Drei Dinge, die auf der 6. Etappe der Tour de France auffielen: Visma durchkreuzt fast Pogacars Plan fürs Gelbe Trikot
VonFelix Mattis
Update 11/07/2025 um 10:29 GMT+2 Uhr
Die 6. Etappe der Tour de France durch die Hügel der Normandie ist zum Tag für die Ausreißer geworden - ganz nach dem Wunsch von Tadej Pogacar. Doch am Ende wäre dessen Plan, das Gelbe Trikot an Mathieu van der Poel abzugeben, beinahe noch schiefgegangen, weil Visma etwas dagegen hatte. Den Sieg errang Ben Healy, nachdem er aus Fehlern aus dem Vorjahr gelernt hat. Drei Dinge, die auffielen.
Highlights: Happy End für van der Poel im Gelb-Thriller
Quelle: Eurosport
Der Ire Ben Healy war aus der achtköpfigen Ausreißergruppe des Tages heraus klar der Stärkste und sicherte sich zwei Jahre nach seinem ersten Grand-Tour-Etappensieg beim Giro d'Italia auch seinen ersten bei der Tour de France.
Mathieu van der Poel war zwar auch Teil der Spitzengruppe um Healy, konnte dem 24-Jährigen aber letztlich nichts mehr entgegensetzen und wurde nur Achter. Um eine Sekunde reichte es trotzdem zum Gelben Trikot, und das machte nicht nur ihn, sondern auch Tadej Pogacar glücklich.
Dass der Titelverteidiger gleich alle drei Führungstrikots an einem Tag verlor, waren dem Slowenen und seinem Team nämlich alles andere als unrecht. Spannend im Finale: Visma hätte den größten Kontrahenten beinahe noch in Gelb gehalten.
Drei Dinge, die auf der 6. Etappe auffielen:
1. Visma durchkreuzt fast Pogacars Plan
Tadej Pogacar hatte den Köder schon am Mittwochabend nach dem Einzelzeitfahren in Caen ausgelegt: "Mal sehen, wer morgen Abend Gelb trägt", sagte er kurz nachdem er selbst die Gesamtführung erst übernommen hatte.
Es war klar: Der 26-Jährige war offen dafür, das Maillot Jaune gleich am nächsten Tag wieder abzugeben, um erstens seinem Team in den kommenden Tagen einiges an Führungsarbeit im Hauptfeld zu ersparen und zweitens sich selbst auch mehr Erholungszeit nach den Etappen zu geben, indem er nicht zum Podium und auch nicht zur täglichen Pressekonferenz muss.
Und genau so ist UAE dann auch gefahren. Nachdem es zunächst zwei Stunden gedauert hatte, bis sich endlich die Ausreißergruppe des Tages absetzen konnte, war dort mit van der Poel genau der richtige Mann drin, um Gelb zu übernehmen: Ein guter Kumpel von Pogacar und einer, der für die Gesamtwertung am Ende der Tour keine Gefahr darstellen würde.
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Politt im Interview: "Viel Arbeit, die richtige Gruppe fahren zu lassen"
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"Es war viel Arbeit, die richtige Gruppe fahren zu lassen, weil dann auch mal Fahrer wie Kévin Vauquelin attackiert haben", erzählte Pogacar-Helfer Nils Politt am Eurosport-Mikrofon nach der Etappe. "Im Endeffekt haben wir uns dann entschieden, die Gruppe fahren zu lassen und das Trikot abzugeben. Das nimmt natürlich ein wenig Druck von unseren Schultern und spart Energie."
Doch im Etappenfinale wäre der Plan beinahe noch schiefgegangen. Denn als van der Poel seine Ausreißerbegleiter mit Krämpfen ziehen lassen musste und Sekunde um Sekunde zurückfiel, übernahm im Hauptfeld - kaum bemerkt von den TV-Kameras - Jonas Vingegaards Visma-Team plötzlich das Zepter und drückte gehörig aufs Tempo. Auch in die steile Schlussrampe von Vire Normandie fuhr man noch Vollgas hinein und am Ende rettete van der Poel nur noch eine Sekunde Vorsprung auf Pogacar in der Gesamtwertung.
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Geschke erklärt Bedeutung des Funks für Bildung von Spitzengruppen
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"Visma kam an den letzten zwei Kickern mit Vollgas. Vielleicht hatten sie die Info, dass van der Poel vorne Zeit verliert und sie wollten, dass ich heute im Gelben Trikot bleibe", hatte Pogacar im Ziel eine Ahnung, was die Konkurrenz mit ihrer Tempobolzerei möglicherweise bezwecken wollte und beinahe auch erreicht hätte. Deren Sportlicher Leiter Arthur van Dongen erklärte, dass man das Rennen nur hart machen wollte und das mit Pogacars Gelbem Trikot nichts zu tun gehabt hätte.
So aber gab Pogacar Gelb an van der Poel ab, das Grüne Trikot bereits zuvor am Zwischensprint an Jonathan Milan (Lidl-Trek) und auch das Bergtrikot wechselte wieder zurück zu seinem Teamkollegen Tim Wellens, der sich nach 56 Kilometern den zweiten Bergpreis des Tages gesichert hatte - und Pogacar konnte nach der Etappe direkt zum Bus fahren und war deutlich früher im Hotel.
2. Healy lernt aus dem Vorjahr
Ben Healy war schon im vergangenen Jahr einer der aktivsten Fahrer als Ausreißer bei seinem Tour-de-France-Debüt. Fünf Etappen verbrachte er in der Fluchtgruppe, noch weitaus öfter versuchte er in selbige hineinzukommen. Und am Ende ging der Ire leer aus, blieb ohne den erträumten Etappensieg.
Healy, der für seine extrem offensive und sehr viel Kraft verschleudernde Fahrweise bekannt ist, fehlte am Ende meist die nötige Energie - und er hatte sich oft auch nicht die passenden Tage ausgesucht. Denn drei seiner fünf Ausreißertage endeten mit einer Bergankunft und dem Sieg von Tour-Dominator Tadej Pogacar.
Zwölf Monate später nun hat es gleich auf der ersten Etappe, die er sich für seine Attacken ausgesucht hatte, geklappt - an einem Tag, den Pogacar hoch offiziell am Vorabend als Tag für die Ausreißer ausgegeben hatte.
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Healy macht Ausreißer-Coup perfekt – Sekunden-Krimi um Gelb
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"Letztes Jahr hat mir die Augen geöffnet. Seitdem glaubte ich, dass ich es schaffen kann. Ich habe hart gearbeitet und versucht, meinen Fahrstil noch zu verbessern. Ich habe mir viele meiner Rennen nochmal angesehen und das hat sich heute ausgezahlt", sagte Healy im Sieger-Interview überglücklich.
Nicht nur erwischte der Ire den passenden Tag, auch seine Fahrweise im Rennen war stark. Von Beginn an gab er Vollgas, wollte unbedingt in die Gruppe - und erwischte dann gemeinsam mit Quinn Simmons, der ebenso gierig schon von Anfang an mitattackiert hatte, auch den entscheidenden Postabgang nach gut zwei Rennstunden.
"Ich habe vielleicht etwas zu viel investiert, um in der Gruppe dabei zu sein. Aber so bin ich einfach", sah er in der Anfangsphase der Etappe noch einen kleinen Schwachpunkt bei sich. Auf alles danach war er aber stolz: "Ich wusste, dass ich der Gruppe irgendwann davonfahren muss, habe mir meinen Moment gut ausgesucht und die Attacke gut getimt. Ich habe sie ein wenig überrascht", meinte er. "Und dann habe ich gemacht, was ich machen musste: Kopf runter und bis zum Ziel alles geben!"
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Experten-Analyse: Das war der Schlüssel zum Sieg für Healy
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Der Erste zu sein, der aus der achtköpfigen und erstklassig besetzten Ausreißergruppe heraus attackiert, war 42,5 Kilometer vor Schluss wohl tatsächlich auch ein entscheidender Schlüssel zum Erfolg. Denn dahinter mussten sich die anderen sieben anschließend erstmal in der Verfolgung einig werden. Doch letztendlich zeigte Healys bis zum Schluss stetig weiterwachsender Vorsprung auch ganz klar: Er war einfach der Stärkste an diesem Donnerstag in der Normandie.
Schon am Vorabend hatten einige Eurosport-Reporter vor Ort Healys Sportlichen Leiter Tom Southam übrigens in einem Irish Pub getroffen - das konnte kaum ein Zufall sein.
3. Van der Poel: Gelb erobert – Grün im Blick
Als Mathieu van der Poel der Sprung in die so umkämpfte Gruppe des Tages gelungen war, schien für viele Fans der wahrscheinliche Etappensieger schon festzustehen. Doch der Niederländer konnte auf dem schweren Kurs über die zahllosen Anstiege den angestrebten Doppelschlag nicht vollenden. Im Gegenteil - sogar um die Rückkehr ins Gelbe Trikot, die ihm angesichts des schnell wachsenden Vorsprungs der Ausreißer sicher schien, musste er am Ende zittern.
Die Anstrengungen der ersten Tour-Tage und insbesondere des Zeitfahrens vom Vortag forderten ihren Tribut vom Superstar. "Ich hatte überall Krämpfe", gestand der Ex-Weltmeister im Ziel am Eurosport-Mikrofon. Als Letzter der Spitzengruppe mühte er sich die bis zu 14 Prozent steile Rampe von Vire Normandie hinauf, ein müder Abklatsch des kraftstrotzenden Klassiker-Dominators der 2. und 4. Etappe.
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"Überall Krämpfe": Van der Poel zum Sekundenkrimi
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Ob er nach den Qualen dieses Tages nun auf der 7. Etappe seinen Triumph von 2021 an der Mûr de Bretagne wiederholen kann, darf bezweifelt werden. Was aber am Donnerstag auffiel, war das klare Zeichen, welches Sondertrikot van der Poel nach seinen Auftritten im maillot jaune wirklich im Visier hat: Platz zwei am Zwischensprint unterstrich, dass nach dem Aus von Alpecin-Teamkollege Jasper Philipsen nun sein Anfahrer das Grüne Trikot erobern möchte.
Mit jetzt 108 Punkten liegt der 30-Jährige knapp hinter Jonathan Milan, aber nun vor Biniam Girmay in der Punktewertung. Gut möglich, dass sein größter Rivale auch in diesem Klassement mittelfristig Pogacar sein wird: Der Slowene sitzt ihm ähnlich eng im Nacken wie in der Gesamtwertung.
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Tour-Strecke, 7. Etappe: Action an der Mûr-de-Bretagne
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