Die Geschichte der Tour de France steckt voller Highlights, Dramen, Tiefpunkte: Wir blicken in unserer täglichen Serie zurück auf besondere Momente, die sich am 15. Juli jähren und deren Bilder uns oft noch vor Augen sind - und auf spezielle Tour-Höhepunkte aus deutscher Sicht. Heute u.a. mit Oscar Pereiro, Laurent Fignon, Jan Ullrich, Rudi Altig, Patrik Sinkewitz, John Degenkolb und Team PDM.
John Degenkolb - Tour de France 2018
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Der 15. Juli - kein Tour-Tag wie jeder andere:
Es ist eine Erlösung - und sie sorgt für große Emotionen: Auf der 9. Etappe der Tour de France 2018 gelingt John Degenkolb endlich der erste Etappensieg seiner Tour-Karriere - und das auf schwerstem Terrain. Es geht über das Kopfsteinpflaster nach Roubaix und der Klassiker-Spezialist lässt alle Konkurrenten hinter sich, darunter auch den Olympiasieger und Träger des Gelben Trikots, Greg Van Avermaet.
John Degenkolb jubelt über seinen Etappensieg bei der Tour de France 2018
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Egal was noch alles kam von Jan Ullrich an Triumphen, Enthüllungen und Enttäuschungen - sein Solo ins Gelbe Trikot hinauf nach Andorra 1997 hat eine Generation deutscher Radfans geprägt. Wie er nach über 230 Kilometern und sieben Stunden im Sattel die komplette Konkurrenz stehen lässt, als er endlich freie Fahrt bekommt, hat keiner vergessen, der diese 10. Etappe je gesehen hat.
Über eine Minute nimmt er Marco Pantani und Richard Virenque ab - und wird Gelb bis nach Paris tragen. Nur aus der ihm prophezeiten jahrelangen Dominanz wird nichts.
Dass am 15. Juli 2006 die ganze Tour auf den Kopf gestellt wird, ahnt in Montélimar noch keiner. Jens Voigt jubelt über einen hart erkämpften Etappensieg mit unglaublichen 29:57 Minuten Vorsprung auf das Hauptfeld.
Frustriert ist der knapp geschlagene Oscar Pereiro - der zwar Gelb übernimmt, aber dem Tagessieg nachtrauert. Dass er eben die Tour-Gesamtwertung gewonnen hat, kann sich der Spanier beim besten Willen nicht vorstellen. Doch der Vorsprung und ein Dopingtest bei Floyd Landis machen ihn zum ersten Sieger der Jahre nach der Armstrong-Ära.
Tour de France 2006: Jens Voigt jubelt vor Oscar Pereiro
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Dass man starke Fahrer nicht eine halbe Stunde entwischen lässt, hätte man schon 2001 lernen können. Auf der berühmt gewordenen Regenetappe nach Pontarlier lässt man am 15. Juli eine große Gruppe ziehen. Im kalten Dauerregen gewinnt Erik Dekker, ein völlig entkräftetet Stuart O'Grady holt sich Gelb von seinem Teamkollegen Jens Voigt.
Den zwei Jahre später tödlich gestürzten Kasachen Andrei Kivilev und den Franzosen Francois Simon aber bringt das Zeitpolster von über 35 Minuten in Paris auf die Plätze vier und sechs der Gesamtwertung.
Jens Voigt auf der epischen Regenetappe der Tour de France 2001
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Gleich dreifach ist der heutige Tag mit Laurent Fignon verbunden. Im Jahr 1984 gewinnt er das Bergzeitfahren von La Ruchère und macht immer deutlicher, dass sein Gesamtsieg vom Vorjahr alles andere als einfach der Abwesenheit von Bernard Hinault zu verdanken war.
Acht Jahre später feiert der zweifache Tour-Sieger in Mulhouse den letzten Tagessieg seiner Tour-Karriere: Nach einer Flucht durch die Vogesen und einer Hetzjagd des Feldes rettet Fignon 1992 wenige Sekunden ins Ziel.
Exakt ein Jahr später endet seine Tour-Karriere: Am 15. Juli 1993 steigt er auf der großen Alpenetappe über den Col de la Bonnette vom Rad und kehrt nie wieder als Fahrer zur Tour zurück.
Laurent Fignon bei der Tour de France 1992 auf dem Weg zu seinem Etappensieg
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Der Tour den Rücken kehrt am 15. Juli 1991 das komplette PDM-Team, soweit die Fahrer nicht schon am Vortag ausstiegen. Eine Lebensmittelvergiftung wird als Grund genannt, doch aus der Gerüchteküche kommen ganz andere Vermutungen.
Restlos geklärt ist bis heute nicht, was die niederländische Truppe mit ihren Stars Breukink, Kelly und Alcala und dem deutschen Duo Uwe Raab und Falk Boden so aus der Bahn warf.
Team PDM bei der Tour de France 1991
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Das Tour-Aus kommt auch für Patrik Sinkewitz an einem 15. Juli. Nach der Bergankunft in Tignes fährt er 2007 wie viele Fahrer den Schlussanstieg hinunter, als er mit einem Zuschauer kollidiert. Der Hesse verletzt sich schwer und muss das Rennen verlassen.
Im Krankenhaus in Hamburg erlebt er dann, wie wenige Tage später sein positiver Dopingtest für ein Erdbeben sorgt. ARD und ZDF ziehen sich aus der Tour zurück, die tags zuvor mit dem Sieg von Linus Gerdemann ein deutsches Highlight erlebt hatte.
Partik Sinkewitz stürzt bei der Tour de France 2007 folgenschwer
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Erfreulichere Erinnerungen an den 15. Juli haben da zwei deutsche Asse der Sechziger: Rolf Wolfshohl erobert 1968 an diesem Tag auf der 16. Etappe in Aurillac durch Platz zwei das Gelbe Trikot, das er zwei Tage lang trägt.
Sechs Jahre früher endet die Tour 1962 bereits am 15. Juli und ein deutscher Debütant wird in Paris als Gewinner des Grünen Trikots gefeiert: Rudi Altig setzt sich in der Punktewertung dank seiner drei Tagessiege souverän durch.
Die Sieger der Sonderwertungen der Tour de France 1962: Rudi Altig eingerahmt von Federico Bahamontes und Jacques Anquetil (r.)
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Am 15. Juli 1969 macht Eddy Merckx deutlich, dass mit ihm nicht zu spaßen ist: Der Belgier startet ein Solo, das ihn direkt in die Geschichtsbücher bringt und ihn in Paris den ersten Toursieg feiern lässt:
Auf der 17. Etappe in den Pyrenäen zeigt er ein Solo über 140 Kilometer, obwohl er bereits im Gelben Trikot fuhr und über acht Minuten Vorsprung hatte. Doch von Luchon nach Mourenx über vier schwere Pässe zeigte Merckx, warum man ihn den "Kannibalen" nennt: Er siegt nach fast acht Stunden Fahrtzeit und liegt über sieben Minuten vor dem Zweitplazierten der Etappe.
Eddy Merckx bei der Tour de France 1969 auf dem Weg zu seinem berühmten Solo-Sieg