen technischen Fähigkeiten entscheiden konnte. Evenepoel hat diese Fähigkeiten nicht unbedingt, doch vielleicht zeigt ein Abfahrts-Ass seine Qualitäten, um in den Alpen zumindest einen Etappensieg einzufahren - so wie Tom Pidcock vor zwei Jahren am Galibier auf dem Weg nach L'Alpe d'Huez oder sein Teamkollege Carlos Rodriguez 2023 hinunter vom Col de Joux Plane nach Morzine.

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Kein Vorwurf an Vingegaard und Visma: "Sie haben alles probiert"

Quelle: Eurosport

Der unberechenbare Faktor Wind

Die erste Etappe nach dem Ruhetag sieht auf dem Papier wie eine "einfache" Etappe für die Sprinter aus. Diese Tour de France hat uns gelehrt, dass es keine Erholung bei der Grande Boucle gibt.
Schon die 13. Etappe vor den Pyrenäen wurde von Windstaffeln durcheinandergebracht - und extrem schnell gefahren. Das 189 Kilometer lange Teilstück von Gruissan nach Nimes führt in nordöstlicher Richtung parallel zur Mittelmeer-Küste und ins Rhone-Tal.
Sowohl der Wind vom Meer als auch der Mistral könnten das Gesamtklassement durcheinanderwirbeln. Pogacar verlor 2020 an der Windkante 1:21 Minuten auf die Mitfavoriten um den Tour-Sieg. Die Rundfahrt gewann er trotzdem sensationell am vorletzten Tag, einem Einzelzeitfahren zur Planche des Belles Filles.

Chancen für die Ausreißer

Die Tour 2024 bot bisher wenige Gelegenheiten für Etappenjäger. Romain Bardet sorgte gleich zu Beginn in Rimini für einen emotionalen Höhepunkt für die Franzosen. Tags darauf tat es ihm sein Landsmann Kevin Vauquelin gleich.
Danach wurden die Etappen entweder im Sprint einer großen Gruppe oder von einem der Top-Favoriten auf den Gesamtsieg gewonnen. Einzige Ausnahme: die Gravel-Etappe um Troyes, die Anthony Turgis für sich entschied.
Wenn Ausreißer gewinnen können, dann scheinen sie bei dieser Rundfahrt Franzosen sein zu müssen. Doch es gibt eine Reihe von Kandidaten, die einen Tour-Etappensieg noch ganz oben auf ihrer Liste haben: Mathieu van der Poel konnte dem Rennen noch nicht seinen Stempel aufdrücken, Wout van Aert war bisher zweimal Zweiter.
Der Rennverlauf mit der scheinbar entschiedenen Gesamtwertung könnte Ausreißergruppen begünstigen - das ist auch eine Chance für das deutsche Team Red Bull-Bora-hansgrohe. In den Pyrenäen versuchten sie es in Mannschaftsstärke vergeblich. Es bleiben sechs weitere Gelegenheiten, um diese Tour nach dem Aus von Primoz Roglic versöhnlich zu beenden.
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Red Bull-Bora meldet sich zurück: "Es war ihnen nicht vergönnt"

Quelle: Eurosport

Die Aussichten der deutschen Fahrer

Der letzte deutsche Etappensieg bei der Frankreich-Rundfahrt liegt schon drei Jahre zurück. Damals gewann Nils Politt in Nimes - dem Zielort der 16. Etappe am Dienstag.
Es ist unwahrscheinlich, dass der UAE-Fahrer an einem der nächsten Tage auf eigene Rechnung fahren wird - zu wertvoll sind seine Dienste für Kapitän Pogacar.
Andere Deutsche waren schon näher dran an einem Tagessieg. Pascal Ackermann wurde dreimal Dritter im Sprint - seine beste Chance dürfte die 16. Etappe sein. Doch der Mann von Israel-PremierTech hat schon vor Tagen noch eine weitere Möglichkeit für sich selbst ins Spiel gebracht: die ziemlich hügelige 18. Etappe.
Dort will es der Sprinter auf jeden Fall auch versuchen, möglicherweise sogar in einer Fluchtgruppe. Auch Simon Geschke, Georg Zimmermann, Nikias Arndt oder Nico Denz könnten noch auf eine Fluchtgruppe setzen und Phil Bauhaus wird im vermutlich letzten Sprint nach Nimes seine Chance suchen.
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Corona-Welle: Was macht die Tour? "Es geht nicht nur um Covid"

Quelle: Eurosport


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De Florence à Nice : le parcours complet du Tour de France 2024

Quelle: Eurosport


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