Tour de France - Drei Dinge, die auf der 14. Etappe auffielen: Tadej Pogacar und UAE wie im Computerspiel

Tadej Pogacar hat sich den Tagessieg auf der schweren 14. Etappe durch die Vogesen nicht nehmen lassen und mit seinem taktischen Gespür auch noch Teamkollege Isaac Del Toro aufs Podium gehievt. Während Team UAE die Tour de France dominiert wie in einem Computerspiel, mussten die beiden Red-Bull-Kapitäne Florian Lipowitz und Remco Evenepoel einen Dämpfer verkraften. Drei Dinge, die auffielen.

Highlights: Vollgas-Action in Vogesen mit Showdown der Stars

Quelle: Eurosport

Was machst du, wenn du nicht weißt, wie du Tadej Pogacar schlagen sollst? Im Zweifel einfach nachfragen. Das dachte sich auf der 14. Etappe von Mülhausen nach Le Markstein Fellering zumindest Uno-X-Profi Tobias Halland Johannessen.
Zwar handelte sich der Norweger auf die Frage, ob der Träger des Gelben Trikots an den Sieg einer Ausreißergruppe glaube, eine freundliche Absage ein, den Mut raubte ihm das aber nicht.
Gemeinsam mit seinem Bruder Anders und weiteren Bergspezialisten wie Richard Carapaz, Ben Healy, Einar Rubio und Valentin Paret-Peintre investierte Johannessen in einer Ausreißergruppe alles für den Tagessieg. Doch auch wenn der Abstand auf der schweren Vogesen-Etappe zwischenzeitlich auf über vier Minuten anstieg, sollte sich Pogacars Prognose bewahrheiten.
8,3 Kilometer vor dem Ziel wurden Johannessen und Carapaz als letzte Ausreißer von der Favoritengruppe geschluckt. Kurz darauf attackierte Pogacar höchstselbst und fuhr ungefährdet seinem nächsten Etappensieg entgegen. Eine Machtdemonstration auf mehreren Ebenen. Denn neben Tageserfolg Nummer vier hievte Pogacar mit seinem taktischen Gespür auch noch Teamkollege Isaac Del Toro mit aufs Podium.
Drei Dinge, die am Samstag auffielen.

1.) Das Computerspiel von UAE läuft weiter auf Hochtouren

Wäre es nur um ihn selbst gegangen, hätte Pogacar wohl schon viel früher am letzten Anstieg hinauf zum Col du Haag attackiert.
Doch ähnlich wie am vergangenen Dienstag im Zentralmassiv wirkte sein Co-Kapitän und Edelhelfer Del Toro nicht voll auf der Höhe, saß in der Gruppe der Klassement-Fahrer früh an letzter Position. Als Florian Lipowitz, einer von Del Toros Hauptkonkurrenten ums Tour-Podium, elf Kilometer vor dem Ziel seine Beine und die Konkurrenz testete, konnte der Mexikaner nicht folgen.
Deshalb warf Pogacar seinen Plan kurzerhand um und verzichtete zunächst auf eine Tempoverschärfung. "Ich wusste, dass Isaac nicht bei 100 Prozent war, deshalb habe ich die letzten zwei Kilometer abgewartet", verriet der Slowene später im Interview.  Eine Taktik, die voll aufging.
Denn seinem Ziel, die Etappe zu gewinnen, tat die umsichtige Fahrweise keinen Abbruch. Auch die letzten zwei Kilometer reichten Pogacar, um eine ausreichende Lücke zwischen sich und seinen ärgsten Verfolger Jonas Vingegaard zu bringen und diesem gleichzeitig weitere 54 Sekunden Rückstand im Gesamtklassement aufzuhalsen.
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Die entscheidende Attacke! Pogacar jubelt erneut

Quelle: Eurosport

Gleichzeitig schaffte es Del Toro, vor dem Gipfel nicht zu viel Zeit auf Vingegaard und Paul Seixas zu verlieren und schloss im kurzen Flachstück ins Ziel sogar wieder zum Duo auf.
Dass der 22-Jährige dann sogar noch den Sprint um Platz zwei vor Seixas für sich entschied und sechs Bonussekunden einheimste, war die Krönung eines weiteren Sahnetages für das Team UAE.
"Das war alles sehr, sehr taktisch. Das kann man nur machen, wenn man so überlegen ist wie UAE. Wir haben es heute gesehen, es war ein Computerspiel von Anfang an", lobte Experte Robert Bengsch die Equipe aus den Vereinigten Arabischen Emiraten in der Eurosport-Show "Velo Club".
Zudem machte Del Toro auch auf Juan Ayuso, Remco Evenepoel und Lipowitz, die kurz nach dem ersten Verfolger-Trio ins Ziel kamen, wichtige Sekunden gut und darf weiter vom Weißen Trikot und einem Podiumsplatz in Paris träumen.
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"Computerspiel von Anfang an": Bengsch adelt UAE-Teamwork

Quelle: Eurosport

2.) Red Bull verliert an Boden – Punktsieg für Seixas

Florian Lipowitz hatte es vor der Etappe heraufbeschworen: "Ich denke, nach heute wird man definitiv mehr wissen", sagte der 25-jährige Deutsche im Eurosport-Interview auf die Frage, wo er sich und sein Team Red Bull-Bora-hansgrohe im Kampf um die Podiumsplätze hinter Pogacar sehe.
Nach Part eins des Kletter-Doppelpacks am dritten Tour-Wochenende lässt sich festhalten: Wir wissen mehr, allerdings dürfte das dem deutschen Rennstall nicht wirklich gefallen.
Denn ein Zeichen der Stärke konnte keiner ihrer beiden Kapitäne setzen. Ganz im Gegenteil. Evenepoel fiel am letzten Anstieg bereits früh aus der Favoritengruppe zurück und auch Lipowitz, der am Berg bislang einen stärkeren Eindruck als sein Teamkollege machte, konnte im Finale nicht mehr das Hinterrad von Vingegaard und Seixas halten. "Am Ende haben leider die Beine nicht ganz gereicht", musste sich der Deutsche eingestehen.
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Kapitänsfrage geklärt? Evenepoel fällt am letzten Anstieg zurück

Quelle: Eurosport

Seixas dagegen darf sich neben Team UAE zu den Gewinnern des Tages zählen. Wie er Vingegaard im Fahnenmeer auf der schmalen Straße hinauf zum Col du Haag nachsetzte und wieder einholte, war beeindruckend. Zuvor hatte auch sein Team um Tiesj Benoot und Nicolas Prodhomme am Fuße des Berges zum ersten Mal ein Ausrufezeichen im Namen ihres Kapitäns gesetzt und die mannschaftliche Stärke unter Beweis gestellt.
"Das Team hat heute einen tollen Job gemacht, um mich am Berg zu positionieren", lobte das 19-jährige Super-Talent, das am Samstag eindrucksvoll mit den Zweifeln aufräumte, eine dreiwöchige Rundfahrt auf höchstem Niveau könnte noch eine Nummer zu groß für ihn sein. "Ich weiß, zu was ich in der Lage bin", sagte Seixas selbstbewusst: "Heute habe ich bewiesen, dass ich es auch noch nach zwei Rennwochen kann." Belohnt wurde der ganze Aufwand mit der Verbesserung im Klassement von Platz sechs auf vier.
Aus Red-Bull-Sicht bleibt positiv zu erwähnen, dass zumindest die ungeklärte Kapitänsfrage dieses Mal zu keinem bösen Blut führte. Mit vereinten Kräften kamen Lipowitz und Evenepoel auf dem kurzen Flachstück ins Ziel sogar noch einmal zurück.
"Als ich zu 'Lipo' aufgeschlossen hatte, rief ich ihm zu, dass wir so hart wie möglich zusammenarbeiten sollten. Ich glaube, das hat gut funktioniert", meinte Evenepoel im Interview mit "Sporza".
Über zehn Sekunden Zeitverlust auf Del Toro und Seixas sind dennoch ein empfindlicher Dämpfer.
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Dämpfer für Red Bull: "Dazu war Florian nicht in der Lage"

Quelle: Eurosport

3.) Vogesen-Ausflug wird zum Fan-Fest der Extraklasse

"Ich bin die Tour schon einige Male gefahren, aber sowas wie hier habe ich noch nie erlebt", sagte UAE-Profi Felix Großschartner im Eurosport-Interview mit einem breiten Lächeln im Gesicht.
Der Österreicher war nur einer von vielen Fahrern, die sich sehr angetan vom Fan-Auflauf auf der zweiten Vogesen-Etappe zeigten. Tausende Anhänger, die teilweise bereits seit Tagen an den Anstiegen zum Grand Ballon, Ballon d'Alsace und Col du Haag ausgeharrt hatten, verwandelten die Etappe zu einem schillernden Fan-Fest. Mit bester Stimmung und Stadion-Atmosphäre.
"Ich muss mich bei allen Fans bedanken, die zur Strecke gekommen sind. Das war unglaublich an den Anstiegen, wirklich unvergesslich und etwas, das ich so noch nicht erlebt habe. Auch all die anderen Fahrer – wir haben so viel Respekt füreinander – ich denke, dass wir heute eine tolle Show geboten haben", strahlte auch Etappensieger Pogacar.
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"Wunderschöner Tag": Atmosphäre in Vogesen begeistert Fahrer und Experten

Quelle: Eurosport

Ähnliche Worte fand Lipowitz, der von seinen Fans, die sich zahlreich nahe der deutschen Grenze eingefunden hatten, extra laut angefeuert wurde: "Ich muss ein riesiges Dankeschön an die ganzen Fans sagen, es war unglaublich, wie viele an der Strecke waren. Ich habe die ganze Zeit meinen Namen gehört."
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Tour-Vorschau, 15. Etappe: Schwere Bergankunft in Alpen

Quelle: Eurosport


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