Vuelta 2024 - Primoz Roglic kassiert Dämpfer auf 6. Etappe und verliert Rotes Trikot: "Dinge liefen aus dem Ruder"
Publiziert 22/08/2024 um 22:11 GMT+2 Uhr
Primoz Roglic (Red Bull-Bora-hansgrohe) hat auf der 6. Etappe der Vuelta a España das Rote Trikot an Ben O'Connor (Decathlon AG2R La Mondiale Team) verloren. Eine Situation, die vom Slowenen und seiner Équipe durchaus beabsichtigt war - deren Ausmaß ihnen nun aber sauer aufstößt. "Die Dinge liefen aus dem Ruder", gab Sportdirektor Patxi Vila zu und befürchtet einen harten Kampf um den Gesamtsieg.
Roglic verliert das Rote Trikot - Highlights der 6. Etappe
Quelle: Eurosport
So hatte sich das Primoz Roglic nicht vorgestellt.
Zwei Tage nach seinem Triumph bei der ersten Bergankunft der diesjährigen Spanien-Rundfahrt und der damit verbundenen Übernahme des Roten Trikots herrscht beim Slowenen und Red Bull-Bora-hansgrohe am Donnerstag nämlich Ratlosigkeit.
Zwar spielte Roglic tags zuvor selbst mit dem Gedanken, die Gesamtführung vorübergehend an einen ungefährlichen Konkurrenten abzugeben - an einen Rückstand von 4:51 Minuten hatte der Routinier dabei aber wohl nicht gedacht.
"Wir können nicht alles kontrollieren", hielt sich Roglic nach der Bergankunft in Yunquera kurz: "Florian (Lipowitz, Anm. d. Red.) hat einen guten Job gemacht, es war knifflig mit rutschigen Abfahrten, also kann ich damit zufrieden sein."
Roglic reagiert schmallippig
Die Frage nach der Gefahr, die von einem Fahrer wie Ben O'Connor im Kampf um den Gesamtsieg ausgeht, beantwortete er nur schmallippig: "Das werden wir am Ende des Rennens sehen."
Während sich Roglic nach dem Dämpfer in den südspanischen Bergen mit großen Analysen zurückhielt, ließen die Aussagen von Patxi Vila schon tiefer blicken.
"Die Dinge liefen aus dem Ruder", blickte der Sportdirektor von Red Bull-Bora-hansgrohe auf die verpasste Chance in der Ausreißergruppe.
Plan von Roglic und Co. geht nicht auf
Dort war mit Lipowitz ein Fahrer vertreten, der am Donnerstag gleich zwei Rollen spielte. Einerseits sollte der Deutsche mit einer möglichen Flucht in der Gesamtwertung weit nach oben klettern.
Andererseits sollte er dafür sorgen, dass die anderen Teams im Peloton ebendies zu verhindern versuchen und die Lücke zu den Ausreißern möglichst klein halten - und damit Roglic in die Karten spielen. Dieser Plan ging nicht auf.
"Als O'Connor so viel stärker war, als ich dachte, lief alles aus dem Ruder", gab Vila zu.
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Solo-Flucht par excellence: O'Connor klettert ins Rote Trikot
Quelle: Eurosport
Lipowitz verpasst seine Chance
27 Kilometer vor dem Ziel blies O'Connor zum Angriff und war im Gegensatz zu den gescheiterten Ausreißern vor ihm nicht mehr einzufangen.
"Was O'Connor gemacht hat, war unglaublich, so etwas habe ich selten gesehen", zollte Vila dem Australier Respekt: "Am letzten Anstieg hat er einfach keine Zeit verloren. Damit hätte ich nie gerechnet, das ist eine echte Überraschung."
Lipowitz gab zu, dass man es einfach verpasst hatte, O'Connor zu folgen: "Er war einfach weg." Im Vorfeld der Attacke des Tagessiegers habe in der Ausreißergruppe Uneinigkeit geherrscht. "Niemand hat gearbeitet, es gab viele Attacken und leider war ich nicht bei Ben", führte er weiter aus: "Ich hatte supergute Beine und bin mit meiner Form zufrieden. Aber ich hätte mehr tun können."
So nutzte O'Connor die Gunst der Stunde, machte sich aus dem Staub und stürmte ins Rote Trikot.
O'Connor: "War in meiner eigenen Welt unterwegs"
Der Mann des Tages geriet nach seinem Kunststück ins Schwärmen. "Ich war heute wirklich in meiner eigenen Welt unterwegs", erklärte O'Connor im offiziellen Siegerinterview: "Es ist etwas ganz Besonderes, alles so kaputt fahren zu können. Ich habe jeden Moment davon genossen."
Die große Frage ist nun, ob O'Connor das Maillot Rojo in den kommenden Tagen halten und sogar um den Gesamtsieg fahren kann.
"Vielleicht. Vielleicht nicht. Es hängt davon ab, wie ich auf den nächsten Bergetappen drauf bin", ließ sich der 28-Jährige nicht in die Karten schauen: "Es ist jedenfalls eine großartige Gelegenheit und ich werde es so gut wie möglich genießen."
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O'Connor analysiert Doppelschlag: "Rennen hat sich geöffnet"
Quelle: Eurosport
Red Bull muss sich jetzt strecken
Bei Red Bull-Bora-hansgrohe geht man für die anstehenden Etappen jedenfalls von einer gewaltigen Herausforderung aus. 4:51 Minuten Rückstand sind happig.
"Schritt für Schritt, Stück für Stück, müssen wir tun, was wir können", gab Vila die Devise der deutschen Équipe vor und zeigte sich optimistisch: "Es liegt noch ein langer Weg vor uns, aber das Gute ist, dass das Team stark ist, das ist ein weiteres Plus."
Auf der 7. Etappe der Vuelta bietet sich Roglic und Co. die erste Chance auf Wiedergutmachung. Auf den 180 Kilometern zwischen Archidona und Córdoba erwartet das Peloton ein kniffliges Finale, das Terrain begünstigt im Schlussakt Attacken auf die Gesamtwertung (Freutaf ab 14:30 Uhr live und on-demand bei discovery+).
Vuelta-Traum von Yates zerschellt
Für Adam Yates (UAE Team Emirates) wird das Rote Trikot hingegen nur ein Traum bleiben.
Der britische Kletterspezialist kam in der Abfahrt vom Puerto Martínez auf den letzten 20 Kilometern der Etappe zu Sturz und handelte sich unter anderem dadurch einen Rückstand von 9:10 Minuten auf O'Connor ein.
Zwar blieb es beim 32-Jährigen nur bei Hautabschürfungen, der erneute Rückschlag wird an Yates aber etwas länger nagen.
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Milan zieht im Zielsprint durch und lässt Lidl-Trek jubeln
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