Vuelta 2026 - Jens Voigt exklusiv zum Aus von Tadej Pogacar: "Einzigartige Möglichkeit für Felix Gall und Enric Mas"
Eurosport bei GoogleJens Voigt analysiert im Exklusiv-Interview mit Eurosport.de die Situation von Tadej Pogacar, der die Vuelta nach einem Sturz aufgeben musste. Es habe sich um eine "nie wiederkehrende Verkettung von Ereignissen" gehandelt, wie der einstige Sieger der Deutschland Tour betont. Inzwischen wurde Pogacar erfolgreich operiert. Sein Fehlen biete anderen Profis "eine einzigartige Möglichkeit", so Voigt.
Hier stürzt Pogacar: Stein schuld an Aus des Dominators?
Quelle: Eurosport
Die Sache schien ausgemacht: Tadej Pogacar würde ungefährdet seinem ersten Gesamtsieg der bei der Spanien-Rundfahrt entgegenfahren. Der Vorsprung vor Beginn der verhängnisvollen 8. Etappe betrug satte 3:50 Minuten.
Es kam anders. Pogacar stürzte, musste das Rennen mit einer Reihe an Verletzungen aufgeben. Immerhin scheint "der Wirbelbruch nicht so gefährlich zu sein, dass eine dauerhafte Einschränkung zu erwarten wäre", erklärt Jens Voigt im Gespräch mit Eurosport.de.
Pogacar habe sich zwei Tage nach dem Sturz einer "erfolgreichen Operation am linken Schlüsselbein" unterzogen, teilte indes das UAE Team Emirates-XRG mit.
Der Ausfall des Tour-de-France-Siegers und Dominators hat derweil die Statik der Vuelta komplett verändert. Für viele Top-Ten-Fahrer sei dies nun die "erste und vielleicht einzige Möglichkeit, in ihrem Leben eine Grand Tour zu gewinnen", betont Voigt.
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Tadej Pogacar musste die Vuelta 2026 nach einem Sturz abbrechen
Fotocredit: Imago
Pogacar wird indes mit einiger Wahrscheinlichkeit auf die Weltmeisterschaften verzichten müssen, für die Heim-EM ab 3. Oktober aber sieht Eurosport-Experte Voigt eine realistische Chance, dass der 27-Jährige an der Startlinie steht.
Das Pogacar-Aus beschäftigt die Radsport-Welt. Vielleicht mal aus Sicht des Ex-Radsportlers gefragt: Was macht so ein schwerer Sturz mit einem, vor allem mental?
Jens Voigt: Stürze hatte er ja schon ein paar. Einen schweren aber nur bei Lüttich-Bastogne-Lüttich 2023, als er sich das Handgelenk gebrochen hat. Pogacar ist niemand, den man mit normalen Maßstäben bemessen kann. Wir haben aber genügend Beispiele von Fahrern, die nach schweren Stürzen nie wieder an ihr vorheriges Niveau herangekommen. So etwa Chris Froome 2019. Die reale Möglichkeit besteht also, dass in Zukunft ein Prozent fehlt. Aber: Er ist gestürzt durch eine wahrscheinlich nie wiederkehrende Verkettung von Ereignissen. Das wird es nicht nochmal geben. Ich denke, er wird ohne spürbare Leistungseinbußen zurückkommen. Er hat bereits ein "Rock-On-Zeichen" aus dem Krankenhaus geschickt.
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Eurosport-Experte Jens Voigt kommentiert und analysiert die Vuelta
Fotocredit: Eurosport
Werden wir Pogacar 2026 noch einmal auf dem Rad sehen? Unter anderem steht ja die Heim-EM in Slowenien an, bei der er unbedingt fahren wollte …
Voigt: Ich hatte schon drei Schlüsselbeinbrüche, das hat mich in dem Sinne nicht eingeschränkt. Das wird operiert und theoretisch kannst du vier, fünf Tage später wieder auf die Rolle. Bei der Gehirnerschütterung muss man abwarten, da greift das Protokoll und du kannst nichts beschleunigen. Das musst du aussitzen und dem Körper Zeit geben, zu heilen und zu regenerieren. Der Wirbelbruch scheint auch nicht so gefährlich zu sein, dass eine dauerhafte Einschränkung zu erwarten wäre. Aber er wird Leistungseinbußen hinnehmen müssen. Die WM ist in drei Wochen. Pogacar ist doppelter Weltmeister, er fährt nicht auf gut Glück dorthin und hofft, dass er Elfter wird. Wahrscheinlich ist, dass er länger Pause macht, um wirklich vollständig gesund zu werden und alle Risiken auszuschließen. Bei der EM (ab 3. Oktober) wird er, denke ich, fahren. Bis dahin sind es noch fünf Wochen. Er hat die beste medizinische Versorgung. Wenn die Röntgenbilder zeigen, dass alles verheilt ist, dann freie Fahrt.
Für viele Fahrer in den Top Ten ist das die erste und vielleicht einzige Möglichkeit, in ihrem Leben eine Grand Tour zu gewinnen. Kein Del Toro, kein Evenepoel, kein Vingegaard - und nun ist auch Pogacar nicht mehr am Start.
Was bedeutet das Aus für den weiteren Verlauf der Vuelta? Auf der 9. Etappe am Sonntag hat man schon feststellen können, dass die Dynamik nun eine ganz andere ist.
Voigt: Ja, aber man hat auch gesehen, dass die ein oder andere Mannschaft noch in ihre neue Rolle hineinwachsen muss. Vorher war immer die Frage: Was macht Pogacar? Danach haben die anderen Teams ihren Tag geplant. Will er gewinnen, halten wir die Füße still und versuchen, so lange wie möglich mitzufahren. Signalisiert Pogacar, er will nicht gewinnen, dann hat die Gruppe eine Chance. Jetzt ist das anders. Mehr Eigenverantwortung, mehr Risikobereitschaft und Kreativität sind gefragt.
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Aus Respekt für Pogacar: Mas trägt Rotes Trikot bei Siegerehrung nicht
Quelle: Eurosport
Wie sehen die Folgen dessen aus?
Voigt: Am Sonntag hat es ewig gedauert, bis eine riesige Gruppe weggefahren ist und die Mannschaften hinten übernommen haben. Da ist ein schneller, kurzer Lernprozess notwendig. Denn: Für viele Fahrer in den Top Ten ist das die erste und vielleicht einzige Möglichkeit, in ihrem Leben eine Grand Tour zu gewinnen. Kein Isaac Del Toro, kein Remco Evenepoel, kein Jonas Vingegaard - und nun ist auch Pogacar nicht mehr am Start. Für Felix Gall oder Enric Mas ist es eine einzigartige Möglichkeit. Das gleiche gilt für die Etappenjäger. Pogacar hätte bestimmt noch drei oder vier Etappen gewonnen, die werden jetzt für andere Mannschaften frei. Auch sein Team UAE ist durch das Ausscheiden geschwächt. Pablo Torres ist raus, Jay Vine sah sehr farblos aus, ist am Sonntag viel hinten gefahren. João Almeida fährt auch nicht so stark, wie man das sonst von ihm kennt.
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Wer ist jetzt Dein Top-Favorit und warum und wie schätzt du die Gemengelage unter den Klassementfahrern ein?
Voigt: Ich denke, Felix Gall und sein Decathlon CMA CGM Team sind ein kleines bisschen stärker als alle anderen. Am Sonntag waren sie im Überschwang der Gefühle aber zu früh, zu schnell und mit zu vielen Leuten dabei, deshalb musste Gregor Mühlberger schon bei noch acht zu fahrenden Kilometern übernehmen. Besser wäre es gewesen, er übernimmt erst bei fünf Kilometern, um Gall bis auf drei Kilometer vor dem Ziel heranzubringen. Die kann Gall alleine fahren, aber keine sechs. So viel stärker als der Rest ist er nämlich nicht. Er kann ein Loch reißen, es aber nicht sechs Kilometer lang halten. Das war ein klassischer Fall von gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Sie haben ihre Kräfte zu früh verschlissen. Aber diese Fehler werden sie nicht noch einmal machen.
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Riesenschock! Pogacar stürzt schwer - und muss Rundfahrt aufgeben
Quelle: Eurosport
Wen muss man noch auf der Rechnung haben?
Voigt: Auch Primoz Roglic hat sich immer wieder zurückgekämpft. Totgesagte leben länger, wie man so schön sagt. Er war am Sonntag der drittstärkste Fahrer. Auch wenn er einem nicht mehr so stark vorkommt wie früher, war er mal Zeitfahr-Olympiasieger. Im Kampf gegen die Uhr ist er deutlich besser als Gall oder Mas. Eine Minute kann er auf den 32 Kilometern auf der 18. Etappe ganz sicher gutmachen.
Mas hat seine Mannschaft stark eingestellt. Sie scheinen an dieser Aufgabe gewachsen zu sein. Das war eine 10 von 10, nah an der Perfektion.
Aktuell führt Enric Mas die Gesamtwertung mit 1:18 Minuten vor Roglic und 1:39 min vor Gall an. Bei seiner Heimat-Rundfahrt scheint er immer nochmal ein paar Prozent mehr aus sich herausholen zu können. Traust Du ihm den ganz großen Wurf zu?
Voigt: Er hatte bereits eine tolle Karriere, war drei Mal Zweiter bei der Vuelta, mehrfach in den Top Ten bei der Tour de France. Er kann das, auch über drei Wochen. Am Sonntag hat er sich das Trikot voll verdient. Er hat als Führender die Etappe gewonnen, mit all dem Druck. Die halbe Welt beobachtet ihn. Er ist cool geblieben und hat seine Karten clever gespielt. Zwischenzeitlich musste er mal reißen lassen, aber nur, weil er die explosive Attacke nicht mitgehen wollte. Am Ende ist er das kurvige Finale clever gefahren, hat immer den kürzesten Weg genommen. Oscar Onley hatte dadurch keine Chance vorbeizukommen. Mas hat seine Mannschaft stark eingestellt. Sie scheinen an dieser Aufgabe gewachsen zu sein. Das war eine 10 von 10, nah an der Perfektion.
Vielen Dank für das Gespräch.
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Vuelta-Strecke, 10. Etappe: Ausreißer wittern ihre Chance
Quelle: Eurosport
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