Tour-de-France-Geschichte(n): Trauriger Sieg von Farrar, Start der Merckx-Serie und erste Bergankunft in Alpe d'Huez

Die Geschichte der Tour de France steckt voller Highlights, Dramen, Tiefpunkte: Wir blicken in unserer täglichen Serie zurück auf besondere Momente, die sich am 4. Juli jähren und deren Bilder uns noch vor Augen sind - und auf spezielle Tour-Höhepunkte aus deutscher Sicht. Heute u.a. mit André Greipel, Tyler Farrar, Dominik Nerz, Rohan Dennis, Eddy Merckx, Matthias Kessler und Jaan Kirsipuu.

Tour-Legende Alpe d'Huez: Stars, Stürze und Fan-Spektakel an 21 Kurven

Quelle: Eurosport

Der 4. Juli - kein Tour-Tag wie jeder andere:
Seine Premiere feiert 1952 der inzwischen legendäre Anstieg nach Alpe d'Huez bei der Tour. Es ist die erste Bergankunft in der Geschichte des Rennens und mit Fausto Coppi gewinnt einer der Größten der Geschichte im Skiort. Als Solist triumphiert der Italiener nach 266 Kilometern, erobert das Gelbe Trikot und gibt es bis Paris nicht mehr ab.
Bei dieser 39. Tour folgen auf die Bergankunfts-Premiere gleich zwei weitere dieser damals neuartigen Etappen: Eine endet im italienischen Sestriere, die andere am Puy de Dôme - und beide gewinnt ebenfalls Coppi.
Die Begeisterung über Bergankünfte aber hält sich sehr in Grenzen, die Neuerung kommt nicht besonders gut an und es sollte über 20 Jahre dauern, bis die Tour 1976 erstmals wieder nach Alpe d'Huez zurückkehrt.
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Fausto Coppi auf dem Weg nach Alpe d'Huez bei der Tour de France 1952

Fotocredit: Getty Images

Einen großen Gänsehaut-Moment gab es 2011 in Redon: Dort lässt ein entfesselter Tyler Farrar dem Rest der Sprint-Elite keine Chance und holt seinen ersten Etappensieg bei einer Tour - einen Tag, nachdem er mit seiner Garmin-Truppe das Mannschaftszeitfahren gewonnen hat. Am "Independence Day" ein besonders wertvoller Sieg für den US-Amerikaner, doch das ist dennoch nur eine Randnotiz.
Auch dass niemand geringerer als der Weltmeister und Gelb-Träger Thor Hushovd höchstpersönlich den Sprint für Farrar anfährt, im Normalfall eine eigene Geschichte wert, spielt keine Rolle.
Denn es geht um mehr als nur Sport. Direkt nach der Zielpassage zeigt es Farrar an: Er formt mit den Händen ein "W" - zur Erinnerung an seinen besten Freund Wouter Weylandt. Dieser war beim Giro einige Wochen zuvor tödlich gestürzt, ein Unglück, das den Radsport tief schockte. Das Drama um den Belgier ereignete sich auf der 3. Etappe der Italien-Rundfahrt, nun gewinnt Farrar das 3. Teilstück der Tour in Erinnerung an den Leopard-Profi.
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Tyler Farrar jubelt 2011 bei der Tour de France in Gedenken an Wouter Weylandt

Fotocredit: Imago

Wie gesagt ist der 4. Juli ja eigentlich der Feiertag der US-Amerikaner. Eigentlich ist er aber auch der inoffizielle Nationalfeiertag Estlands - zumindest bei der Tour. Zwölf Sommer lang vertritt Jaan Kirsipuu die Farben des baltischen Staates im Feld und wird dabei zu einer Sport-Ikone seines Landes. Vier Etappensiege glücken ihm dabei - und der erste im Jahr 1999 ebenso wie der letzte 2004 gelingen dem bulligen Sprinter, der es nie bis Paris schaffte, an einem 4. Juli.
Die estnische Premiere bei der Tour kommt 1999 gleich auf der 1. Etappe, als Kirsipuu im Trikot des estnischen Meisters in Challans u.a. Asse wie Tom Steels und Erik Zabel hinter sich lässt (Bild unten). Und auch fünf Jahre später schlägt er auf der 1. Etappe zu: Im belgischen Charleroi fährt ihm Teamkollege Jean-Patrick Nazon (5.) den Sprint so perfekt an, dass Robbie McEwen und Thor Hushovd geschlagen sind.
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Jaan Kirsipuubei der Tour de France 1999 vor Erik Zabel (r.)

Fotocredit: Getty Images

"Doppelpacker" ist aber an diesem Datum auch ein deutscher Sprinter: André Greipel hat 2012 und 2013 den Tagessieg am 4. Juli geholt: Zuerst lässt er in Rouen Alessandro Petacchi &. Co hinter sich, ein Jahr später in Montpellier im Meistertrikot Peter Sagan, Marcel Kittel und Mark Cavendish.
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Tour de France 2013: Andre Greipel dominiert in Montpellier

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Pech hat hingegen ein deutscher Hoffnungsträger am 4. Juli 2015: Beim Auftakt-Zeitfahren in Utrecht lässt Bora-Kapitän Dominik Nerz das Material im Stich:
Sein Lenker macht sich teilweise selbstständig und für den Allgäuer wird die Jagd nach jeder Sekunde zur Herausforderung, alle Teile des Rades über den Zielstrich zu bringen ...
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Dominik Nerz beim Tour-Auftakt 2015

Fotocredit: Imago

Während Nerz im Zeitfahren ausgebremst wird, nutzt der Tagessieger Rohan Dennis den flachen und wenig kurvigen Kurs in Utrecht zu einer Rekordfahrt: Der Australier, gezielt mit einer frühen Startnummer auf den Kurs gegangen, rast die 13,8 Kilometer mit einem Schnitt von 55,446 km/h entlang - die bisherige Bestmarke (55,152) hatte der Brite Chris Boardman 21 Jahre zuvor in Lille aufgestellt. Damals war die Strecke allerdings um die Hälfte kürzer - seine Leistung bleibt der schnellste Tour-Prolog.
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Rohan Dennis bei der Tour de France 2015

Fotocredit: Getty Images

Historisch ist auch der 4. Juli des Jahres 1969 - denn da nimmt eine bislang unerreichte Siegesserie ihren Anfang. Bei der Bergankunft am Ballon d'Alsace gewinnt ein gewisser Eddy Merckx als Solist und feiert auf der 6. Etappe seinen ersten Tagessieg bei der Tour. Dazu übernimmt der Belgier auch wieder das Gelbe Trikot, das er zu Tour-Beginn schon kurz trug - und gibt es bis Paris nicht mehr ab.
Es ist der erste von 34 Etappensiegen des "Kannibalen" (jahrzehntelang der Tour-Rekord), allein bei dieser Tour sollten noch fünf weitere folgen.
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Eddy Merckx - Tour de France 1969

Fotocredit: Getty Images

Schließlich soll der 4. Juli 2006 nicht vergessen werden, auch wenn der Triumph von Matthias Kessler, das ist nicht zu verschweigen, seinen Beigeschmack hat. Doch im Finale jener 3. Etappe in Valkenburg kann ihn bergan keiner halten und der Franke stürmt zum Tagessieg.
Vor allem aber ist das heute eine Gelegenheit, sich daran zu erinnern, dass Sport nur eine Nebensache ist - und dass die wirklich wichtigen Dinge andere sind: Etwa, dass Kesslers Lebensweg nicht im Januar 2010 bei seinem furchtbaren Trainingssturz auf Mallorca endete.
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Matthias Kessler bei seinem Tour-Etappensieg 2006

Fotocredit: Getty Images


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