Tour de France - Florian Lipowitz nach Durchbruch auf 12. Etappe Podestkandidat in Gesamtwertung: "Jeder darf träumen"

Florian Lipowitz (Red Bull-Bora-hansgrohe) zeigt bei der 12. Etappe der Tour de France im Hochgebirge eine Weltklasseleistung. Während Tadej Pogacar (UAE Team Emirates-XRG) zwischen sich und dem Rest der Welt eine Canyon große Lücke reißt, klettert der Deutsche im Gesamtklassement und ist plötzlich Podiumsanwärter in der Gesamtwertung. Eine Entscheidung in der Kapitänsfrage scheint bevorzustehen.

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Quelle: Eurosport

Als Tadej Pogacar (UAE Team Emirates-XRG) nach seiner überirdischen Machtdemonstration lächelnd das Gelbe Trikot in Empfang nahm, genoss Florian Lipowitz (Red Bull-Bora-hansgrohe) abseits des Rampenlichts seinen Durchbruch zum absoluten Spitzenfahrer der Tour de France.
Beim ersten Hochgebirgs-Spektakel der Frankreich-Rundfahrt hat sich der deutsche Hoffnungsträger vor den Augen von Präsident Emmanuel Macron zum Podiumskandidaten aufgeschwungen. "Nachdem ich den größten Teil von vorne gefahren bin, habe ich gedacht, ich probiere mal eine Attacke", sagte Lipowitz im Ziel bescheiden.
Als Dritter fuhr der bärenstarke Lipowitz beim denkwürdigen Auftakt der Pyrenäen-Trilogie über die Ziellinie - nur wenige Sekunden hinter Jonas Vingegaard (Visma-Lease a Bike), der vom entfesselten Pogacar völlig demontiert wurde. 
"Jeder darf alles träumen. Aber wir konzentrieren uns weiter auf die Arbeit", sagte Lipowitz' sportlicher Leiter Rolf Aldag in der "ARD": "Zu Vingegaard war es heute nicht mehr so weit, aber wir sind noch lange nicht da – wir haben noch ganz viel Hitze, ganz viel Schweiß vor uns."

Lipowitz lässt Roglic stehen

Der Ulmer Lipowitz verbesserte sich in der Gesamtwertung bei einem Rückstand von nun 5:34 Minuten auf Pogacar auf den vierten Platz und dürfte in den kommenden Wochen einen Angriff auf das Podium in Paris starten. Wer dort ganz oben stehen wird, scheint nach der ersten "echten" Bergankunft hingegen fast schon entschieden.
Zum Auftakt der Pyrenäen-Trilogie mit der Bergankunft in Hautacam lieferten sich die Favoriten den erwarteten Schlagabtausch. Pogacar, der bei seinem Sturz tags zuvor offenbar keinerlei Fitness eingebüßt hatte, attackierte bereits 12 Kilometer vor dem Gipfel und sprengte damit die Gruppe der Topfahrer. Auch Vingegaard konnte nicht folgen und verlor in der Folge Sekunde um Sekunde.
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Lipowitz, das wurde schnell deutlich, hatte im Vergleich mit Primoz Roglic, seinem Teamkollegen beim Team Red Bull-Bora-hansgrohe, die besseren Beine.
Knapp sechs Kilometer vor dem Ziel machte der Ulmer dann in der Verfolgergruppe Ernst und distanzierte nicht nur seinen prominenten Kapitän, ehe er im Solo die Verfolgung der beiden Topfahrer aufnahm.

Evenepoel verliert ZEit

"Heute war der Plan, dass Primoz und ich beide offene Karten haben. Jeder durfte am letzten Einstieg was probieren", erklärte Lipowitz, der wohl auch in den kommenden Tagen auf eigene Rechnung wird fahren dürfen. In der Gesamtwertung liegt er nun fast zwei Minuten vor Roglic.
Rund 60 Kilometer vor dem Ziel war es erstmals ins Hochgebirge gegangen, wo prompt ein prominenter Mann dem hohen Tempo zum Opfer fiel.
Doppel-Olympiasieger Remco Evenepoel (Soudal Quick-Step) schaffte es nicht, den Col du Soulor, den ersten von drei schweren Anstiegen, als Teil der Favoritengruppe zu überqueren. Obwohl er sich noch einmal herankämpfte, verlor er jede Menge Zeit und ist als Dritter mit 49 Sekunden Vorsprung auf Lipowitz in Reichweite des Deutschen.
Am Freitag kommt es auf der zweiten von drei Pyrenäen-Etappen zu einem speziellen Showdown. Die nur 10,9 Kilometer hinauf nach Peyragudes werden als Bergzeitfahren absolviert - 2023 nahm Vingegaard Pogacar in dieser Disziplin absurde 1:38 Minuten ab. Für einen ähnlichen Ausgang spricht diesmal allerdings wenig.
(SID)
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