Eurosport-Experten diskutieren über Doping im modernen Radsport: "Alle sind an der Grenze, manchmal auch darüber"

Dem Radsport haftete - aufgrund seiner düsteren Doping-Historie - lange ein schlechter Ruf an. Noch heute sind viele Fans davon überzeugt, dass nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Zu außergewöhnlich, teils übermenschlich, muten die Leistungen der Top-Fahrer an. Im Youtube-Talk widmen sich die Eurosport-Experten der Thematik - und erklären, warum eine positive Entwicklung stattgefunden hat.

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Quelle: Eurosport

Marco Pantani, Jan Ullrich, Alberto Contador und Lance Armstrong - sie alle vollbrachten Großes, gewannen - teils mehrfach - die Tour de France. Was sie zudem eint: Sie alle und noch viele weitere Stars wurden später des Dopings überführt.
Aufgrund der flächendeckenden, teamübergreifenden Arbeit mit unerlaubten Mitteln, die mit dem berüchtigten Festina-Skandal im Jahre 1998 erstmals prominent ans Tageslicht kam, galt der Radsport lange als beschmutzt. Das jahrelange Doping hallt bis heute nach, noch immer fragen sich viele Fans, ob - angesichts der schier unmenschlichen Leistungen - alles mit rechten Dingen zugeht.
Dieser Frage gehen auch die Eurosport-Experten Jens Voigt, Robert Bengsch und Karsten Migels im Youtube-Talk am Ruhetag der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt nach. Das Trio ist sich weitgehend einig, dass heutzutage weniger zu verbotenen Substanzen gegriffen wird. Vor allem, weil die Superstars von früher als abschreckende Beispiele fungieren.
"Ich bin davon überzeugt, dass es heute kein organisiertes, teamübergreifendes Doping mehr gibt", sagt Ex-Profi Voigt: "Die Jungs, die heute die Leistungen bringen, waren damals Kinder. Sie haben gesehen, dass sie selbst Lance Armstrong, den größten Helden des modernen Radsports, erwischt haben."

Voigt: Armstrong dient als abschreckendes Beispiel

Er schiebt nach: "Die heutigen Profis haben gesehen, dass es sich nicht lohnt. Am Ende hängt das dein ganzes Leben wie ein Bleigewicht an dir. Ich bin davon überzeugt, dass der Radsport heute tausendmal besser ist als früher."
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Quelle: Eurosport

Auch Migels ist der Ansicht, dass vor allem das Wissen um die Auswirkungen dazu führe, dass mutmaßlich weniger gedopt werde. Als Beispiel verweist er auf Tadej Pogacar, den aktuellen Dauer-Dominator der Szene: "Er (Pogacar, d. Red.) hat am Ende der Tour de France 2024 in Nizza gesagt: 'Ich bin doch nicht dumm, warum sollte ich dopen und mein Leben damit ruinieren?'"
Pogacar sei "ein junger Mann, der vielleicht mal Papa werden und eine Familie aufbauen möchte", dementsprechend müsse man ihm seine Unschuldsbekundung "erstmal abnehmen".
Grundsätzlich schließt Migels aber nicht kategorisch aus, dass es bis heute schwarze Schafe im Radsport gibt: "Ich finde gut, dass die Zuschauer das alles hinterfragen. Ich glaube, dass alle an der Grenze des Erlaubten arbeiten, womöglich geht manch einer über diese Grenze hinaus."

Migels: "Das wäre fatal für den Radsport"

Allerdings könnten "die Dopingfahnder nur etwas finden, wonach sie suchen müssen". Dies sei ab 1998 mit Blick auf EPO der Fall gewesen. Sollte sich die Geschichte wiederholen und es eine "Explosion wie vor 28 Jahren" geben, dann "wäre das fatal für den Radsport", so Migels, der aufgrund der Lehren der Vergangenheit generell "für niemanden, der auf dem Rad sitzt, die Hand ins Feuer legen würde".
Bengsch hat mit Blick auf die Problematik des mäßigen Radsport-Rufs noch einen Lösungsansatz parat: deutlich mehr Transparenz. "In erster Linie können wir uns über die Leistungen freuen. Ich wünsche mir aber, dass die Sportler Antworten geben und erklären, wie diese außergewöhnlichen Leistungen zustande kommen", sagte der 42-Jährige: "Dann dürfte auch die Freude bei den Fans noch größer sein."
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Quelle: Eurosport

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