Tour de France - Experten schießen wegen unzureichender Hitze-Maßnahmen gegen Veranstalter: "Das sind Clowns"
VonNiklas Bien
Publiziert 09/07/2026 um 10:56 GMT+2 Uhr
Die extremen Temperaturen bei der machen den Fahrern seit Beginn der Tour de France zu schaffen. Am Dienstag haben die Veranstalter reagiert und die Regularien für die Verpflegungszonen erweitert. Trotzdem hagelte es Kritik – zu spontan und zu spät seien die Anpassungen gekommen. Vor allem den französischen Ex-Profi Jérôme Coppel brachte der Umgang der Veranstalter mit der Hitze auf die Palme.
Denz nach Hitze-Etappe: "Für mich war es ein bisschen zu schwer"
Quelle: Eurosport
"Sie haben erst nach vier Renntagen erkannt, dass es gut wäre, wenn wir unsere Fahrer den ganzen Tag über mit Wasser und Eis versorgen könnten", schimpfte der ehemalige Radprofi Marc Madiot am Mittwoch bei "RMC Sport".
Die Fahrer hatten in den ersten Tagen der Frankreich-Rundfahrt immer wieder über die Bedingungen geklagt, Tom Pidcock sprach aufgrund der Hitze vielsagend von einer "Kriegszone".
Seit Dienstag erlauben der Radsport-Weltverband UCI und Tour-Veranstalter ASO eine ausgiebigere Nutzung der Verpflegungszonen: Statt einzelner Flaschen dürfen die Teamverantwortlichen nun Verpflegungsbeutel weitergeben, in denen sich mehrere Flaschen befinden.
Der Ansatz ist der richtige, die Umsetzung stieß aber unter anderem bei Visma-Sportdirektor Marc Reef auf Gegenwind: "Es ist gut, dass sie etwas unternehmen, aber wir haben die Nachricht am Dienstag erst um 10 Uhr erhalten. Daher ist es schwierig, noch etwas zu ändern und die Begleitfahrzeuge vorzubereiten", kritisierte der Niederländer bei "TV 2 Sport".
Wegen der spontanen Regeländerung sei innerhalb der Teams ein regelrechtes "Chaos" ausgebrochen.
Coppel holt zum Rundumschlag aus
Noch deutlicher wurde "RMC"-Experte Jérôme Coppel. "Die Maßnahmen der UCI bringen nichts. Die haben doch die Frechheit, Eiswürfel in den Socken zu verbieten, weil sie Angst haben, dass das die Körperform des Fahrers verändert und die Aerodynamik verbessert", sagte der ehemalige Tour-Teilnehmer und spielte damit auf das Mannschaftszeitfahren an, als den Fahrern genau diese Maßnahme untersagt worden war.

Jérôme Coppel fuhr 2016 seine letzte Tour de France
Fotocredit: Getty Images
"Wir reden hier von einem Eiswürfel, der in zwei Minuten schmilzt! Die Gesundheit des Fahrers hingegen ist ihnen egal. Ich verstehe das nicht: Bei der Fußball-WM ist es derzeit weniger heiß, und trotzdem gibt es dort Erfrischungspausen, oder?”, sagte Coppel, der zum Rundumschlag ausholte.
"Die UCI macht, was sie will. Wenn es so heiß ist, sollten die Fahrer sich verpflegen können, wann sie wollen, wo sie wollen und wie sie wollen. Aber über ihnen stehen diese Leute, die sich selten auf ein Fahrrad gesetzt haben. Die sollen doch mal einen Tag lang in ihrem Auto sitzen, ohne die Klimaanlage einzuschalten!", polterte der 39-Jährige.
Coppel malt Horrorszenario
"Aber nein, es ist wichtiger, über die Größe der Socken und den Neigungswinkel der Lenkergriffe zu reden. Das ist ein Zirkus", so Coppels Fazit.
"Stellen wir uns vor: Morgen bekommt ein Fahrer einen Hitzeschlag, ihm wird schwindelig und er wird ohnmächtig, während er mit 80 km/h eine Abfahrt hinunterfährt. Was wird man dann sagen? Tut mir leid, aber das sind Clowns”, schloss der ehemalige Radprofi seine emotionale Ansage ab.
Am Donnerstag führt die Strecke über den legendären Col du Tourmalet – ohne Eiswürfel in den Socken, dafür mit einer ausgiebigeren Verpflegung.
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