Tour de France - Drei Dinge, die auf Etappe 10 auffielen: Vismas halber Plan geht auf und Healy tauscht Sieg gegen Gelb

Das ganz große Gemetzel um den Tour-Gesamtsieg ist auf der Zentralmassiv-Etappe vor dem ersten Ruhetag ausgeblieben. Immerhin probierte Visma um Jonas Vingegaard aber einiges und auch Tadej Pogacar griff an. Die wahren Helden der 10. Etappe jedoch waren andere. Ben Healy holte sich Gelb und Lenny Martinez wurde für seinen großen Kampfgeist mit dem Bergtrikot belohnt. Drei Dinge, die auffielen.

Highlights: Yates gewinnt am Nationalfeiertag, Pogacar verliert Gelb

Quelle: Eurosport

Ben Healy wirkte in der großen Ausreißergruppe des Tages im Zentralmassiv am Ende am stärksten. Doch der Ire wechselte seinen Plan und holte lieber Gelb, als seinen zweiten Etappensieg.
Lenny Martinez bewegt sich derweil auf den Spuren seines Großvaters.
Und Visma-Lease a Bike setzte seinen Plan zwar nur zur Hälfte um, konnte am Ende aber umso mehr jubeln - über Simon Yates als Etappensieger am Puy de Sancy.
Einzig die erhoffte erste Explosion in der Gesamtwertung blieb den Tour-Fans am Tag vor dem ersten Ruhetag verwehrt.
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"Fast umgekippt": Experten-Analyse zu Pogacar und Vingegaard

Quelle: Eurosport

Drei Dinge, die auf der 10. Etappe auffielen:

1. Vismas Plan funktioniert zur Hälfte

Das Duell zwischen Jonas Vingegaard und Tadej Pogacar ist im Zentralmassiv mit einem verdienten Remis zu Ende gegangen. Visma-Lease a Bike setzte den Slowenen und sein geschwächtes UAE-Team  - Joao Almeida raus und Pavel Sivakov kränkelnd – unter Druck, doch am Ende war es der Titelverteidiger selbst, der in der Schlussrampe aus Le Mont-Dore hinaus zur Skistation am Puy de Sancy attackierte.
Diesem Angriff wiederum konnte Vingegaard aber relativ problemlos folgen, wie schon allen anderen Antritten des Slowenen bei dieser Tour. Am Ende einigte man sich auf Waffenstillstand und rollte den Schlusskilometer mit moderaterem Tempo gemeinsam ins Ziel.
Dort strahlte Herausforderer Vingegaard aber trotzdem – erstens, weil sein Teamkollege Simon Yates aus der Ausreißergruppe heraus die Etappe gewonnen hatte und zweitens, weil er sich selbst sehr stark fühlte. "Es war ein unglaublicher Tag für uns. Wir haben die Etappe gewonnen und ich bin sehr zufrieden mit meinen Beinen", so der Däne am Eurosport-Mikrofon.
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"Unglaubliche Etappe für uns": Vingegaard zieht Bilanz im Zentralmassiv

Quelle: Eurosport

"Ich liege noch hinter Tadej und werde irgendwann Zeit auf ihn gewinnen müssen. Aber bisher konnte ich all seinen Attacken folgen und das ist mir in der Dauphiné nicht geglückt. Das zeigt, dass ich jetzt besser bin als dort."
Doch auch Pogacar war zufrieden. "Ich denke wir haben heute keinen Unterschied sehen können. Sie haben viel probiert, aber letztendlich waren die Steigungen nicht stark genug, um einen Unterschied zu machen. Wir haben uns gegenseitig neutralisiert, aber zu mir selbst kann ich sagen: Ich habe mich ziemlich gut gefühlt, alles ok", sagte der Slowene in einem kurzen Statement gegenüber Reportern von "ARD", "Het Laatste Nieuws" und "Wielerflits" und rollte dann auf und davon die Abfahrt hinunter.
Abgesehen von Vingegaards überraschend schwachem Einzelzeitfahren auf der 5. Etappe gehen die großen zwei Top-Favoriten leistungstechnisch auf Augenhöhe in den ersten Ruhetag in Toulouse. Und das an sich ist eine gute Erkenntnis für den Tour-Sieger von 2022 und 2023. Mit dem Ausgang der Etappe war man also glücklich, obwohl der Plan ursprünglich ein anderer gewesen war.
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"Visma hatte einen anderen Plan": Die Analyse zur 10. Etappe

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"Alle Teams haben verschiedene Taktiken. Einige sind eher klassisch ausgerichtet, andere nicht. Auf Etappen wie heute kann man aber schon etwas kreativ sein. Auf anderen Etappen eher nicht", sagte Vismas Bergfloh Sepp Kuss etwas kryptisch, doch Tagessieger Simon Yates stellte ganz klar heraus: "Der Hauptplan heute war, dass ich im Falle, dass hinten etwas passiert, noch da bin."
Da aber 'hinten' im Favoritenfeld weder Vingegaard Pogacar abhängen konnte, noch anders herum, wurde Yates' Hilfe als sogenannte 'Relais Station' nicht nötig und er bekam freie Fahrt auf den Etappensieg - was Sportdirektor Grischa Niermann gegenüber Eurosport im Ziel im Gegensatz zu seinen Fahrern ohnehin als Plan A bezeichnete.
Den Sieg errang Yates in der drei Kilometer langen Schlusssteigung dann auch relativ spielend, da der wohl stärkste Fahrer der Gruppe, Ben Healy (EF Education-EasyPost) das Gelbe Trikot in Reichweite hatte und mit extrem viel Tempoarbeit viel Kraft verbrauchte und den Tagessieg so quasi herschenkte, während Yates wohl am allerwenigsten Führungsarbeit unter den letzten sechs verbliebenen Ausreißern verrichtet hatte.
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Niermann zur Visma-Taktik: "Wollten auf Etappensieg gehen"

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Wichtig dabei war: Mit Victor Campenaerts hatte Visma noch einen zweiten Fahrer in die frühe Gruppe geschickt, und der wartete dann im Finale auch, um nach dem vorletzten Berg nochmal etwas Führungsarbeit für Vingegaard und Matteo Jorgenson zu verrichten. Der Plan ging also nur zur Hälfte auf, die Ausbeute aber war mit dem Etappensieg klare 100 Prozent.
Und das dürfte auch für die kommenden zwei Wochen wichtig werden. Denn nachdem die Visma-Mannen in der ersten Tour-Woche mehrmals attackiert hatten, um einen Tagessieg zu jagen, dürfte dieser Hunger nun erstmal gestillt sein und das wird auch die bei dieser Thematik zu Tour-Beginn kritischen Trine Vingegaard Hansen – Ehefrau und Managerin von Jonas Vingegaard – sehr lieb sein. Visma hat etwas auf der Habenseite. "Ein Etappensieg in der Tour ist für jedes Team wichtig", betonte schließlich Kuss.

2. Healy tauscht Etappensieg gegen Gelb

Ben Healy ist ein Phänomen: Nach seinem 42,5-Kilometer-Solo zum Etappensieg auf der 6. Etappe am Donnerstag in der Normandie hat der Ire sich am Montag nun auf Etappe 10 im Zentralmassiv gleich wieder in den Solo-Modus geschaltet und die letzten 27 Kilometer quasi allein von vorne bestritten – diesmal allerdings nicht wirklich als Solist, sondern mit fünf Ausreißerkollegen am Hinterrad.
Dass er damit all seine Chancen auf den eigentlich zu Etappenbeginn anvisierten zweiten Tageserfolg herschenkte, war dem 24-Jährigen völlig egal. Healy schnupperte am Gelben Trikot, gab Vollgas und wurde belohnt: Mit 29 Sekunden Vorsprung auf Tadej Pogacar führt er die Tour de France am ersten Ruhetag in Toulouse an, und das Maillot jaune wird er wohl in den nächsten 48 Stunden durchgehend am Körper tragen.
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Simon Yates feiert Ausreißersieg auf Etappe 10 im Zentralmassiv

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"Mental so drauf zu sein, dass man nicht mal darüber nachdenkt, dass fünf Jungs am Hinterrad sitzen und einfach zu sagen 'Ist mir egal!', das ist wirklich herausragend", lobte Teamchef Jonathan Vaughters seinen Schützling und ordnete das dritte Gelbe Trikot in der Geschichte seines Rennstalls höher ein als das von Thor Hushovd 2011 oder Richard Carapaz im Vorjahr, als der Ecuadorianer Gelb in Turin übernahm, weil er bei Zeitgleichheit mit Pogacar und Vingegaard auf einer Flachetappe weiter vorne ins Ziel rollte und aufgrund der Addition der Platzierungsziffern der ersten drei Etappen in die Führung rutschte.  
"Letztes Jahr haben wir das Trikot bekommen, weil wir am besten in Mathe waren und 2011 das waren die alten Jungs, mit denen ich noch selber gefahren bin. Das war ein etwas angespannteres Umfeld, während diese Jungs jetzt im Team durch unser System gegangen und groß geworden sind. Ich sehe sie als unsere Kids, und wenn Deine Kids so etwas schaffen, ist das speziell!" Healy war als 21-Jähriger vom britischen Continental-Team Trinity Racing, für das auch Tom Pidcock gefahren ist, zu EF gekommen, um Profi zu werden.
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Klier über Kampf um Gelb: "Es war ziemlich laut im Teamwagen"

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In Le Mont-Dore Gelb zu holen, war allerdings eigentlich gar nicht der Plan gewesen, wie der Sportliche Leiter Andreas Klier am Eurosport-Mikrofon erklärte: "Heute früh hat niemand bei uns vorgeschlagen, auf Gelb oder Weiß zu fahren. Wir wollten noch eine Etappe gewinnen und das werden wir auch weiterhin versuchen."
Als der Vorsprung zum Favoritenfeld dann aber immer größer wurde, änderte man das Ziel im Visier – und Healy zog voll durch. "Wir mussten uns entscheiden und haben alles auf Gelb gesetzt. Das ist der Luxus, wenn man vorher schon eine Etappe gewonnen hat", so Vaughters.

3. Martinez setzt Familientradition bei Tour fort

Mit dem ersehnten Etappensieg eines Franzosen am Nationalfeiertag wurde es auch am 14. Juli 2025 nichts, obwohl es acht Anwärter darauf in die große Ausreißergruppe des Tages geschafft hatten. Am Ende stand aber dennoch einer von ihnen im Ziel jubelnd auf dem Podium: Lenny Martinez eroberte im Zentralmassiv das Bergtrikot und machte deutlich, dass er dieses Klassement fest im Visier hat. Die fünf ersten der acht Bergwertungen des Tages sicherte sich der Bahrain-Youngster.
Dabei hatte der 22-Jährige seine heimlichen Hoffnungen fürs Gesamtklassement schon am ersten Tour-Tag begraben müssen, als er in Lille weit abgeschlagen Letzter wurde. Ein bitterer Tiefschlag für den Top-Kletterer, der in dieser Saison schon Etappen bei Dauphiné, Tour de Romandie und Paris – Nizza holte.
Mariano Martinez im Bergtrikot bei der Tour de France 1978

Mariano Martinez im Bergtrikot bei der Tour de France 1978

Fotocredit: Getty Images

Mit dem Sprung an die Spitze des Kletter-Klassements schreibt Martinez nun die Familiengeschichte fort. Sein Großvater Mariano Martinez trug 1978 ebenfalls das Bergtrikot bei der Tour und gewann am Ende sogar diese Sonderwertung.
"Ich will das Trikot jetzt so lange wie möglich verteidigen. Ob bis zum Ende, ist schwer zu sagen – mit Tadej wird das schwierig. Ich gehe jetzt Schritt für Schritt weiter und gebe mein Maximum", so der Enkel nun.
Gutes Vorbild ist ihm sein Opa auch da: Dieser musste sich auch mit dem Dominator jener Tour bis fast zum Schlusstag um das Bergtrikot duellieren. Erst nach der vorletzten Etappe war Bernard Hinault geschlagen, elf Punkte betrug der Abstand zum "Dachs" in Paris.
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Tour-Strecke, 11. Etappe: Steile Rampen auf Runde um Toulouse

Quelle: Eurosport


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