Vuelta 2023 - Geraint Thomas als "tragischer Held": Voigt kritisiert exklusiv Ineos-Verhalten

Geraint Thomas erlebt eine Vuelta 2023 zum Vergessen. Auf der 15. Etappe kam der 37-Jährige bereits zum dritten Mal bei dieser Spanien-Rundfahrt zu Fall. Dass sich kein Teamkollege zum Ineos-Kapitän zurückfallen ließ, stimmte Experte Jens Voigt traurig. Gegenüber Eurosport.de bemängelte er fehlenden Respekt vor der britischen Ikone und bezeichnete Thomas als "tragischen Helden".

Kein Respekt? Thomas muss sich nach Sturz alleine zurückkämpfen

Quelle: Eurosport

Eine Rundfahrt voller Pleiten, Pech und Pannen: Geraint Thomas war als Mitfavorit zur Vuelta a España gefahren, hielt die Hoffnungen von Ineos Grenadiers für das Gesamtklassement hoch. 15 Etappen später hat der Brite mehr als eine Stunde Rückstand auf Sepp Kuss im Roten Trikot - und dabei zwei harte Wochen hinter sich.
Denn der Gewinner der Tour de France von 2018 ist bei der Spanien-Rundfahrt bislang vom Pech verfolgt. Schon drei Mal kam der 37-Jährige zu Fall, zuletzt am vergangenen Sonntag. Rund 33 Kilometer vor dem Ziel in Lekunberri stürzte Thomas erneut.
Mit blutendem Ellenbogen und zerrissenem Trikot kämpfte er sich nur in Begleitung von Clement Davy (Groupama-FDJ) den Puerto de Zuarrarrate hinauf und zurück ins Peloton. Dass sich kein Teammitglied zum Kapitän vom britischen Team Ineos Grenadiers zurückfallen ließ, stieß bei Eurosport-Experte Jens Voigt auf großes Unverständnis.
"Er hat über Jahre das freundliche Image der Mannschaft auf seinen Schultern getragen. Da kann man doch mal sagen, wir müssen einen abstellen", ärgerte sich der 51-Jährige und bemängelte mangelnden "Respekt" gegenüber dem Routinier, der in den zurückliegenden Jahren bei der Tour de France alle drei Podestplätze in der Gesamtwertung belegt und erst im Mai die Italien-Rundfahrt noch als Zweiter beendet hatte.

Thomas bei der Vuelta vom Pech verfolgt

"Er hat Ineos beim Giro im Alleingang gerettet. Nun ist der hier schon das dritte Mal gestürzt. Da liegt er blutend am Boden und keiner wartet", kritisierte Voigt.
picture

Jumbo-Schreck: Roglic stürzt, Vingegaard bremst Peloton aus

Quelle: Eurosport

An eine Aufgabe dachte der Brite trotz der für ihn schwarzen zwei Wochen dennoch in keinem Fall. "Mein Rücken tut ein bisschen weh, aber so ist das bei dieser Vuelta: ein Schritt vorwärts, aber dann zwei Schritte zurück", erklärte Thomas nach dem Rennen am Sonntag, betonte aber auch, sich auf den Ruhetag zu freuen.
Ein Kämpferherz, das bei der Spanien-Rundfahrt 2023 schon einige Male auf die Probe gestellt wurde.
Schon auf der zweiten Etappe stürzte er, nachdem Primoz Roglic (Jumbo-Visma) vor ihm zu Fall kam. Auf dem siebten Teilstück kollidierte er mit seinem Teamkollegen Kim Heiduk. Auf der elften Etappe befand er sich in der Fluchtgruppe und schnupperte am Tageserfolg, doch Jesús Herrada hatte schlussendlich die stärksten Beine. Im Zeitfahren bremste ihn ein technischer Defekt an seinem Rad aus, ehe er vor dem Ruhetag ein drittes Mal crashte. Eine Seuchentour.

Voigt exklusiv: Thomas ist der "tragische Held"

Dennoch ist Thomas im Klassement weiterhin der bestplatzierte Fahrer seiner Mannschaft. Wenngleich der Traum vom Roten Trikot schon seit einigen Tagen ausgeträumt ist.
picture

Geraint Thomas bei der Spanien-Rundfahrt 2023

Fotocredit: Getty Images

Ein Faktor, weswegen keiner der Teammitglieder zur Unterstützung kam? "Du bist im Radsport echt nur so gut wie dein letztes Ergebnis gestern", legte Voigt den Finger in die Wunde: "Ich hätte erwartet, dass einer zurückgeschickt wird als moralische Stütze. Einfach als Dankeschön und als Anerkennung. Damit er sieht, dass das Team auch noch an ihn denkt, selbst wenn er 37 Jahre ist und die Rundfahrt vielleicht nicht mehr gewinnen wird."
Stattdessen war Thomas zunächst auf sich alleine gestellt - und rollte schließlich mit 17:30 Minuten Rückstand auf Etappensieger Rui Costa über die Ziellinie. "Ich fand es traurig, dass sie ihn da alleine haben herumfahren lassen." Schon im Live-Kommentar auf Eurosport 1 am Sonntag hatte Voigt Mitgefühl mit dem Kapitän der Ineos-Mannschaft geäußert.
"Wie hart muss das für dich als ehemaligem Tour-Sieger sein? Das muss man im Kopf erst einmal verdauen." Für Voigt ist Thomas daher der "tragische Held" dieser 78. Vuelta a España.
Bleibt zu hoffen, dass ihm sein Kämpferherz in der Schlusswoche zumindest einen Glanzmoment beschert.
Das könnte Dich ebenfalls interessieren: Kuss vor Schlusswoche selbstbewusst: "Ich werde besser"
picture

Thomas: "Wollten in den Kurven locker machen"

Quelle: Eurosport

Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung