Rad-WM: Tony Martin enttäuscht über verpasste Medaille

Tony Martin sah traurig aus. Er haderte mit seinen Schmerzen im Brustkorb, die ihn wohl eine Medaille kosteten. "Ich habe gemerkt, ich habe nicht die Power, über gewisse Punkte drüber zu gehen. Mehr hat der Körper nicht hergegeben", sagte der viermalige Weltmeister nach Rang neun im WM-Einzelzeitfahren ein wenig bedrückt: "Deshalb bin ich zufrieden, dass es keine totale Nullnummer geworden ist."

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Sein Ergebnis sicherte dem Bund Deutscher Radfahrer (BDR) immerhin einen garantierten zweiten Startplatz für das olympische Einzelzeitfahren nächstes Jahr in Tokio. Aber auch wenn der neue, alte Weltmeister Rohan Dennis (Australien) alles überragte: Die Gewissheit, auf einem Kurs nach seinem Geschmack im Kampf um das Podest keine Rolle zu spielen, setzte Martin zu.

Martin konnte nicht an Leistungsgrenze gehen

"Ja, es ist schon traurig. Ich wäre hier konkurrenzfähig gewesen, vielleicht nicht mit Rohan Dennis, aber 30 Sekunden zu den Medaillen ist ein Abstand, den ich mir zugetraut hätte", sagte der Lausitzer, der im ersten und dritten Streckendrittel auf Top-3-Kurs war. Insgesamt aber waren die Folgen seines schweren Sturzes bei der Spanien-Rundfahrt nicht zu kompensie
Die entscheidende Zeit verlor Martin im technischen Mittelsektor, wo ihn der schmerzende Brustkorb am meisten behinderte. "Die Regeneration nach der Vuelta hat gelitten. Ich konnte in dem Abschnitt nicht an die Leistungsgrenze gehen. Das ist keine Entschuldigung, aber eine Erklärung", sagte der Wahl-Schweizer.
Dennoch kämpfte Martin um jede Sekunde und das Minimalziel Olympia-Startplatz: "Es hätte auch ein Totalausfall werden können."
Dennis, der in 1:05:05 Stunden seinen Titel aus dem Vorjahr erfolgreich verteidigte, fuhr in einer eigenen Liga. Nach 54 welligen Kilometern zwischen Northallerton und Harrogate kam Martin auf eine Zeit von 1:07:32 Stunden, 2:27 Minuten langsamer als Dennis, der seit seinem geräuschvollen Ausstieg bei der Tour de France kein Rennen mehr bestritten hat.
"Stark, definitiv. Das ist für mich kein Hexenwerk, für mich ist das plausibel, wenn man das Potenzial hat", sagte Martin.

Deutsche Aussichten waren ungünstig

Das Podium komplettierten das 19 Jahre alte belgische Top-Talent Remco Evenepoel (+1:09 Minuten) sowie der Italiener Filippo Ganna (+1:55). Der Kölner Nils Politt (+4:10) blieb als 22. im Rahmen seiner Möglichkeiten.
Dennis hatte schon an der ersten Zwischenzeit eine eindrucksvolle Marke gesetzt und auch das belgische Wunderkind Evenepoel, bereits als neuer Eddy Merckx bezeichnet, klar hinter sich gelassen. Martins Karrierebilanz von vier Titeln im Einzelzeitfahren und insgesamt 13 WM-Medaillen bleibt auch ohne weiteres Highlight eindrucksvoll.
Die deutschen Aussichten waren nicht nur durch Martins gesundheitliche Probleme beeinflusst worden, auch der Ausfall von Maximilian Schachmann (Trainingsrückstand nach Infekt) war ungünstig. Ein Dämpfer war zudem, dass Politt unterwegs mit seiner Schaltung kämpfte. Der Kölner sagte:
Zu seinen technischen Problemen erklärte Politt: "Die Schaltung ist hängengeblieben, ich habe dagegen getreten, dann hat es wieder funktioniert."
Martin weiß selbst, dass seine allerbeste Zeit hinter ihm liegt, als er zwischen 2011 und 2013 drei seiner vier WM-Titel herausfuhr. Dennoch hoffte er auf günstige Umstände, weil die Distanz seiner Fähigkeit entgegenkam, ein gleichmäßig hohes Tempo ausdauernd durchzustehen. Aber der Körper ließ sich nicht überlisten.
(SID)
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