Vuelta 2024: Willkommen im Chaos der Spanien-Rundfahrt! Die packendste Grand Tour des Jahres mit ungewissem Ausgang

Lange Solofluchten, Topstars mit Fragezeichen, unklarer Ausgang und Rehe auf der Straße - die 79. Vuelta a España wirkt chaotisch und unkontrollierbar. Ohne Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard fehlen die klaren Dominatoren der vergangenen Jahre. Das lässt Spielraum für ein offenes Rennen, in dem sich auch die Außenseiter Chancen ausrechnen. Das bedeutet Spannung in den kommenden zwei Wochen.

Highlights: O'Connor kann mithalten - Yates leistet Großes

Quelle: Eurosport

"Man muss es einfach genießen und von Tag zu Tag schauen." Das war das Mantra von Primoz Roglic nach seinen erfolgreichen Tagen bei dieser Spanien-Rundfahrt. Das Zitat kann auch als Motto für den Zuschauer dienen nach diesen extrem heißen neun Auftakt-Tagen auf der iberischen Halbinsel.
Ein Spielfilm dieser ersten Vuelta-Woche zeigt die Unvorhersehbarkeit dieser Grand Tour. Nach nur vier Tagen gab es schon drei verschiedene Träger des Roten Trikots. Nach der ersten Bergankunft am Pico Villuercas schien Normalität einzukehren: Der Topfavorit Roglic führte in der Gesamtwertung und hatte bereits seinen ersten Etappensieg in der Tasche.
Etappe sechs stellte das erwartete Bild auf den Kopf: Ben O'Connor fuhr auf die Favoriten 6:31 Minuten heraus und fand sich plötzlich mit einer komfortablen Führung an der Vuelta-Spitze. Das Leader-Trikot zu Beginn der Rundfahrt an einen Ausreißer zu "verleihen" ist keine Seltenheit, aber der Australier wurde schon sowohl beim Giro d'Italia als auch bei der Tour de France Vierter und ging mit Podiumsambitionen an den Start in Lissabon.
Damit begann das Chaos. Red Bull-Bora-hansgrohe konnte während der achten Etappe etwas Normalität wiederherstellen. Roglic gewann in Cazorla und knabberte 56 Sekunden von seinem Rückstand weg. Die nächste schwere Bergetappe nach Granada sah mit Adam Yates den nächsten Solo-Sieger, Richard Carapaz machte Zeit gut und Roglic plagte sein vom Tour-Sturz lädierter Rücken. Vier Minuten hinter O'Connor ballen sich am ersten Ruhetag die Aspiranten auf eine Top-Platzierung: Roglic, Carapaz, Enric Mas, Mikel Landa, Yates, Carlos Rodriguez und einige mehr.

Vuelta 2024: Die Gründe für das Chaos

Bei diesem kurzen Abriss der Ereignisse wurde noch nicht einmal erwähnt, dass Mitfavorit João Almeida die Rundfahrt wegen einer Corona-Infektion beenden musste. Oder dass Titelverteidiger Sepp Kuss an entscheidender Stelle im Schlussanstieg der 8. Etappe stürzte und bei den Klassement-Kandidaten bislang keine Erwähnung fand. Oder dass die Fahrer bei bis zu 40 Grad "gekocht" werden, wie Spitzenreiter O'Connor nach der 8. Etappe sagte. Oder dass Giulio Ciccone und Txomin Juaristi von Rehen (!) zu Fall gebracht wurden.
Im inoffiziellen Ranking der Grand Tours liegt die Vuelta auf dem dritten Platz. Die Tour de France steht über allem, der Giro d'Italia hat die Historie und das gewisse italienische Etwas - genug für Platz zwei. Für die Fans von Spannung und Kuriositäten ist die Spanien-Rundfahrt aber genau das Richtige - sie ist wie ein cooles kleines Indie-Festival im Schatten von Rock am Ring und Hurricane.
Im vergangenen Jahr belegte Visma-Lease a Bike die Plätze eins bis drei - und der eigentliche Helfer Kuss gewann. Seit 2000 wurde die Rundfahrt elf Mal mit einem Vorsprung von weniger als einer Minute gewonnen. 2013 siegte mit Chris Horner ein 42-Jähriger - dessen bestes Ergebnis bei einer dreiwöchigen Landesrundfahrt bis dahin ein achter Platz war.
Die Vuelta ist fast alljährlich die Rundfahrt mit dem größten Favoritenkreis, junge Überraschungsfahrer treten erstmals auf den Plan und die vielen Anstiege sorgen für viele Möglichkeiten. Dieses Jahr ist keine Ausnahme. Einen klaren Favoriten gab es im Vorfeld ohne die Teilnahme von Pogacar, Vingegaard und Remco Evenepoel nicht. Mit Lennert van Eetvelt - und dem Deutschen Florian Lipowitz - sind auch die jungen Überraschungsfahrer schon gefunden.
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Schrecksekunde auf der Abfahrt: Mas entgeht Crash

Quelle: Eurosport

Ausblick auf zweite VUelta-Woche: Es wird bergig

Und durch diese Offenheit trauen sich auch viele Teams und Fahrer mehr zu. O'Connor wagte sich auf der 6. Etappe nach Yunquera 120 Kilometer in eine Spitzengruppe, die letzten 28 fuhr er alleine. Auf dem Weg nach Granada ging UAE Team Emirates nach dem Aus von Almeida mit einer "Nichts-zu-verlieren-Taktik" ins Rennen. Yates war 170 Kilometer Teil der Spitzengruppe, 58 fuhr er solo. Carapaz verfolgte Yates an diesem Tag über mehr als 70 Kilometer und belohnte sich mit Rang drei in der Gesamtwertung.
Es sieht nicht danach aus, als würde sich der Kampf mit offenem Visier in der zweiten Woche beruhigen. Am Ende sowohl der zehnten als auch der 11. Etappe steht eine Bergwertung kurz vor dem Ziel auf dem Programm und lädt zu Attacken ein, bevor die nächste Bergankunft an der Estación De Montaña De Manzaneda ansteht. Die 13. Etappe endet mit einer extrem steilen Bergankunft, das 14. Teilstück führt 15 Kilometer vor dem Ziel über einen 23 Kilometer langen Anstieg. Und die 15. Etappe ist - klar - eine anspruchsvolle Bergetappe.
Insgesamt gibt es bei dieser Vuelta neun Bergankünfte - bei der Tour waren es vier. Die Organisatoren laden das Chaos ein - und die Fahrer nehmen es dankend an. Auch wenn die Namen der Protagonisten dieser Vuelta nicht Pogacar oder Vingegaard heißen - für den Zuschauer ist es ein Radsport-Fest.
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Wildunfall! Rehe bringen Ciccone und Juariste zu Fall

Quelle: Eurosport


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