Tour de France 2025 - Brutales Zentralmassiv: "Den ganzen Tag Feuerwerk" mit Pogacar, Vingegaard, Lipowitz und Co.?
VonFelix Mattis
Publiziert 13/07/2025 um 23:26 GMT+2 Uhr
Mit der 10. Etappe kommt am Nationalfeiertag der Franzosen ein wahres Spektakel auf die Tour de France zu. Nach neun bereits hektischen, chaotischen und schweren Tagen in Nordfrankreich geht es nun erstmals in die Berge. Das Zentralmassiv hält ein Teilstück mit 4.450 Höhenmetern parat, das sich vor keiner Alpen- oder Pyrenäenetappe verstecken muss. Erwartet wird "den ganzen Tag Feuerwerk".
Expertenvorschau zur 10. Etappe: "Die Karten müssen auf den Tisch"
Quelle: Eurosport
Nach zwei Massensprints am Wochenende dauert es in diesem Jahr noch einen Tag länger, bis es in den verdienten Ruhetag geht. Der Grund? Am Montag ist Nationalfeiertag in Frankreich, und an dem findet immer eine Tour-Etappe statt. Meistens eine, die Spektakel garantiert.
2024 war es die Bergankunft am Plateau de Beille, 2023 die am Grand Colombier und 2022 ging es am 14. Juli hinauf nach L'Alpe d'Huez.
Diesmal führt die ASO das Peloton weder in die Pyrenäen noch in die Alpen für den Tag, an dem sich der Sturm auf die Bastille zum 236. Mal jährt, sondern ins "Massif Central", das Mittelgebirge im Herzen des Landes. Und auch wenn die Berge dort weniger hoch und die Passstraßen weniger lang sind, so wird diese 10. Etappe kaum weniger schwer, als ein Teilstück im Hochgebirge:
Acht Bergwertungen – sieben davon gehören zur 2. Kategorie – sind zu erklimmen, es geht vorbei an Clermont-Ferrand und dem Puy de Dome ständig hoch und runter. Kaum ein Meter auf dem Weg zur 3,3 Kilometer langen und 8 Prozent steilen Schlussrampe vom Ort Le Mont-Dore zur Skistation am Puy de Sancy ist flach und die kategorisierten Anstiege alle etwas länger, als bisher bei dieser Tour – beispielsweise ist der zehn Kilometer vor Schluss zu überquerende Col de la Croix Saint-Robert als Abschlussrampe in Richtung Finale 5,1 Kilometer lang und 6,4 Prozent steil.
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Das Profil der 10. Etappe der Tour de France 2025
Fotocredit: Eurosport
"Die Anstiege sind deutlich länger, als bisher. Da waren es eher so vier, fünf Minuten bergauf, jetzt eher zehn bis 15", erklärte Eurosport-Experte Simon Geschke am Sonntag im Velo Club.
Spielfeld für Schlagabtausch um Gelb ist bereitet
Insgesamt stehen den Fahrern 4.450 Höhenmeter im Weg. Auch in den Alpen oder den Pyrenäen sind es selten mehr auf einer Distanz von 165 Kilometern. Dazu kommt, wie Geschke sagte:
"Der Asphalt ist sehr rau und die Straßen sind klein – es geht ständig auf und ab. Diese kürzeren Anstiege im Vergleich zu den Alpen sorgen meist für die chaotischeren Etappen!" Dem pflichtete auch John Degenkolb bei seinem Besuch im Velo Club zu Tour-Beginn bereits bei: "Nichts ist ekliger als das Massif Central", meinte er.
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Degenkolb über Tour-Kurs: "Massif Central ist absolut das Ekligste"
Quelle: Eurosport
Das Spielfeld für einen echten Schlagabtausch in Sachen Gesamtwertung scheint bereitet – und möglicherweise wird es zwei Rennen in einem geben. Denn auch viele Ausreißer rechnen sich Chancen an diesem Tag aus, zumal auch das Bergtrikot auf der Straße liegt. Bislang führt Tim Wellens (UAE-Emirates-XRG) die Sonderwertung um das Gepunktete Trikot mit acht Zählern an, doch an jedem der sieben Kategorie-2-Berge gibt es fünf, drei, zwei und einen Punkt für die vier Ersten.
Pogacar hält sich bedeckt: "Müssen im Rennen schauen"
"Ich bin hier, um Tadej zu helfen und werde morgen viel an der Spitze des Hauptfeldes fahren. Das Trikot wird wohl jemand anderes übernehmen", meinte Wellens und sein Kapitän Tadej Pogacar erwartet vor allem die Franzosen am 14. Juli in der Offensive. "Es wird sehr schwer zu kontrollieren sein", so der Slowene, der sich ob seiner eigenen Herangehensweise aber nicht in die Karten schauen lassen wollte: "Wir müssen im Rennen schauen, wie es läuft."
Pogacars Teamchef Mauro Gianetti ist ohnehin der Meinung, dass es "erstmal an den anderen ist, zu attackieren". Die Anderen, damit ist wohl vor allem das Team Visma-Lease a Bike um Herausforderer Jonas Vingegaard gemeint, der durch sein schwaches Einzelzeitfahren in den verbleibenden zwei Tour-Wochen 1:17 Minuten aufs Gelbe Trikot aufholen muss.
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Wahnsinns-Flucht von Alpecin: Van der Poel bringt Rickaert aufs Podium
Quelle: Eurosport
Doch auch dessen Sportlicher Leiter ließ sich nichts entlocken: "Es wird ein schwerer Tag, aber nicht entscheidend. Es kommen ja noch zwei Wochen", meinte er und brachte die weiterhin große Hitze in Frankreich mit über 30 Grad auch im Zentralmassiv ins Spiel.
Geschke: "Bin sehr gespannt, was Visma macht"
Geschke glaubt zwar nicht, dass Pogacar und Vingegaard sich im Normalfall am Ende der Etappe Zeit abnehmen werden, weil sie derzeit sehr auf Augenhöhe seien. Der Eurosport-Experte erwartet aber trotzdem Offensive auch bei den absoluten Topstars: "Ich bin sehr gespannt, was Visma dort macht. Die haben bisher überhaupt nicht abgewartet und sobald sie jemand losfahren lassen können, werden sie es probieren", sagte er. "Morgen werden beide die Karten auf den Tisch legen müssen."
Spannend wird das auch, weil man bei UAE durch das Aus von Edelhelfer Joao Almeida etwas umdisponieren muss. Möglich, dass Visma diese Unsicherheit sofort auszunutzen versucht.
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Nach Almeida-Aus: Die Berghelfer der Tour-Favoriten im Fokus
Quelle: Eurosport
Für Geschke wird es vor allem aber spannend sein, zu beobachten, wie es um die anderen Klassementfahrer bestellt ist – auch rund um das Red-Bull-Bora-hansgrohe-Duo Primoz Roglic und Florian Lipowitz. "Bei ihnen wird man dort sehen, auf wen man tatsächlich setzen kann", überlegte er und meinte insgesamt: "Danach werden viele Fahrer wissen, ob sie noch Top-5- oder Top-10-Kandidaten sind. Und auch Fahrer, die schon Rückstand haben, können sich als Ausreißer zurück ins Spiel bringen – beispielsweise für Guillaume Martin oder Emanuel Buchmann ist das eine schöne Chance!"
Evenepoel: "Man sollte alles erwarten"
Und vor allem sei das Zentralmassiv ein Terrain, auf dem ein schlechter Tag sehr teuer wird: "Da verliert man nicht nur 20 Sekunden, sondern Minuten", meinte Geschke. Und gerade um das herauszufinden, wer gut drauf ist und wer nicht, wird hart gefahren werden. "Am Tag vor dem Ruhetag werden alle nochmal auf Teufel komm rausfahren", so der Freiburger.
Remco Evenepoel stimmte ihm da zu: "Ich erwarte den ganzen Tag Feuerwerk", sagte er am Eurosport-Mikrofon nach der 9. Etappe in Chateauroux. "Es wird wirklich explosiv und könnte wohl auch Überraschungen geben. Man sollte alles erwarten morgen – Ausreißversuche, GC-Fight, alles wird dabei sein. Ein toller 14. Juli für die Franzosen!"
Die Einzigen, die wohl alles andere als einen tollen 14. Juli erleben werden, sind auf dieser Etappe die Sprinter. Da es schon direkt nach dem Start in Ennezat in die erste Kategorie-2-Steigung hinauf nach Loubeyrat (4,1 km bei 6,3%) geht, dürften einige der Schwergewichte sofort abgehängt werden. "Für sie wird es ätzend und auch in Sachen Zeitlimit gefährlich", vermutete Geschke.
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Tour-Strecke, 10. Etappe: Erster Härtetest in den Bergen
Quelle: Eurosport
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