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John Degenkolb abgeschlagen: Peter Sagan holt WM-Gold in Richmond

Degenkolb abgeschlagen: Sagan holt WM-Gold
Von Eurosport

27/09/2015 um 21:43Aktualisiert 27/09/2015 um 23:59

John Degenkolb hat zum Abschluss der Straßenrad-WM im amerikanischen Richmond/Virginia einen historischen Coup verpasst. Der 26-Jährige musste sich im Straßenrennen nach 261,4 km auf der Governor Street dem Slowaken Peter Sagan geschlagen geben und fuhr als 29. auch am Podium vorbei. Damit bleibt der WM-Triumph von Rudi Altig vor 49 Jahren weiterhin der bislang letzte eines deutschen Fahrers.

Sagan dominierte das Finale mit einer beeindruckenden Solo-Attacke, der die Konkurrenz nicht folgen konnte.

Der Australier Michael Matthews sprintete wenige Sekunden hinter Sagan zu Silber vor Ramunas Navardauskas (Litauen). Alexander Kristoff aus Norwegen und der Spanier Alejandro Valverde komplettierten die Top 5 des Rennens.

"Ich hatte genug von zweiten Plätzen", sagte Sagan, der seit mehreren Jahren einen weiteren Tour-de-France-Tagessieg jagt und dabei fast unzählige Male nur Zweiter geworden war. Im Ziel ließ sich der Publikumsliebling ausgiebig feiern.

Für Degenkolb wäre WM-Gold die Krönung einer grandiosen Saison gewesen. Im Frühjahr hatte der gebürtige Geraer bereits die Klassiker Mailand-Sanremo und Paris-Roubaix gewonnen und war auch deshalb als einer der Mitfavoriten angetreten. Im Finale reichten aber seine Kräfte nicht.

Degenkolb war in der Schlussrunde am Libby Hill eine Attacke des Tschechen Zdenek Stybar mitgegangen und schien in einer perfekten Position zu sein. Doch die Verfolger schlossen wieder auf und als auch Sagan an der giftigen 23rd Street beschleunigte, konnte der deutsche Kapitän das Hinterrad nicht halten.

Peter Sagan Weltmeister 2015

Peter Sagan Weltmeister 2015AFP

"Bin bestraft worden"

"Ich habe danach den Fehler gemacht, zu nervös zu werden und bin dafür bestraft worden", sagte Degenkolb, der den Rückstand zu schnell wieder aufholen wollte.

Am Anstieg zur Zielgeraden brach er jedoch ein und auch der Kampf um Silber und Bronze fand ohne den entkräfteten Degenkolb statt: "Trotzdem denke ich, dass ich ein super Rennen gefahren bin, ich war immer mit dabei und auch die Mannschaft war superstark."

Maßgeblich auf dem klassikerähnlichen Kurs war die Position an den Schlüsselstellen, gerade an den Pflasterpassagen, wie dem von Tausenden Radsport-Fans aus aller Welt gesäumten Libby Hill. Zumal das Tempo schon weit vor dem Finale verschärft wurde und an den insgesamt drei giftigen Steigungen am Ende des Rundkurses taktische Fehler nur noch schwerlich zu korrigieren waren. Deshalb war Degenkolb dort oft an der Spitze auszumachen und wollte jederzeit sein Glück in den eigenen Händen halten.

Einige Mannschaften hatten während der 261,4 km erwartungsgemäß kein Interesse, die deutschen Tatkik zu unterstützen. So legten die Niederländer von Beginn an einen relativ hohen Rhythmus vor, um die Konkurrenz zu schwächen. Auf eine Attacke lauerten auch Titelverteidiger Michal Kwiatkowski aus Polen und die starken Belgier. Die Auswahl des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) war aber zunächst wachsam, doch die Energie schwand.

Peter Sagan, Richmond 2015

Peter Sagan, Richmond 2015AFP

Vor allem durch seine Triumphe in der "Hölle des Nordens" und in Sanremo hatte sich Degenkolb zu einem der großen Favoriten aufgeschwungen - und sein Formaufbau hin zum letzten Saisonhöhepunkt passte auch. Mit einem Sieg auf der letzten Etappe der Vuelta in Spanien tankte er vor 14 Tagen noch einmal Selbstvertrauen. Das hatte André Greipel auch. Im besten Jahr seiner Karriere ordnete sich der Rostocker aber unter und verzichtete auf seine Chance.

Plan A mit Degenkolb sollte aufgehen. Er sollte bis ins Finale hinein geschützt werden. Unter anderem hatten Tony Martin, der nach seinem Zeitfahr-Desaster eine starke Leistung zeigte, und Simon Geschke, Tour-Etappensieger in den Alpen, alles dafür getan.

Das BDR-Team wollte keinesfalls unnötig taktieren, sondern auf Angriff fahren. "Ich versuche, 'All in' zu gehen. Ich brauche keine Körner zu sparen oder auf irgendwas zu warten. Ich darf keine Angst davor haben, zu verlieren", hatte Degenkolb dem SID gesagt. Das Regenbogentrikot hatte der Wahl-Frankfurter als "einen Lebenstraum, einen Kindheitstraum" bezeichnet. Auf den muss er nun weiter warten.

Das Ergebnis:

Straßenrennen Männer (261,4 km):

1. Peter Sagan (Slowakei) 6:14:37 Stunden (41,867 km/h), 2. Michael Matthews (Australien) 0:03 Minuten zurück, 3. Ramunas Navardauskas (Litauen), 4. Alexander Kristoff (Norwegen), 5. Alejandro Valverde (Spanien), 6. Simon Gerrans (Australien), 7. Tony Gallopin (Frankreich), 8. Michal Kwiatkowski (Polen), 9. Rui Costa (Portugal), 10. Philippe Gilbert (Belgien) alle gleiche Zeit,

..., 29. John Degenkolb (Gera) 0:15, ... 88. Tony Martin (Cottbus) 4:00, ... 90. Simon Geschke (Berlin) 5:23, ... 103. Paul Voss (Rostock) 8:12, 104. Paul Martens (Rostock) 10:47, 105. André Greipel (Rostock), 106. Marcel Sieberg (Castrop-Rauxel) beide gleiche Zeit, ... nicht im Ziel: Christian Knees (Bonn), Johannes Fröhlinger (Gerolstein)

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