Tour de France - Jonas Abrahamsen feiert Ausreißersieg, Tadej Pogacar stürzt im Finale und die Konkurrenz wartet

Jonas Abrahamsen hat in Toulouse die 11. Etappe der Tour de France gewonnen und sich dabei im Sprint eines Ausreißerduos knapp vor dem Schweizer Meister Mauro Schmid durchgesetzt. Einen großen Schrecken erlebte im Etappenfinale Tadej Pogacar, der sieben Kilometer vor dem Ziel stürzte. Da seine Kontrahenten aber auf ihn warteten, verlor der Weltmeister keine Zeit auf Jonas Vingegaard und Co.

Highlights: Pogacar stürzt - Abrahamsen gewinnt wilde Etappe

Quelle: Eurosport

Für Abrahamsen (Uno-X Mobility), den Ausreißerkönig der Tour 2024, war es der größte Erfolg seiner Karriere - und das nur vier Wochen nachdem er sich auf der 1. Etappe der Belgien-Rundfahrt sein Schlüsselbein gebrochen hatte.
"Ich habe im Krankenhaus fast geweint, weil ich dachte, dass ich nicht zur Tour fahren können würde", sagte der überglückliche 29-Jährige im Siegerinterview. "Aber am nächsten Tag habe ich mich zuhause auf den Hometrainer gesetzt und alles dafür getan, dass ich dabei sein kann. Jetzt hier eine Etappe zu gewinnen, ist so wunderbar."
Im Sprintduell gegen Schmid kam der Norweger aus der zweiten Position und sein Kontrahent hielt lange stark dagegen. Auf den letzten Metern aber brachte Abrahamsen sein Rad noch um ein paar Zentimeter vor das des Schweizer Meisters.
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Van der Poel attackiert, Pogacar stürzt, Flitzer: Verrücktes Finish in Toulouse

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"Mauro Schmid war so stark den ganzen Tag über und es war wirklich schwer, an ihm vorbeizukommen. Aber ich dachte: 'Ich muss es schaffen, das ist die Tour de France, es geht um einen Etappensieg!' Und dann habe ich mein Rad noch vor ihn gebracht", so Abrahamsen.

Van der Poel kommt nicht mehr ganz heran

Die beiden Spitzenreiter kamen sieben Sekunden vor Mathieu van der Poel (Alpecin-Deceuninck) ins Ziel, der sich an der bis zu 20 Prozent steilen Cote de Pech David neun Kilometer vor Schluss aus einer Verfolgergruppe abgesetzt hatte und aufgrund schlechter Funkverbindungen kurzzeitig dachte, er würde das Rennen nun anführen, dann aber schnell aufgeklärt wurde und die Verfolgung der beiden Spitzenreiter aufnahm - vergeblich.
Aus der Gruppe hinter dem Niederländer sprintete Arnaud De Lie (Lotto) vor Wout van Aert (Visma-Lease a Bike) mit 53 Sekunden Rückstand auf den vierten Platz. Das Hauptfeld mit den Favoriten auf den Tour-Sieg um den gestürzten Pogacar sowie alle anderen Top-10-Kandidaten kam mit 3:28 Minuten Rückstand an.
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Van der Poel gesteht: "Dachte kurz, ich wäre an der Spitze"

Quelle: Eurosport

Durch das Warten der Konkurrenz auf Pogacar auf den letzten Kilometern entstanden keine Veränderungen an der Spitze der Gesamtwertung: Ben Healy (EF Education-EasyPost) behauptete sein Gelbes Trikot mit nach wie vor 29 Sekunden Vorsprung auf Pogacar, 1:29 Minuten auf Remco Evenepoel (Soudal-Quick-Step) und 1:46 Minuten auf Jonas Vingegaard (Visma-Lease a Bike).

Lipowitz und Roglic hinterlassen guten Eindruck

Auch das Red-Bull-Duo Primoz Roglic und Florian Lipowitz kam ohne Zeitverlust an. Beide waren aber auch an der letzten steilen Rampe nicht abgehängt worden, sondern präsentierten sich dort gut positioniert und stark.
Lipowitz ist hinter Matteo Jorgenson (Visma-Lease a Bike / + 2:06), Kévin Vauquelin (Arkéa-B&B Hotels / + 2:26) und Oscar Onley (Picnic-PostNL / + 3:24) mit 3:34 Minuten Rückstand auf Gelb weiterhin Achter, Roglic (+ 3:41) Neunter der Tour. Die Top Ten komplettiert Tobias Halland Johannessen (Uno-X Mobility / + 5:03) vor dem Österreicher Felix Gall (Decathlon-AG2R / + 5:38).
In der Punktewertung führt weiterhin Jonathan Milan (Lidl-Trek) mit 231 Punkten und 68 Zählern Vorsprung auf Pogacar. Das Bergtrikot bleibt auf den Schultern von Lenny Martinez (Bahrain Victorious) und das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers bei Evenepoel. In der Teamwertung hat Visma 19:20 Minuten Vorsprung auf UAE.

Abrahamsen und Schmid attackieren bei Kilometer 0

Abrahamsen, Schmid und Davide Ballerini (XDS – Astana) setzten sich kurz nach dem scharfen Start zu dritt aus dem Hauptfeld ab. Doch hinter ihnen kehrte nie richtig Ruhe ein, und auch wenn das Trio Vollgas gab und zwischenzeitlich bis zu eine Minute Vorsprung herausfuhr, hatte es nach 70 Rennkilometern wieder nur 20 Sekunden übrig.
Dann sprangen Fred Wright (Bahrain Victorious) und Mathieu Burgaudeau (TotalEnergies) aus dem Hauptfeld zur Spitze vor und plötzlich beruhigte sich das Tempo hinten wieder, so dass der Abstand auf zwei Minuten anwuchs – bevor dann doch wieder das Gespringe losging.
67 Kilometer vor dem Ziel drückte Visma aufs Tempo und kurzzeitig löste sich eine rund 20-köpfige Gruppe um van Aert und Vingegaard. Evenepoel, Pogacar und Lipowitz sprangen mit aller Kraft – und der Deutsche mit dem Verpflegungsbeutel um die Schulter - noch hin. Roglic aber war abgehängt und musste von Glück reden, dass kurz darauf vorne wieder die Luft raus ging und das Feld wieder zusammenlief.
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Vingegaard überrascht Pogacar und Co. auf Überführungsetappe

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Diesen Moment nutzten van Aert, van der Poel, Simmons, De Lie und Laurance, um sich abzusetzen und in Richtung der nun nur noch 50 Sekunden entfernten Spitzengruppe zu fahren.  
Nun kehrte im Hauptfeld endlich wirklich Ruhe ein. Am Zwischensprint 59 Kilometer vor Schluss holte sich Milan aus dem Hauptfeld noch vier Punkte vor Girmay, doch der Rückstand der Sprinter zur Spitze des Rennens betrug nun über 2:30 Minuten – sowie 1:45 Minuten zum Quintett um van der Poel.
15 Kilometer vor dem Ziel war das Quintett mit van der Poel und van Aert noch immer nicht ganz an der Spitze dran und hatte noch 20 Sekunden Rückstand, als dann im vorletzten Anstieg des Tages Simmons attackierte. Das Hauptfeld hatte mit dem Tagessieg bei nun schon 3:30 Minuten Rückstand nichts mehr zu tun.

Vingegaard attackiert an letzter Rampe, Pogacar stürzt

Während Simmons sich bei den Verfolgern absetzte, ließen vorne Schmid und Abrahamsen wiederum ihre Begleiter stehen. Zu zweit erreicheten sie mit gut einer halben Minute Vorsprung die 800 Meter lange und im Schnitt 12,4 Prozent steile Cote de Pech David, wo hinter ihnen van der Poel attackierte, an Simmons und allen anderen vorbeiflog und allein die Verfolgung des Spitzenduos aufnahm.
Im Hauptfeld fuhren die Favoriten mit Vollgas die Rampe hoch und oben attackierte Vingegaard, doch Evenepoel und Pogacar sprangen sofort ans Hinterrad und der Angriff kurz vor der Kuppe verpuffte. Damit schien klar: In der Gesamtwertung würde sich in Toulouse nichts ändern.
Dann aber stürzte Pogacar am Ende der Abfahrt rund sieben Kilometer vor Schluss, als vor ihm Tobias Halland Johannessen (Uno-X) die Straßenseite wechseln wollte, dabei aber sehr eng vor dem Weltmeister kreuzte und sich das Hinterrad des Norwegers und das Vorderrad des Slowenen berührten.
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Schreck im Finale! Pogacar stürzt - Feld wartet auf Topfavorit

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Pogacars Kette fiel beim Sturz herunter und es dauerte unangenehm lang, bis er wieder auf dem Rad saß. Trotzdem aber kam der Slowene drei Kilometer später mit Hilfe seiner Teamkollegen wieder vorne heran, wo man das Tempo gedrosselt und auf den Titelverteidiger gewartet hatte.
An der Spitze ging es unterdessen um den Etappensieg. Schmid und Abrahamsen erreichten die letzten fünf Kilometer noch mit 15 Sekunden Vorsprung und van der Poel kam Sekunde um Sekunde näher. Eingangs des Schlusskilometers waren nur noch acht Sekunden übrig, doch ganz schließen konnte der Niederländer die Lücke nicht mehr.
Schmid fuhr die letzten Meter von vorne, dann eröffnete Abrahamsen den Sprint. Der Schweizer hielt dagegen, doch der Norweger war einen Tick stärker und setzte sich knapp durch.
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Tour-Strecke, 12. Etappe: Bergankunft in Hautacam

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