Die Geschichte der Tour de France steckt voller Highlights, Dramen, Tiefpunkte: Wir blicken in unserer täglichen Serie zurück auf besondere Momente, die sich am 10. Juli jähren und deren Bilder uns noch vor Augen sind - und auf spezielle Tour-Höhepunkte aus deutscher Sicht. Heute u.a. mit Johnny Hoogerland und Juan Antonio Flecha, Tony Martin, Rolf Gölz und André Greipel.
Auto räumt Fahrer bei Tour 2011 ab: Fieser Sturz in den Stacheldraht
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Der 10. Juli – kein Tour-Tag wie jeder andere:
Schon die bloße Erinnerung tut weh: Was am 10. Juli 2011 passiert, ist kaum zu fassen und jedem, der die Bilder gesehen hat, sicher noch immer vor Augen. Die 9. Etappe nach Saint Flour geht in ihre entscheidende Phase, als ein Auto aus dem Tour-Tross zu nah an der Ausreißergruppe vorbeifährt und es zum Drama kommt:
Johnny Hoogerland und Juan Antonio Flecha stürzen böse, die anderen Fahrer haben mehr Glück und ziehen weiter Richtung Ziel. Doch der Niederländer ist schwer gezeichnet, denn seine Landung im Stacheldrahtzaun hat üble Wunden hinterlassen - die Nahaufnahmen sparen wir uns hier. Kaum zu glauben, dass er sich nach Paris durchkämpfen wird, auch wenn er das Bergtrikot nicht verteidigen wird.
Johnny Hoogerland unter Tränen im Bergtrikot bei der Tour de France 2011
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Exakt 20 Jahre früher prägt 1991 schon einmal ein Sturzdrama am 10. Juli die Tour. Diesmal ist es die 5. Etappe - und sie wird dem Träger des Gelben Trikots zum Verhängnis. Wenige Kilometer vor dem Ziel in Valenciennes stürzt Rolf Sörensen fast unbemerkt in einem Kreisverkehr.
Der Däne vom Ariostea-Team bricht sich das Schlüsselbein, auch wenn er noch ins Ziel rollt - die Tour ist vorbei für ihn. Greg LeMond wird sich am nächsten Tag übrigens aus Respekt vor Sörensen weigern, Gelb zu tragen.
Der Däne Rolf Sörensen muss die Tour de France 1991 im Gelben Trikot aufgeben
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Im Zielsprint kommt es derweil fast zum ersten deutschen Dreifachsieg, denn Remig Stumpf, Olaf Ludwig und Andreas Kappes sind im Feld die schnellsten Männer. Dumm nur, dass mit einer Attacke kurz vor dem Ziel Jelle Nijdam die Sprinter narrt und einige Sekunden vor ihnen ankommt.
Tragisch sind die Erinnerungen an den 10. Juli 2000. Dabei ist es zuerst ein Jubeltag für Javier Ochoa, der als Solist die schwere Bergetappe durch die Pyrenäen mit Ziel in Hautacam gewinnt. Alle vier Berge des Tages überquert er an der Spitze und kommt auch noch vor dem am Schlussanstieg losjagenden Lance Armstrong an.
Aber im Februar 2001 tritt der Sport plötzlich völlig in den Hintergrund, denn ein Autofahrer erwischt Javier und seinen Bruder Ricardo im Training. Der Sturz ist fürchterlich, Ricardo wird tödlich verletzt, Javier liegt wochenlang im Koma. Doch er überlebt und wird ein herausragender Paralympionike. In einer tollen Geste ehrt ihn die Tour bei der Bergankunft in Hautacam 2008 auf dem Podium. Im Jahr 2018 verstarb er nach schwerer Krankheit.
Tour de France 2008: Javier Ochoa wird in Hautacam geehrt
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Ein schwarzer Tour-Tag ist der 10. Juli schließlich auch wegen des folgenschweren Sturzes von Roger Rivière im Jahr 1960. Auf der 14. Etappe Richtung Avignon stürzte der Top-Favorit in der Abfahrt vom Col du Perjuret fürchterlich in den Abgrund. Er zieht sich einen doppelten Wirbelsäulenbruch zu, seine Beine bleiben gelähmt.
Der Champion, der sich nach bis dahin drei Etappensiegen des Tour-Sieges "absolut sicher" war, wird nie wieder auf ein Rad steigen, sondern im Alter von 40 Jahren an einem Krebsleiden sterben.
Roger Rivière wird nach seinem Sturz bei der Tour de France 1960 abtransportiert
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Bei der Tour 2013 stürzt Tony Martin auf Korsika so schwer, dass eine Aufgabe fast unausweichlich scheint. Doch dick bandagiert kämpft er sich weiter durchs Rennen und wird am 10. Juli belohnt.
Vor der malerischen Kulisse des Mont-Saint-Michel fährt er in seiner Spezialdisziplin zu seinem zweiten Tour-Etappensieg nach 2011. Um zwölf Sekunden hält er Tour-Sieger Chris Froome auf Distanz.
Tony Martin bei der Tour de France 2013
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Ein anderer Deutscher ist ebenfalls glücklich an einem 10. Juli: Rolf Gölz stürmt 1988 auf der 8. Etappe nach Nancy zum Etappensieg.
Dabei ist die 16 Fahrer große Spitzengruppe mit Top-Namen gespickt, doch er lässt Stars wie Bugno, Mottet, Kelly, Pensec, Bauer, Madiot, Alcala, de Wilde, Delgado, Visentini oder Boyer sowie unseren Eurosport-Experten Jean-Claude Leclercq hinter sich.
Tour-de-France-Etappensieger Rolf Gölz im Jahr 1988
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Schließlich sprintet sich 2014 auch noch André Greipel in den Kreis der deutschen Tour-Etappensieger an einem 10. Juli. Nachdem zuvor Marcel Kittel dreimal vorne lag, nutzt Greipel nun seine Chance, nachdem der deutsche Rivale im Finale Defekt hat.
Nach 194 Kilometern von Arras nach Reims ist der Lotto-Profi im Meistertrikot Deutschlands der umjubelte und überlegene Gewinner.
Triumph in Reims für Andre Greipel bei der Tour de France 2014
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Schließlich feiert am 10. Juli 1989 ein Fahrer einen ersten Etappensieg bei einer Tour, in dem zu diesem Zeitpunkt kaum jemand den Dominator zukünftiger Jahre sieht. Ein gewisser Miguel Indurain klettert in den Pyrenäen als Solist in Cauterets zum Erfolg und kann erstmals das Siegerpodest betreten.
Am Ende jener Tour belegt er Rang 17 in der Gesamtwertung, dass er von 1991 an das Gelbe Trikot fünf mal in Serie nach Paris tragen wird, ist da noch Zukunftsmusik.
Tour-Legenden: Indurains erster Sieg bei Bergankunft in Cauterets