Vuelta 2024: "Das war kein Unfall" - Vorwürfe gegen Decathlon-AG2R La Mondiale nach Sturz von Richard Carapaz
VonJan Zesewitz
Update 29/08/2024 um 16:40 GMT+2 Uhr
Einige Mitglieder des Teams Decathlon-AG2R La Mondiale wurde im Nachgang der 11. Etappe der Vuelta a España wegen Fehlverhalten mit einer neu eingeführten gelben Karte verwarnt. Zudem zog die Equipe des Gesamtführenden Ben O'Connor nach einem Sturz von Richard Carapaz den Ärger von dessen Teammanager Jonathan Vaughters auf sich. Der Mann im Roten Trikot sieht die Schuld an anderer Stelle.
O'Connor über Vorwürfe: "Mein Team hat nichts falsch gemacht"
Quelle: Eurosport
"Das war ziemlich gemein", schrieb EF Education-EasyPost-Manager Vaughters bei "X" und postete dazu ein kurzes Video vom Sturz seines Kapitäns Carapaz.
Kurz darauf legte er nach - und postete den Clip noch einmal mit dem Kommentar: "Unfälle passieren im Radsport. Das wissen wir alle. Aber das war kein Unfall."
Rund 90 Kilometer vor dem Ziel der 11. Etappe entschied das Team um den Gesamtführenden, dass die Spitzengruppe groß genug sei und versuchte weitere Attacken zu verhindern. Dafür fuhr die Mannschaft geschlossen an die Spitze und machte sich dort breit - nicht unüblich im Radsport.
Carapaz wollte sich noch am AG2R-Block vorbeischieben und kam am Straßenrand zu Fall. In Vaughters' Video ist die entscheidende Szene aus der Helikopter-Perspektive allerdings von Bäumen verdeckt. Nach Ansicht des Teamchefs wurde der Ecuadorianer von einem Fahrer der französischen Equipe von der Straße gedrängt.
Gelbe Karten und Geldstrafen für das Team
Auch nach Ansicht der Vuelta-Jury war Decathlon-AG2R etwas zu aggressiv mit seiner Straßenblockade. Die Fahrer Victor Lafay, Bruno Armirail, Geoffrey Bouchard und Teamchef Cyril Dessel wurden mit einer Gelben Karte verwarnt.
Lafay wurden ein Punkt in der Bergwertung und sechs Punkte in der Punktewertung abgezogen, er erhielt zehn Strafsekunden in der Gesamtwertung und eine Geldstrafe von 500 Schweizer Franken. Für Dessel wurde die Strafe auf 1.000 Schweizer Franken erhöht.
Der Grund für die Strafe war laut Jury-Bericht "Behinderung durch einen Fahrer, um die Bewegung eines anderen Fahrers oder Fahrzeugs zu verhindern oder zu verzögern" - ein klarer Bezug auf den Vorfall mit Carapaz.
Das System der Gelben Karten wurde zum 1. August eingeführt und bleibt in dieser Testphase noch ohne Konsequenzen. Ab dem 1. Januar 2025 sind sie fester Bestandteil des UCI-Regelwerks und sollen für Wiederholungstäter steigende Strafen beinhalten.
O'Connor schlägt zurück - und löscht
Für O'Connor sind die Strafen und Verwarnungen ungerechtfertigt. "Inwiefern waren denn die Aktionen meiner Teamkollegen gefährlich?", fragte er die UCI via "X". "Wir haben die Straße blockiert, wie es in jedem Rennen vorkommt. Wir haben nie einen Sturz verursacht oder einen Fahrer von der Straße gestoßen."
Der Gesamtführende beschwerte sich weiter - und drehte die Schuldfrage sogar um. "Die Gelbe Karte soll bei gefährlicher Fahrweise eingesetzt werden. Also zum Beispiel, wenn wir an der Spitze fahren und ein Fahrer versucht, über den Schotter neben der Straße vorbeizufahren - wäre das nicht gefährlich?"
O'Connor hat inzwischen anscheinend nicht nur diese Posts, sondern seinen gesamten Account gelöscht. Auf dem Video von Vaughters ist die Ursache des Sturzes tatsächlich nicht eindeutig ersichtlich.
Insgesamt wurden nach der 11. Etappe sieben Gelbe Karten ausgeteilt - während der zehn vorangegangenen Etappen waren es zusammengenommen nur zwei.
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