Chris Froome erster Anwärter auf den Gesamtsieg bei der Vuelta a España

In Abwesenheit von Titelverteidiger Nairo Quintana (Movistar) gilt Tour-Sieger Chris Froome (Sky) auch bei der 72. Vuelta a Espana als der große Favorit. Deshalb ist der Brite im großen Favoritencheck von "radsport-news.com" der absolute Top-Favorit. Doch die Riege der Herausforderer um die Ex-Sieger Vincenzo Nibali, Fabio Aru und Alberto Contador ist lang.

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Topfavorit

Chris Froome (Sky): Nach drei zweiten Plätzen peilt der Brite bei seinem sechsten Start seinen ersten Vuelta-Gesamtsieg an. Der Tour-Gewinner der seit seinem Erfolg bei der Frankreich-Rundfahrt Ende Juli keine Rennen mehr bestritt, ist in diesem Jahr besonders motiviert, das Double einzufahren. Denn der 32-Jährige liebäugelt damit, in der kommenden Saison auch den Giro auf Gesamtwertung zu fahren und könnte so alle drei großen Landesrundfahrten am Stück gewinnen.
Für seine Mission hat Froome eine starke Helferriege an seiner Seite. Mikel Nieve, Wout Poels und Diego Rosa fürs Hochgebirge, Christian Knees, Ian Stannard und Salvatore Puccio fürs Flache und David Lopez und Gianni Moscon für dazwischen. Ein solch starkes Team sucht man im weiteren Vuelta-Feld vergebens.
Die anspruchsvolle Strecke dürfte Froome liegen, im 40 Kilometer langen Einzelzeitfahren in der dritten Vuelta-Woche sollte er unter den Klassementfahrern klar der stärkste sein und da der Sky-Kapitän vor der Tour de France in der ersten Jahreshälfte einen sehr schmalen Rennkalender hatte, müsste er auch noch die nötige Frische für seine zweite GrandTour haben. Kurzum: An Froome führt diesmal kein Weg vorbei.

Mitfavoriten

Vincenzo Nibali (Bahrain-Merida): Im Gegensatz zu Froome hat der Italiener bereits die Vuelta gewonnen und auch schon alle drei Landesrundfahrten zu seinen Gunsten entschieden. Dies wird dem Bahrain-Merida-Kapitän zwar zu einem Hauptkonkurrenten machen. Doch ob Nibali, der sich in einem Höhentrainingslager auf die Vuelta vorbereitet hat und zuletzt guter Neunter der Polen-Rundfahrt wurde, Froome im Hochgebirge abschütteln kann, bleibt abzuwarten. Dazu kommt, dass der 32-Jährige zwar ein solides Team an seiner Seite hat, im Hochgebirge kann er, wenn es hart auf hart kommt, aber wohl nur auf die Unterstützung seines Landsmanns Franco Pellizotti bauen.
Fabio Aru (Astana): Auch Nibalis befreundeter Landsmann hat schon die Vuelta gewonnen. Im Gegensatz zu Nibali bestritt der 27-Jährige die Tour de France, wo er zwischenzeitlich im Gelben Trikot fuhr, am Ende aber, behindert durch eine Bronchitis, nur Fünfter wurde. Wie Froome ist auch Aru seit der Tour keine Rennen gefahren und hat sich in seiner Schweizer Wahlheimat Lugano fit gemacht für die Vuelta.
Der Astana-Profi gibt zwar an, die Spanienrundfahrt auf Gesamtwertung fahren zu wollen, allerdings sagte er auch, er würde nur von Tag zu Tag zu schauen. Die bergige Strecke müsste ihm liegen, allerdings bleibt abzuwarten, wie Aru zwei GrandTours am Stück verträgt. Es ist nämlich das erste Mal, dass er das Doppel Tour und Vuelta bestreitet.
Miguel Angel Lopez (Astana): Sollte Aru bei der Vuelta schwächeln, muss das für Astana nicht zum Problem werden. Denn mit dem Kolumbianer hat der kasachische Rennstall noch ein zweites Ass im Ärmel. Verletzungsbedingt konnte der mit 23 Jahren jüngste Klassement-Anwärter erst im Sommer ins Renngeschehen eingreifen. Somit dürfte Lopez zumindest über die nötige Frische verfügen. Dass er formtechnisch auf dem richtigen Weg ist, zeigen die Ergebnisse. So wurde er Dritter der Österreich-Rundfahrt, wo er die Etappe mit Ziel am Kitzbüheler Horn gewann.
Auch bei der Burgos-Rundfahrt konnte er einen Etappensieg einfahren und zudem Dritter in der Gesamtwertung werden. Ein Fragezeichen steht allerdings dahinter, wie Lopez sich über drei Wochen schlägt. Die Vuelta im letzten Jahr war seine erste GrandTour überhaupt und diese musste er vorzeitig beenden. Die Helferriege von Lopez und auch Aru, die sich ja gegenseitig zum unterstützen haben, kann sich auch sehen lassen. Hier kommen Luis Leon Sanchez, Jesper Hansen und Pello Bilbao vor allem für das Hochgebirge in Frage.
Rafal Majka (Bora-hansgrohe): Nachdem er bei der Tour de France seine Klassementhoffnungen nach Sturz-Aus ad acta legen musste, will der Pole nun bei der Vuelta einen neuerlichen Anlauf nehmen, um sich bei einer dreiwöchigen Landesrundfahrt ganz weit vorne zu platzieren. Die Teamleitung hat die Top Fünf als Ziel ausgegeben, was realistisch erscheint. Die bergige Streckenführung liegt dem 27-Jährigen, der sich mit dem zweiten Gesamtrang bei der Polen-Rundfahrt von seinem Tour-Sturz bestens erholt zeigte.
Mit Emanuel Buchmann und Patrick Konrad hat der Bora-Kapitän zudem im Hochgebirge brauchbare Helfer. 2015 fuhr Majka bei der Vuelta mit Rang drei sein bestes GrandTour-Ergebnis ein. Dafür bräuchte es aber einen idealen Rennverlauf und eine durchgehend gute Tagesform.
Esteban Chaves (Orica-Scott): Bei seiner ersten Tour de France im Juli verkaufte sich der Kolumbianer als 62. der Gesamtwertung weit unter Wert. Umso motivierter dürfte der Kletterspezialist sein, bei der Vuelta seinen dritten Platz aus dem Vorjahr zu wiederholen. Allerdings muss man abwarten, ob Chaves bei Orica-Scott überhaupt freie Bahn erhält. Denn mit den Brüdern Adam und Simon Yates stehen noch zwei starke Rundfahrter im Aufgebot. Die Teamleitung kündigte an, dass das Rennen zeigen solle, wer der Stärkste ist.
Sollte es Chaves sein, dann hat er mit den Yates-Brüdern aber auch Jack Haig starke Helfer an seiner Seite, mit denen er im Hochgebirge auch Froome angreifen kann. Sein großes Problem könnte das 40 Kilometer lange Einzelzeitfahren in der letzten Woche werden. Hier dürfte der 27-Jährige unter den Klassementfahrern zu den schwächsten gehören. Der Faktor Frische dürfte nach der Tour indes nicht negativ ins Gewicht fallen. Denn der Kolumbianer fuhr nach der Frankreich-Rundfahrt keine Rennen und auch vor der Tour brachte er es nur auf 20 Renntage.
Alberto Contador (Trek-Segafredo): Bei der letzten großen Landesrundfahrt seiner Karriere geht der Spanier zwar hochmotiviert und dazu noch mit der Startnummer 1 ins Rennen. Doch dass er am Ende der drei Wochen die Nummer 1 sein wird, ist unwahrscheinlich. Der 34-Jährige wird auf den schweren Etappen zwar versuchen, ein Offensivfeuerwerk abzubrennen, doch schon die Tour de France zeigte, dass er in den schweren Anstiegen nicht mit den besten wird mithalten können.
Bei der Tour wurde er Neunter, es war sein schwächstes GrandTour-Ergebnis seiner Laufbahn, abgesehen von Rang 31 bei seinem Tour-Debut 2005. Dies ist auf der einen Seite eine beeindruckende Bilanz, zeigt andererseits aber auch ein Abwärtstrend. Denn seine letzten vier GrandTours konnte er allesamt nicht auf dem Podium beenden. Die Vuelta hat er insgesamt drei Mal gewonnen, ein vierter Sieg wird ganz sicher nicht dazu kommen. Ein Etappensieg und ein Platz zwischen fünf und zehn scheint die realistischere Variante und würden Contador zum Abschluss seiner langen Karriere sicherlich auch zufriedenstellen.
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