Deutscher Radsport-Star Florian Lipowitz im Eurosport-Interview über die Tour de France: "Habe mich als Person weiterentwickelt"

Der beste deutsche Radprofi, Florian Lipowitz, spricht im Eurosport-Interview über die Vorbereitung auf die Tour de France. Er erzählt von seiner Freundin, die ebenfalls Radsportlerin ist, sowie das mentale Loch, in das er nach dem dritten Platz bei der Tour 2025 gefallen ist. Außerdem spricht er über die Tour-Favoriten Jonas Vingegaard und Tadej Pogacar, seine eigene Rolle und Paul Seixas.

Lipowitz im Exklusiv-Interview: "Rechne mit anderem Pogacar"

Quelle: Eurosport

Florian Lipowitz zählt wenige Wochen vor dem Start der Frankreich-Rundfahrt zu den spannendsten Fahrern im Peloton. Nach einem starken Frühjahr mit Podiumsplätzen bei der Baskenland-Rundfahrt und der Tour de Romandie hat sich der 25-Jährige endgültig in der erweiterten Weltspitze etabliert.
Aktuell bereitet sich Lipowitz in der Sierra Nevada auf den Höhepunkt der Saison vor. Auf über 2300 Metern Höhe feilt der Tour-Dritte des Vorjahres an seiner Form für die Frankreich-Rundfahrt. Die Bedingungen sind hart, der Tagesablauf eintönig - doch genau dort sollen die Grundlagen für den Kampf um die Spitzenplätze gelegt werden.
Die Erinnerungen an die vergangene Tour sind dabei noch präsent. Nach seinem überraschenden Podiumsplatz kämpfte Lipowitz mit den körperlichen und mentalen Folgen einer langen Saison. Inzwischen hat er die schwierige Phase hinter sich gelassen und blickt mit neuem Selbstvertrauen auf die kommenden Herausforderungen.
Im Interview spricht Lipowitz über die Belastungen eines Höhentrainingslagers, seine Entwicklung als Rundfahrer, die Dominanz von Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard sowie die Frage, welche Rolle er selbst bei der Tour de France einnehmen kann. Außerdem verrät er, warum seine Freundin für ihn eine wichtige Stütze ist und wie er mit dem wachsenden öffentlichen Interesse an seiner Person umgeht.
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Experten-Talk: Klartext zum Duo Lipowitz und Evenepoel bei der Tour

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Florian Lipowitz, wie läuft die Vorbereitung in der Sierra Nevada in der Höhe?
Florian Lipowitz: Grundsätzlich sehr gut. Das Wetter ist top. Ein Höhentrainingslager ist natürlich immer fordernd. Man muss sich mental gut darauf einstellen, drei Wochen hier zu verbringen. Denn es gibt nicht viel außer Essen, Schlafen und Trainieren. Aber die Stimmung ist sehr gut und die Vorbereitung läuft auch gut.
Was können wir uns unter dem Begriff Höhentrainingslager vorstellen? In welcher Höhe befinden Sie sich und in welchen Höhen bewegen Sie sich dort?
Lipowitz: Wir schlafen auf knapp über 2300 Meter. Am Anfang bleiben wir natürlich die ersten drei, vier Tage immer relativ weit oben. Hier gibt es sogar eine Straße, auf der man bis zu 3000 Meter hoch fahren kann. Da versuchen wir uns natürlich so schnell wie möglich zu akklimatisieren. Wenn die Trainings mit Intervallen losgehen, dann fährt man hinunter und schaut, dass man ein bisschen mehr Sauerstoff zum Atmen hat. Danach geht es mit dem Rad wieder hoch.
Wie wichtig ist es für Sie, dass Ihre Freundin, die Mountainbikerin Antonia Weeger, selbst Radsportlerin ist und mitfühlen kann, welche Zwänge und Härte in diesem Radsportprofi-dasein vorhanden sind?
Lipowitz: Das ist natürlich schön, wenn die Partnerin weiß, was man als Sportler alles auf sich nehmen muss. Sie versteht mich sehr gut und nimmt Rücksicht. Sie hilft mir einfach super viel und macht mir das Leben ein bisschen einfacher. Deshalb ist es immer hart, wenn ich drei Wochen ins Höhentrainingslager gehe, aber man weiß natürlich auch, dass man sich danach wieder sieht. Die drei Wochen sind aber herausfordernd.
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Aldag analysiert: Das macht Lipowitz besser als letztes Jahr

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Bei der Tour de Romandie haben Sie am Schlussanstieg sogar Tadej Pogacar attackiert. Wie viel Rückenwind gibt Ihnen das auch psychologisch?
Lipowitz: Das ganze Frühjahr gab mir Selbstvertrauen. Ich hatte nach der Tour de France letztes Jahr ein bisschen zu kämpfen. Bis Katalonien war es eine lange Zeit, da habe ich mir viele Gedanken davor gemacht. Zum Glück lief es von Rennen zu Rennen besser. Mit der Romandie den ersten großen Rennblock abzuschließen, war ein schönes Erlebnis und gab viel Selbstvertrauen für die Tourvorbereitung. Aber Pogacar ist vor den Ardennenklassikern vorwiegend Eintagesrennen gefahren, deshalb rechne ich mit einem anderen Pogacar bei der Tour.
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Florian Lipowitz (r.) neben Tadej Pogacar (m.) und Jonas Vingegaard (l.) auf dem Podium der Tour de France

Fotocredit: Getty Images

Ich glaube, dass Paul Seixas ihnen das Leben definitiv schwer machen wird. Er ist sehr stark gefahren in diesem Jahr, der Schritt, den er im Vergleich zum vergangenen Jahr gegangen ist, war immens.
Sie haben gesagt, Pogacar ist gerade noch zwei Schritte vor Jonas Vingegaard, der gerade den Giro d‘Italia dominiert und dort macht, was er will. Wo sehen Sie sich in diesem Dreikampf? Wie viele Schritte sind Sie davor oder dahinter?
Lipowitz: Ich würde es nicht als Dreikampf bezeichnen, weil es viele Fahrer gibt, die Chancen auf das Podium haben. Jonas (Vingegaard, Anm. d. Red.) fährt super stark und hat sich beim Giro d'Italia nochmal weiterentwickelt. Es kommt darauf an, wie müde er aus dem Giro kommt. Trotzdem ist er nochmal zwei Schritte vor allen anderen. In drei Wochen Tour de France kann viel passieren, da muss man auch erstmal sturzfrei durchkommen. Deshalb glaube ich, ist das Rennen offen um Platz drei. Pogacar oder Vingegaard zu schlagen, ist natürlich super schwierig. Ich glaube, dass Paul Seixas ihnen das Leben definitiv schwer machen wird. Er ist sehr stark gefahren in diesem Jahr, der Schritt, den er im Vergleich zum vergangenen Jahr gegangen ist, war immens. Er wird ein schwerer Gegner für die beiden.
Ich wollte in Italien die Saison gut beenden, aber sobald ich intensiver gefahren bin, bin ich immer wieder krank geworden. Der Körper hat einfach gesagt, er kann nicht mehr.
Sie haben erzählt, dass es Ihnen nach der Tour de France vergangenes Jahr nicht so gut ging - aufgrund des Mediendrucks, aufgrund des großen Rummels. Was hat das bei Ihnen ausgelöst?
Lipowitz: Grundsätzlich fiel es mir schwer, mich zu erholen, herunterzukommen, einen Schritt weg vom Radsport zu machen. Ich habe sehr viel Zeit gebraucht, um mich wirklich zu erholen. Ich wollte in Italien die Saison gut beenden, aber sobald ich intensiver gefahren bin, bin ich immer wieder krank geworden. Der Körper hat einfach gesagt, er kann nicht mehr. Dann haben wir uns entschlossen, die Saison vorzeitig zu beenden. Ich war acht Wochen in der Offseason, habe mich mental gut erholt. Der Trainingseinnstieg war dann nicht ganz so schön, aber für mich persönlich war es ein sehr schönes Frühjahr und das hat mir wieder Selbstvertrauen in Richtung Tour gegeben.
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Lipowitz zieht Frühjahrs-Bilanz: "Stärker als letztes Jahr"

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Wie gehen Sie mental die Tour de France an, Sie sind im Vergleich zur Tour im Vorjahr nicht mehr so frei und werden am Resultat vom letzten Jahr gemessen.
Lipowitz: Es ist eine sehr schwere Aufgabe. Ich versuche mir nicht so viel Druck zu machen, deshalb ist es auch sehr gut, dass wir als Doppelspitze zur Tour gehen. So können wir uns beide den Druck aufteilen und davon profitieren. Während der Tour werde ich sehe, wie groß der Trubel sein wird, wie ich mit dem Drumherum ums Radrennfahren umgehen werde. Aber ich denke, dass ich viel im letzten Jahr gelernt und mich als Person weiterentwickelt habe - und so auch besser damit umgehen kann.
Rolf Aldag hat bei Eurosport gesagt: Remco Evenepoel wird nach dem Mannschaftszeitfahren in Gelb fahren und wenn es richtig bergauf geht, übernimmt Florian die Kapitänsrolle. Was sagen Sie dazu?
Lipowitz: Das hört sich gut an, wenn Remco ins Gelbe Trikot fährt, das wäre für uns als Team ein großes Ziel. Aber darauf spekulieren auch andere Teams. Die letzte Woche der Tour wird sehr hart, bis dahin darf man keine Schlüsse ziehen. Remco ist ein sehr starker Radfahrer, einer der besten, den es gerade gibt. Er hat die Vuelta gewonnen. Er war Dritter bei der Tour, deshalb kann er auch drei Wochen und auch lange Anstiege fahren. Ich hoffe, dass wir beide voneinander profitieren können und mehr Karten zum Ausspielen haben.
Die sportlichen Leiter helfen einem da natürlich und ich hoffe, dass ich auch von Remco viel lernen kann.
Sie hatten in dieser Saison bei Rundfahrten in Finals ein paar Mal die Möglichkeit, eine Etappe zu gewinnen, sind aber nicht als Erster über die Ziellinie gefahren. Inwiefern können Sie sich renntaktisch noch verbessern?
Lipowitz: Da gibt es definitiv noch Potenzial. Wenn man für die Gesamtwertung fährt, muss man die Besten, also Vingegaard, Pogacar oder Seixas, schlagen. Das ist auf meinem Level sehr schwierig, vor allem, wenn ich meine Sprintleistung anschaue. Die sportlichen Leiter helfen einem da natürlich und ich hoffe, dass ich auch von Remco viel lernen kann.
Evenepoel hat letzte Woche den Meistertitel des FC Arsenal bejubelt. In welchem Trikot könnte man Sie bei passendem Anlass sehen, wenn es um einen Sportverein, um Sportler oder Musiker geht?
Lipowitz: Ich bin kein großer Fußballfan, sondern eher in Richtung Wintersport unterwegs. Aber da gibt nicht so wirklich Teams oder Klubs. Biathlon schaue ich mir gern im Fernsehen an und vielleicht kann ich auch mal ein Rennen live anschauen.
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Walscheid nach Milans drittem Platz: "Ist ziemlich beeindruckend"

Quelle: Eurosport


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