Tour de France - Drei Dinge, die auffielen: UAE Emirates-XRG feiert den Etappensieg von Tim Wellens - und spielt fair

Ein "halber" Ruhetag? Nicht bei der Tour de France. Auch die 15. Etappe von Muret nach Carcassonne bot keine Gelegenheit zum Durchatmen für die Fahrer. Nicht für diejenigen, die in der großen Ausreißergruppe um den Sieg kämpften, nicht für die Favoriten, die sich nach einem Massensturz ins rasende Feld zurückkämpften. Am Ende eines weiteren atemlosen Tages jubelte wieder einmal UAE Emirates-XRG.

Attacke sitzt! Solist Wellens macht Grand-Tour-Triple perfekt

Quelle: Eurosport

Dieses Mal war es nicht der Kapitän und Gesamtführende Tadej Pogacar, der triumphierte, sondern der treue Helfer Tim Wellens. Dem Belgier gelang mit seinem Solo-Sieg aus einer Ausreißergruppe heraus als 113. Fahrer in der Geschichte das besondere Kunststück, eine Etappe bei jeder Grand Tour zu gewinnen.
Im Team aus den Emiraten liegt der Fokus natürlich weiterhin auf dem Gesamtsieg mit Pogacar. Die Belohnung für Wellens, der mit nun 41 Karrieresiegen in fast allen anderen Tour-Aufgeboten weit mehr als ein Helfer wäre, sorgte trotzdem für Feierstimmung in der gesamten Équipe.
Die Favoriten konnten sich derweil erst während der zweiten Hälfte des hügeligen Teilstücks etwas zurücklehnen.
Jonas Vingegaard und Florian Lipowitz hatten zu Beginn der Etappe einen Schreckmoment zu überstehen, als sie hinter einem Massensturz aufgehalten wurden und sich über mehr als 20 Kilometer eine Verfolgungsjagd mit dem ersten Teil des Pelotons liefern mussten.
  • Drei Dinge, die auf der 15. Etappe auffielen:

1. UAE-Feiertage gehen weiter

Dass Wellens in exzellenter Verfassung beim Start der Tour in Lille antrat, bewies das Trikot, in dem er seinen Tagessieg zum Abschluss der zweiten Woche feierte: jenes des belgischen Meisters. Kurz vor der Frankreich-Rundfahrt gewann er mit einem Solo über fast die identische Distanz wie jener nach Carcassonne den Titel.
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Tim Wellens und das UAE Emirates-XRG-Team haben bei der Tour de France allen Grund zum Feiern

Fotocredit: Getty Images

"Ich weiß nicht, ob der Meistertitel mehr wert ist oder nicht", sagte Wellens gegenüber dem belgischen Portal "Sporza". "Ich würde es ungefähr in der gleichen Liga einordnen, obwohl natürlich mehr Leute die Tour schauen."
Für sein Team ist die Priorität klar und auch Kapitän Pogacar weiß um die große Bedeutung, seinen loyalen Helfern ab und an "grünes Licht" zu gewähren. "Das ist einer der besten Tage bei dieser Tour", sagte der Mann im Maillot Jaune. "Tim ist so wichtig für uns. Das ist für die ganze Gruppe gut. Wir werden jetzt noch stärker sein."
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Das klingt nach schlechten Nachrichten für die Konkurrenz, denn UAE dominierte die Rundfahrt bisher fast nach Belieben. Wellens selbst trug schon das Bergtrikot, Pogacar gewann vier Etappen und sieht aus wie der amtierende und künftige Gesamtsieger. Dazu kommen Helferdienste wie jene von Nils Politt auf jedem Terrain oder Jhonatan Narváez in den Pyrenäen.
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Pogacar gesteht: Bin seit Tagen leicht angeschlagen

Quelle: Eurosport

Dass Wellens in Carcassonne jubeln konnte, war mehr Zufall als geplant. Nach dem Sturz in der Frühphase fand sich der Belgier plötzlich in einer Spitzengruppe wieder. Dort war er clever und stark genug, um sich durchzusetzen. Der Zweitplatzierte Victor Campenaerts sagte später im Interview, dass er von Anfang an in der Gruppe wusste, dass der 34-Jährige der Mann wäre, den es zu schlagen gelte. So kam es dann auch dank einer perfekt platzierten Attacke am höchsten Punkt des Rennens, 43 Kilometer vor dem Ziel.
Wellens blickte bei aller Freude direkt wieder nach vorne und auf seinen eigentlichen Job. Noch vor der Etappe habe er mit Politt gescherzt, dass sie an diesem Tag in die Gruppe gehen würden - und plötzlich fand er sich tatsächlich vorne wieder.
"Ich habe eine Chance gesehen und ich habe sie genutzt", sagte er. "Aber ich würde diesen Etappensieg sofort gegen das Gelbe Trikot in Paris für Tadej eintauschen." Ein Glück für den Slowenen, solche Teamkollegen zu haben.

2. Lipowitz' Schreckmoment und UAE-Fairplay

Während alles, was UAE anfasst, zu Gold zu werden scheint, hatten die Konkurrenten des Slowenen einen deutlich härteren Arbeitstag zu überstehen. Sowohl Vingegaard als auch Lipowitz wurden in einen Massensturz an einer Verkehrsinsel verwickelt. Richtig gestürzt sind beide nicht, aber nachdem sich der Staub auf der Straße legte, fanden sie sich mit 1:30 Minuten Rückstand zu Pogacar in der Verfolgung.
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Schreck für Lipowitz: Sturz sorgt für Rückstand in hektischer Phase

Quelle: Eurosport

Und das, während vorne noch erbittert um die Gruppe des Tages gekämpft wurde - die Durchschnittsgeschwindigkeit lag einmal mehr bei weit über 50 km/h. "Wie ich es verstanden, ist bei Lipowitz die Kette runtergefallen und es hat seine Zeit gebraucht, sie wieder draufzumachen", sagte Red Bull-Bora-hansgrohe-Sportchef Rolf Aldag gegenüber Eurosport. "Es ist schon mühsam, es war ja ein Vollgasrennen. 1:30 Minuten hinten, das ist natürlich nicht das Angenehmste, aber es hat ja alles geklappt."
Dass es geklappt hat, ist auch Pogacar und dem UAE-Team zu verdanken, die das Warten der Favoriten im Finale der 12. Etappe zurückzahlen wollten. Pogacar erhielt den Auftrag, das jagende Feld zu beruhigen bis seine Konkurrenten wieder Anschluss finden würden.
Die Situation war eine andere als auf dem Weg nach Toulouse, das Feld war deutlich schwieriger "einzufangen", darum dauerte es mehr als 20 Kilometer, bis die Situation bereinigt war und sich schließlich eine große Gruppe absetzen konnte.
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"Fairplay von Pogacar": Superstar beruhigt Feld nach Lipowitz-Schreck

Quelle: Eurosport

"Immer fokussiert bleiben, immer aufpassen" seien die wichtigsten Voraussetzungen, um Lipowitz aufs Podium zu bringen, so Aldag. Die 15. Etappe zeigte, wie schnell die Tour-Hoffnungen dahin sein können. Glücklicherweise ging es für alle Beteiligten glimpflich aus.

3. AusreißerTag ohne Ausreißerkönige - und ohne Deutsche

Als sich schließlich eine - oder besser gesagt mehrere - Ausreißergruppen bilden konnten, sah man die üblichen "Ausreißerkönige" dieser Tour in der Offensive. Mathieu van der Poel, Wout van Aert, Julian Alaphilippe - allesamt hochdekorierte Fahrer (zusammen 150 Profisiege) und Spezialisten für Etappen wie jene nach Carcassonne.
Keiner der Genannten konnte sich letztlich durchsetzen - auch wenn Alaphilippe genau das für einen kurzen Moment dachte. Van der Poel schaltete sich wieder in den Kampf um das Grüne Trikot ein, hatte aber nichts entgegenzusetzen, als an den Anstiegen die Attacken kamen.
Van Aert verlor den Sprint um Platz drei gegen Alaphilippe, aber zuvor fuhren eben schon zwei Belgier über die Ziellinie, der Sieger sogar über anderthalb Minuten vor den Stars. Nicht den größten Namen und vermeintlichen Spezialisten gehörte das Rampenlicht im Schatten der Festung von Carcassonne, sondern den klugen - und extrem starken - Helfern Wellens und Campenaerts.
Während den Belgiern nur eine Reifenbreite zu einem Dreifachsieg fehlte, suchte man deutsche Fahnen in der Ausreißergruppe vergebens. Politt wollte sich zwar nicht ganz ernst gemeint mit Wellens gemeinsam auf den Weg machen - seine Rolle im Feld bei Pogacar war aber zu wichtig.
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Experten adeln Wellens: "Qualitäten perfekt umgesetzt"

Quelle: Eurosport

Auch Lipowitz als Dritter der Gesamtwertung und die Sprinter Phil Bauhaus und Pascal Ackermann hatten eine gute Ausrede - aber was ist mit den immerhin fünf anderen Deutschen, die in Muret starteten?
Auch für sie gibt es eine gute Erklärung, warum sie das Rennen noch nicht wie erhofft beleben konnten. Emanuel Buchmann klagte in den Vortagen über Probleme mit dem linken Bein, Jonas Rutsch stürzte vor wenigen Tagen schwer und kämpft sich seitdem weiter. Marius Mayrhofer hatte mit Alaphilippe und Michael Storer starke Teamkollegen in der Gruppe, Niklas Märkl blieb bei Kapitän Oscar Onley.
Und Max Schachmann musste mit seinem Soudal-Team den Verlust von Remco Evenepoel verkraften. Die Équipe muss sich noch neu ausrichten und die Form scheint beim deutschen Zeitfahrmeister ohnehin nicht perfekt zu sein: "Ich habe schon seit dem Start ein bisschen zu tun, ich bin nicht in meiner besten Verfassung, ich glaube, es wird schwer", sagte er gegenüber radsport-news.com.
Vielleicht findet noch ein deutscher Fahrer seine Topform in Woche drei.
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Kurioser Jubel-Fauxpas: Alaphilippe-Team klärt auf

Quelle: Eurosport


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