Tour-de-France-Chef Christian Prudhomme exklusiv zu Überlegungen über Eintrittspreise: "Mir macht das Angst"
VonJan Zesewitz
Update 26/02/2026 um 19:21 GMT+1 Uhr
Gerade im vergangenen Jahr wurden Überlegungen laut, an den entscheidenden Anstiegen der Tour de France Eintrittsgelder zu verlangen. So könnte man dem enormen Ansturm, der an einigen Pässen herrscht, besser Herr wären, und somit die Sicherheit der Zuschauer und Fahrer gewährleisten. Im exklusiven Interview mit Eurosport Frankreich äußerte sich der Tour-Chef Christian Prudhomme zu der Idee.
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Quelle: Eurosport
"Ich lache über diese Frage, aber eigentlich macht mir das Angst", sagte Prudhomme zu dem Vorstoß, der im vergangenen Jahr unter anderem von Visma-Lease a Bike-Boss Richard Plugge gemacht wurde. "Wissen Sie, warum Politiker eine Etappe der Tour de France, von Paris - Nizza oder der Tour Auvergne-Rhone-Alpes wollen? Weil es nichts kostet."
In den Pyrenäen auf dem Weg nach Hautacam kam es im vergangenen Jahr bei einigen Fahrern zu heiklen Szenen, als sie sich die Abfahrt nach Etappenende mit vielen Hobbyradfahrern teilen mussten. Plugge meinte, man könne von den Zuschauern "vier oder fünf Euro" verlangen, um an den entscheidenden Punkten am Streckenrand zu stehen. Das ist im Straßenradsport historisch nie der Fall gewesen. Prudhomme möchte, dass das so bleibt.
"Die Leute aus der kleinen Welt des Radsports möchten, dass es so läuft wie im Fußball, aber wir sind nirgendwo zu Hause", sagte der Tour-Chef: "Wir haben kein eigenes Stadion, keine eigene Eishalle, keinen eigenen Basketballplatz, kein eigenes Schwimmbad. Wir sind auf einer Straße unterwegs, die uns nicht gehört und uns nie gehören wird. Die Tour de France meiner Träume ist die Tour de France, die vor meinem Haus vorbeifährt."
Der 63-Jährige ist seit 2007 der Chef der Tour-Organisation ASO. Unter seiner Führung wurde die Grand Boucle mehrfach verändert. Es gab zahlreiche Auslandsstarts, der "feststehende" Prolog wurde immer häufiger weggelassen und der Trend ging in Richtung kürzerer Bergetappen und Zeitfahren im Vergleich zu seinen Vorgängern.
Prudhomme: "Auf der Strecke der Tour gilt das Prinzip der Kostenlosigkeit"
Im Grunde genommen bleibt Prudhomme aber ein Radsport-Purist, wie er in dieser Causa klarmachte: "Für mich wäre es Ketzerei, eine Ketzerei, den Leuten Eintritt zu berechnen. Auf der Strecke der Tour de France gilt das Prinzip der Kostenlosigkeit. Bei mir wird das jedenfalls immer so bleiben. Man kann nicht so tun, als ob das Publikum, die Menschen der Tour de France, nicht integraler Bestandteil ihres Erfolgs wären."
Der Tour-Chef bezeichnet sich selbst in erster Linie als Fan seines Sportgroßereignisses. Als Beobachter wünscht er sich mehr Spannung, als sie in den letzten Jahren angesichts der Überlegenheit von Tadej Pogacar zu sehen war.
"Wenn es keine Spannung gibt, geht es mir genauso wie allen Anderen", sagte er. "Meine Reaktionen haben sich seit meiner Kindheit nicht geändert. Natürlich wollen wir Kämpfe, wir wollen Spannung. Das fließt natürlich in die Streckenplanung mit ein. Immer. Aber dann gilt die berühmte Formel: Die Organisatoren schlagen vor, die Fahrer entscheiden."
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Quelle: Eurosport
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