Der 8. Juli - kein Tour-Tag wie jeder andere:
Fünf Jahre lang hatte es Nils Politt bei der Tour de France vergeblich versucht, den ersehnten Etappensieg zu holen. Am 8. Juli 2021 ist es auf den knapp 160 Kilometern von Saint-Paul-Trois-Châteaux nach Nîmes endlich soweit.
Unwiderstehlich hängt er seine Begleiter in der Ausreißergruppe ab und kann am Ende eine Triumphfahrt durch den Zielort genießen.
"Es ist unglaublich. Es ist ein Traum, eine Etappe bei der Tour de France zu gewinnen. Ich habe mich in den letzten Tagen schon gut gefühlt und habe heute einfach versucht, mein Bestes zu geben. Dass jetzt ein Etappensieg herauskommt, ist unglaublich", freute sich Politt.
Eine Attacke wie aus dem Lehrbuch: Politts Finale in Nimes
Quelle: Eurosport
Bei der Tour 2022 ist ein deutscher Etappensieg wieder greifbar nahe, als Lennard Kämna am gefürchteten Schlussanstieg zur Planche des Belles Filles als Solist vorne liegt und seinen Vorsprung auf die jagenden Favoriten mit letztem Einsatz verteidigt. Doch auf den letzten Metern der Schotterpiste fliegen Tadej Pogacar, Jonas Vingegaard und Primoz Roglic noch heran und an Kämna vorbei.
Ihm bleibt der vierte Platz mit 14 Sekunden Rückstand.
Dramatisches Finale: Kämna verliert Sieg auf den letzten Metern
Quelle: Eurosport
Wir schreiben das Jahr 2004, als auf dem Weg nach Chartres Frankreichs große Öffentlichkeit einen jungen Fahrer namens Thomas Voeckler entdeckt. Der kämpft sich auf der 5. Etappe der Tour de France in die Ausreißergruppe des Tages - und die bekommt von Lance Armstrong freie Fahrt.
Denn der will sein am Vortag im Mannschaftszeitfahren errungenes Gelbes Trikot gar nicht verteidigen, sondern überträgt diese Arbeit gern noch einige Tage einem anderen Team. Den Tagessieg muss Frankreichs frischgebackener Landesmeister noch Stuart O'Grady überlassen, doch Gelb gehört ihm.
So steht Voeckler plötzlich mit über zwölf Minuten Vorsprung an der Spitze der Gesamtwertung und Frankreich wird in den nächsten Tagen begeistert verfolgen, wie er sich mit vollem Einsatz bemüht, das "maillot jaune" so lang wie möglich zu verteidigen.
Thomas Voeckler strahlt bei der Tour de France 2004
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Kaum zu fassen ist, was sich am 8. Juli 2016 im Finale der Pyrenäen-Etappe zum Lac de Payolle abspielt. Die Ausreißer haben gerade das Ziel erreicht, die Gruppe der Favoriten kommt nach einer letzten Abfahrt zum Zeichen für den Schlusskilometer.
Doch da fällt der Kilometerbogen in sich zusammen, Adam Yates wird in seiner späten Attacke jäh gebremst und zu einem Salto gezwungen. Die Situation geht ohne schlimmere Schäden über die Bühne, doch am Ende fehlen ihm in Paris 21 Sekunden zum Podium - die er hier verloren haben könnte.
Adam Yates - ausgebremst am letzten Kilometer bei der Tour de France 2016
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Ein Jahr zuvor, am 8. Juli 2015 stürmt André Greipel in Amiens zu seinem bereits zweiten Etappensieg in jener Tour.
Er scheint schon chancenlos eingebaut, bevor er im Grünen Trikot doch noch mit einem Kraftakt an der Konkurrenz vorbeizieht und Peter Sagan sowie Mark Cavendish auf die nächsten Plätze verweist.
Sieg im Grünen Trikot: André Greipel war in Amiens nicht zu schlagen
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Im Jahr später endet 2005 für zwölf Jahre zum letzten Mal eine Etappe in Deutschland und auf dem Weg nach Karlsruhe sind zehntausende Menschen an der Strecke, die Begeisterung riesengroß. Beim Stichwort "Puerto" denken noch alle an den Spanischkurs und Lance Armstrong regiert das Feld weiter mit harter Hand.
Zum Held des Tages auf den 228 km wird Fabian Wegmann - der Münsteraner nutzt den Abstecher in seine Freiburger Wahlheimat, um sich eindrucksvoll in Szene zu setzen. Bei seinem langen Soloritt mit Gänsehaut fährt er ins Bergtrikot und wird in Karlsruhe gleich zweimal aufs Podium gebeten, denn kämpferischster Fahrer wird er auch. Nur den Tagessieg holt sich im Sprint Robbie McEwen.
Fabian Wegmann erobert 2005 in Freiburg das Bergtrikot der Tour de France
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Exakt drei Jahre zuvor ist 2002 Saarbrücken Etappenziel der Tour, dort siegt im Weltmeisterdress der Spanier Oscar Freire - sein erster Erfolg bei der "Großen Schleife".
Erik Zabel wird Dritter und verpasst so um zwei Sekunden das Gelbe Trikot, das er bei der Stippvisite in Deutschland zu gern erobert hätte.
Oscar Freire war 2002 in Saarbrücken nicht zu schlagen
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Dass Robbie McEwen eine Tour-Etappe gewinnt, ist nix besonderes, immerhin hat er ein Dutzend Tagesabschnitte auf seiner Liste stehen. Doch was er am 8. Juli 2007 leistet, ist fast unglaublich. Denn auf den letzten Kilometern von London nach Canterbury scheint ein Sieg des Australiers völlig unmöglich: Nach einem üblen Sturz findet er sich weit hinter dem Feld wieder, während vorne die Konkurrenz schon richtig Druck macht.
Mit dem Mut der Verzweiflung jagt McEwen mit einigen Helfern hinterher, erreicht das Peloton gerade noch rechtzeitig, pflügt durch die Fahrermassen und sprintet tatsächlich sogar zum Sieg. Vom letzten zum ersten Platz innerhalb weniger Kilometer - McEwen kann es selbst nicht glauben. Sein letzter Sieg bei der Tour ist sein eindrucksvollster.
Robbie McEwens Etappensieg bei der Tour de France 2007
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Ein Jahr später löst ein deutscher Sieg am 8. Juli 2008 fast wieder so etwas wie Radsport-Euphorie aus. Stefan Schumacher lässt im Zeitfahren rund um Cholet über 29 km die komplette Weltelite hinter sich und übernimmt das Gelbe Trikot.
Auch das zweite Zeitfahren wird er später gewinnen, dazwischen sorgt Bernhard Kohl am Berg für Furore. Mit welchen Mitteln wird wenige Wochen später aufgedeckt.
Stefan Schumacher bei der Tour de France 2008
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Exakt zehn Jahre vor Schumachers Doppelschlag ist der 8. Juli schon einmal der Auslöser für ein echtes Erdbeben gewesen. Dabei ist die Tour zu diesem Zeitpunkt 1998 noch gar nicht unterwegs, der Auftakt in Dublin folgt erst noch. Doch als französische Fahnder an der Grenze zu Belgien den Festina-Masseur Willy Voet mit einem Wagen voller Dopingmittel abfangen, nimmt ein Skandal mit bislang ungekannten Ausmaßen seinen Lauf.
Das beste Team der Welt entpuppt sich als bis an die Trikotoberkante gedopt, die Tour wird zur Farce. Doch noch wird, teilweise erfolgreich, den Fans vorgegaukelt, dass Festina eine Ausnahme im Feld sei...
Der Festina-Skandal erschütterte die Tour de France 1998
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Die Tour-Siege von Miguel Indurain folgten meist dem gleichen Schema: Dominanz in den Zeitfahren, Verwaltung des Vorsprungs in den Bergen. Doch am 8. Juli 1995 durchbricht er dieses Schema und attackiert die völlig überraschte Konkurrenz auf dem Weg durch die Ardennen – ausgerechnet am Tag vor dem ersten Zeitfahren.
Nur ein gewisser Johan Bruyneel geht den Angriff des Spaniers mit, seine Wachsamkeit wird mit dem Etappensieg in Lüttich und Gelb belohnt. Indurain wiederum nimmt seinen Rivalen knapp eine Minute ab. Ein doppelt wertvoller Coup, denn in den Zeitfahren jener Tour ist er längst nicht mehr so überlegen wie so oft in den Vorjahren.
Johan Bruyneel und Miguel Indurain auf dem Weg nach Lüttich bei der Tour de France 1995
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Mit 30 Jahren kommt Olaf Ludwig 1990 zu seinem Tour-Debüt. Doch seine Versuche in der ersten Woche sind nicht von Erfolg gekrönt. Am 8. Juli platzt dann auf der 8. Etappe der Knoten, in Besancon sprintet der Olympiasieger von 1988 im Panasonic-Trikot mit Startnummer 63 zum Etappensieg. Am Ende wird der Geraer in Paris dann sogar das Grüne Trikot gewonnen haben, das er an jenem Tag schon auf den Schultern trägt.
Erster Deutscher, der an einem 8. Juli siegt, ist aber Otto Weckerling: Bei der Tour 1937 gewinnt er als Solist die Alpenetappe nach Briancon.
Olaf Ludwid sichert sich den Sieg in Besancon bei der Tour de France 1990
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Ein anderer deutscher Sieger an einem 8. Juli ist Marcel Kittel. Bei der Tour 2014 fügt er seinen beiden Erfolgen auf englischem Boden auch bei der Rückkehr der Tour nach Frankreich auf der 4. Etappe sofort den nächsten Erfolg hinzu. Allerdings hat er in Lille schon zu kämpfen, um sich die Konkurrenz vom Leib zu halten, die er bislang scheinbar locker beherrscht hatte.
Bis zum nächsten Coup sollte es denn auch bis zum Tour-Finale in Paris dauern.
Matrcel Kittel war in Lille bei der Tour de France einmal mehr nicht zu schlagen
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Dass der Radsport noch immer seine tollen Geschichten schreibt, hat der 8. Juli erst 2012 gezeigt. Eigentlich sollte Thibaut Pinot da gar nicht im Rennen sein – für zu jung befand ihn sein Teamchef. Erst der Ausfall eines Teamkollegen bringt dem gerade erst 22-Jährigen einen Platz im Tour-Team von FDJ.
Auf der 8. Etappe hinüber in die Schweiz schlägt dann die große Stunde des Franzosen, der sich auf bergigem Terrain mit einer mutigen Attacke absetzen und einen knappen Vorsprung im Finale auf die heranjagenden Stars verteidigen kann – angefeuert aus dem Teamwagen von einem entfesselten Marc Madiot. Der Coup gelingt, Pinot gewinnt die Etappe und wird in Paris sogar Zehnter der Gesamtwertung sein. Frankreich träumt von einem neuen Tour-Sieger, doch als das dann 2019 greifbar nahe scheint, stoppt ihn eine Verletzung.
Thibaut Pinot siegt 2012 bei der Tour de France, bejubelt von Teamchef Marc Madiot
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